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VORSTUDIEN

GESCHICHTE UND ZUCHT

DER HAUSTHIERE

ZUNZCHST AM

SCHWEINESCHZEDEL

VON

HERMANN VON NATHUSIUS

(HUNDISBURG..

; Mit einem Atlas, enthaltend VI Tafeln Abbildungen und Erläuterungen.

BERLIN. WIEGANDT UND HEMPEL. 1864.

VORWORT UND EINLEITUNG.

Die hier dargebotenen Vorstudien sind aus einem mehrfachen Interesse an dem Gegenstande hervorgegangen: der Verfasser ist aus Neigung Zoolog, nach Beruf Thierzüchter. Es ist die Signatur unserer Zeit, gewerbliche Thätigkeit auf Naturwissen- schaft zu begründen; es giebt jetzt wohl nur wenige Land- _wirthe der Art welche man in unserer Jugend, mit dem Titel- wort Thär’s, rationelle zu nennen pflegte, denen die Bedeutung der Chemie für ihr Gewerbe nicht klar geworden wäre, die Naturgeschichte der Thiere aber ist bisher weniger benutzt und steht noch in schwacher Beziehung zur Lehre von der Thier- zucht; diese Lehre wird aber um so wichtiger je grösser die Bedeutung der Thierzucht für die Landwirthschaft wird.

Die Lehre von der Thierzucht ist bisher im Allgemeinen wenig wissenschaftlich behandelt, sie hat etwas Anekdotenhaftes an sich; es liegt dies wohl darin, dass es in hohem Grade an solchen zoologischen Fundamenten fehlt welehe als Stützen für zootechnische Lehren gelten konnten. Ich verstehe hier unter Fundamenten nicht etwa allein unzweifelhaft festgestellte Lehr- begriffe, sondern auch solche Anschauungen welche zur Ueber- sicht und Einsicht über und in die Naturgeschichte derjenigen

Thiere führen mit welchen die Hausthierzucht zu thun hat. Nur

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IV VORWORT UND EINLEITUNG.

ein Beispiel: trotz aller Definitionen über den Begriff von Rasse herrscht die grösste Unsicherheit in der Anwendung dieses W oorts, und demnach auch in den Lehrsätzen, deren Inhalt auf den Rasse- begriff begründet ist, so ist es denn nicht wunderbar, dass auch die Praxis unklar ist über das was man im täglichen Verkehr Rasse nennt. Auf dieser Unsicherheit beruht naturgemäss die Unsicherheit derjenigen Lehren welche über Constanz und Varia-

bilität, über Vererbung der Rassen handeln, aber es beruhen

.darauf auch die Unsicherheit und die widersprechenden Behaup-

tungen der Züchter, denen man so oft begegnet.

Der Verfasser gehört nicht zu denjenigen welche sich selbst mit einer Definition beruhigen und andere an eine solehe binden wollen. In Bezug auf das hier gewählte Beispiel ist es ja von selbst klar, dass der Rassebegriff abhängig ist von dem Art- begriff, eine vollkommen klare Einsicht aber in das Wesen der Art hat der Verfasser nicht erlangt, ist aber auch einer solchen noch nirgend begegnet. Wir stehen alle noch immer vor dem alten Schleier, der bekanntlich durch die Risse welche man hier und da, oft mit‘ nicht feiner Hand, gemacht zu haben sich ein- bildet, nicht durchsichtiger geworden ist. Wie nun aber die Zoologie mit ihrem Fortschritt auf die Lösung der Frage über das Wesen der Art nicht warten kann und nicht darauf gewartet hat, so kann auch die Lehre von der T'hierzucht nicht warten auf die Lösung der Frage nach dem Wesen der Rasse. Wenn man sich aber auch bescheidet, Fragen wie die hier berührten nicht erledigen zu können, so bleibt es doch unvermeidlich sich mit ihnen zu beschäftigen; wir müssen nothwendig mit den Be- griffen von Gattung, Art, Spielart, Rasse u. s. w. verkehren, auch wenn wir die tiefsten Fragen welche sich daran knüpfen,

ruhen lassen. Der Gebrauch solcher Bezeichnungen ist unver-

VORWORT UND EINLEITUNG. ντ

meidlich; wenn man aber nicht sinnlos sondern mit Bewusstsein solche Bezeichnungen gebrauchen will, dann sind Anschauungen von den Gegenständen um welche es sich handelt, nothwendig. Es ist eine Thatsache, welche von alle denen welche bisher den Rassen der Hausthiere ein eingehenderes Studium zugewendet haben, anerkannt wird, dass das Material für solches Studium ausserordentlich schwer zu beschaffen ist. In den reichsten zoo- logischen Museen ist sehr wenig für die Naturgeschichte der Hausthiere zu finden und eben so wenig in den besten Samm- lungen der Veterinärschulen, wenn man nämlich nach Präparaten zur Geschichte der Rassen sucht. Man sollte glauben, es sei sehr leicht von den Thieren welche täglich überall geschlachtet werden, die für solche Untersuchungen erforderlichen Präparate zu be- schaffen; wenn man aber bei dem Mangel an dergleichen in öffentlichen Sammlungen anfängt selbst das nöthige Material zu- sammenzutragen, dann treten die Schwierigkeiten überraschend hervor. Allein der Umstand, dass viele Thiere, namentlich fast alle Schweine, im jugendlichen Alter geschlachtet werden, macht es sehr schwierig Präparate von hinlänglich alten Thieren zu erlangen; dazu kommt die Nothwendigkeit grössere Suiten zur Hand zu haben, wenn man die Abweichungen der Form oder ihre Beständigkeit kennen lernen will. So ist denn auch die That- sache erklärlich, dass in der Literatur an Abbildungen welche für ein 'eingehenderes Studium der Hausthierrassen brauchbar sind, Mangel ist. Es genügt zum Beweis für diese Behauptung allein daran zu erinnern, dass die fast einzige Abbildung eines Schädels des sogenannten indischen Schweins, einer Rasse welche sich über den grössten Theil der Erde verbreitet findet, vor mehr als hundert Jahren in dem Buffon’schen Werke erschienen

ist; der Ursprung aber des Thiers von welchem der Schädel

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VI VORWORT UND EINLEITUNG.

genommen ist, war zweifelhaft. Die Buffon’schen Abbildungen der Schweineschädel werden, trotzdem sie durch Kleinheit unge- nügend sind, noch immer copirt, z B. noch in der neuesten Be- arbeitung der Priehard’schen Naturgeschichte des Menschen von

Norris.

Die grosse Schwierigkeit, einigermassen genügendes Material für solehe Untersuchungen zu beschaffen, wie ich sie beabsichtigte, ist auch die Veranlassung geworden, mich bei dieser ersten Mit- theilung wesentlich auf die Schädel zu beschränken. Es ist nicht eine Ueberschätzung der Bedeutung des Schädels für die Form überhaupt, es ist nur der leidige Umstand, nach jahrelangen Be- mühungen immer noch nicht Material genug für die vergleichende Betrachtung des ganzen Skeletts zu besitzen. Trotzdem aber sollte wiederholten Aufforderungen nachgegeben werden, wenigstens einen Anfang damit zu machen, das gesammelte Material für

ähnliche Studien anzubieten.

Dies ungefähr ist der Ideengang der mich veranlasst hat mit

den nachfolgenden Fragmenten hervorzutreten.

Die nächste Veranlassung, dies zuerst mit einer Betrachtung der Schweineschädel zu thun, gaben die gründlichen und fördern- den. Arbeiten des Herrn Professor Rütimeyer in Basel und dessen Ausspruch: „Es ist meines Wissens nach niemals mit hinreichender Einlässlichkeit versucht die osteologischen Merk- male von Wildschwein und Hausschwein zu untersuchen und in Bezug auf ihre Constanz zu verfolgen.“ Und selbst diese Arbeiten liessen darin Lücken, dass die Schädel weder des indischen Schweins noch der so eigenthümlich gestalteten neuern englischen Culturformen dem Verfasser zugänglich gewesen waren. Ich

konnte gerade von diesen Anschauungen darbieten.

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VORWORT UND EINLEITUNG. VII

Ich nehme also zunächst das Interesse des zoologischen Systematikers und des Züchters für die nachfolgenden Mitthei- lungen und für die gegebenen Abbildungen in Anspruch, nament- lich auch des Züchters, weil es nothwendig ist, Anschauung der Form zu haben, wenn man sich mit Gestaltung der Form be- fassen will.

Aber ich frage auch an, ob darüber hinaus die dargebotenen Anschauungen für andere Zwecke brauchbar gefunden werden.

Die Untersuchungen über die sogenannten Küchenreste haben gezeigt, welche Bedeutung das Studium der Hausthiere der ältesten Völker auch für die Geschichte derselben und damit für die Weltgeschichte überhaupt haben kann; es wird in dieser Richtung, wenn erst mehr Aufmerksamkeit darauf gewendet wird, gewiss noch manches bedeutungsvolle Resultat gewonnen werden. Aber auch für diesen Zweck sind Anschauungen der jetzt leben- den Rassen und Formen der Hausthiere nothwendig.

Die Frage nach der Bedeutung der Menschenrassen, ihrer Genesis und Constanz, wird zu allen Zeiten die Forschung be- schäftigen, in neuester Zeit ist ein besonders lebhaftes Interesse dafür erwacht; die Hausthiere stehen zu den Menschen seit uralter Zeit in nächster Beziehung und aus diesem Grunde, überhaupt aber in Bezug auf die Formgestaltung des thierischen Leibes, wird man immer auf die Entstehung und die Constanz der Rassen der Hausthiere geführt.

Die Zusammengehörigkeit des Studiums der Menschen- und Hausthierrassen ist gleich damals erkannt , als man anfing die Naturgeschichte der Menschenrassen zu stüdiren; eine der ersten Arbeiten

Schweinerassen.“ Die widersprechendsten Ansıchten der Anthro-

Blumenbach’s hiess: „über Menschenrassen und

pologen stützen sich vermeintlich auf Erfahrungen über die

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VIII VORWORT UND EINLEITUNG.

Rassen der Hausthiere; dass die bisher gewonnenen Resultate entgegengesetzte Ansichten stützen , beweist allein schon, dass es nicht überflüssig ist, immer wieder nach festeren Stützen zu suchen.

Ein Theil dieser Vorstudien ist niedergeschrieben nachdem Darwin’s kräftiges und nützliches Ferment zu wirken begonnen; es ist daher fast nothwendig einige Worte darüber zu sagen. Darwin bezieht sich in seiner vorläufigen Schrift über den Ur- sprung der Art oft auf die Geschichte der Hausthierrassen, wie es mir scheint sind nicht alle Angaben über die Gestaltung der Rassen hinlänglich nachgewiesen und es fehlt namentlich an dem Zugeständniss, dass viele Erscheinungen der Rassenbildung für jene Theorie so lange nicht zu verwerthen sind, als wir über die Motive der Formwandlung und deren Gränzen nicht klarere Einsicht haben; Darwin selbst ist zu sehr beobachtender For- scher um nicht, wie aus vielen Stellen seiner Arbeit hervorgeht, des Zweifels an dem Werth der vermeintlichen Thatsachen sich bewusst zu bleiben aber unter den schreibfertigen Nachfoleern welche in die -populäre Sprache übersetzen, ist manchem solches Bewusstsein abhanden gekommen. So schien es mir denn beson- ders räthlich, jedesmal bestimmt Halt zu machen, wenn wir in dem Gang der Untersuchung an einer solchen Gränze ankommen, deren Ueberschreitung für jetzt nicht möglich ist ohne Luft- sprünge zu machen und den festen Boden unter den Füssen zu verlieren. Für Untersuchungen welehe Fundamente für andere Ausführungen sein sollen ist es richtiger, offen bleibende Fragen als solehe zu bezeichnen und selbst von neuem Fragezeichen hinter angeblich erledigte Antworten zu setzen, mit denen man nicht mit sichern Schritten vorwärts kommen kann. Für Träumen

und Dichten bleibt dennoch Raum und Zeit.

VORWORT UND EINLEITUNG. TX

Ich nannte Darwin’s Theorie ein kräftiges und nützliches Ferment: ich möchte nicht gern in meiner Stellung zu demselben missverstanden werden, um so weniger als man mich auf Grund früherer Arbeiten als im entschiedensten Gegensatz zu der Dar- win’schen Theorie stehend genannt hat. Die Anregung welche Darwin durch seine vorläufige Mittheilung gegeben hat, ist sehr förderlich gewesen und von der Ausführung seiner Beobachtung ist reicher Ertrag auch für das Studium der Hausthiere zu er- warten. Exacte Beobachtungen welche sich darauf beziehen sind aber von ihm bisher nicht dargeboten; er benutzt einige der oft erwähnten Erscheinungen der Rassebildung unserer Hausthiere, ohne sich in der vorliegenden Schrift auf Prüfung derselben einzu- lassen. Eine solche ist aber besonders nöthig, denn der allgemeine Ausdruck, dass die Hausthiere Umgestaltungen unterliegen, kann nicht genügen. Es ist nothwendig die wirklich eintretenden Veränderungen im Einzelnen zu beobachten und ganz besonders nach einer Einsicht darüber zu streben, welche Gränzen der Con- stanz die Umgestaltung nieht überschreitet. Die vorliegenden Untersuchungen beschäftigen sich vorzüglich mit dem Nachweis der wirklich eintretenden Veränderungen und weisen solche, und zwar einige sehr merkwürdige, nach; aber selbst die bedeu- tendsten Umgestaltungen entfernen die davon betroffenen Thiere auch nicht um einen Schritt von den aus Beobachtung abstrahirten Charakteren ihrer Gattung. Wir werden vielleicht gezwungen die Gränzen des Artbegriffs zu erweitern, aber keine reale‘ An- schauung: nöthigt oder erlaubt uns den Artbegriff überhaupt aufzugeben. |

Die letzte nothwendige Consequenz der Theorie verleugnet Darwin selbst. Ich habe keinen Beruf an dieser Stelle über

die letzte Consequenz derselben zu sprechen, wir kommen damit

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X VORWORT UND EINLEITUNG.

auf ein Gebiet dessen Gränzen der Beobachter nicht über- schreiten wird.

Darwin hat aber innerhalb des Gebiets, auf welchem sich Forschungen der Art allein mit Sicherheit bewegen können, neue Gesichtspunkte eröffnet und die Gränzen erweitert und in diesem Sinne bekenne ich mich gern zu ihm. Es schmälert sein Ver- dienst nicht, dass er Vorgänger gehabt hat, auch nicht dass an manchen der von ihm herangezogenen Beispiele aus der Rassen- geschichte der Hausthiere vielleicht nicht hinlängliche Kritik

geübt ist.

Ich war zweifelhaft ob es nicht besser gewesen wäre, die vorliegenden Mittheilungen bedeutend zu kürzen; ich habe nament- lieh die ausführlicheren Schädelbeschreibungen streichen wollen und statt deren kürzere diagnostische hinstellen. Ich bin schliess- lich der Meinung einiger darum befragter sachverständiger Gönner gefolgt welche der Ansicht waren, es sei ein Bedürfniss des nähern Eingehens auf derartige Betrachtung vorhanden; nament- lich auch für diejenigen, wurde mir gesagt, welche berufen sind Thierzucht zu lehren, könnten Vorstudien auch in dieser Form als Einleitung in eigene Beobachtungen förderlich sein. So habe ich denn meinen Wunsch nach gedrängterer Form beseitigt.

Einen Rath der mir von anderer Seite kam, habe ich aber nicht befolgen können; es war der: ich solle die anatomische Terminologie aufgeben und ohne diese so schreiben, dass Jeder ohne derartige Vorkenntniss ohne weiteres diese Mittheilungen lesen könne. Ich sehe nicht ein wie dies ohne endlose Weit- schweifigkeit möglich ist; es ist ja der Nutzen der Kunstausdrücke, dass sie das Verständniss erleichtern. Ohne Terminologie ist keine

eingehende Behandlung soleher Dinge möglich.

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VORWORT UND EINLEITUNG. XI

Ich habe Material für ähnliche Betrachtungen aller Haus-

thiere gesammelt, zumeist für Schafe, Rinder, Pferde und Hunde. Diese Sammlung ist ziemlich umfassend, doch sind noch grosse Lücken vorhanden; wenn Jemand dem dieses Buch in die Hand kommt, zur Ausfüllung der Lücken beitragen will, werde ich zu

Gegendiensten gern bereit sein.

Druckfehler.

Seite 7 letzte Zeile lies 278 statt 275.

46 Zeile 6 von unten lies Fig. 23 statt Fig. 25.

INHALT

Seite Entwieklung und Wachsthum des Schweineschädels im Allgemeinen und insbesondere des Wildschweins . 1 Milchgebiss und Zehen ; 15 Der erwachsene Schädel und das fertige ai 24 Einleitung. Methode der Messung . κα 24. Der Schädel des europäischen Wildschweins 26 Der geöffnete Schädel 46 Gebiss des Wildschweins . ; γε; " Geschlechtliche Unterschiede im αμα und de ba dua Theilen j i . beim Wildschwein . Ne πὶ 56 Der Schädel des dem Wildschwein ähnlichen Hausschweins . ο nn 62 Rückblick auf das Resultat des Vergleichs des wilden und zahmen Schweins. Motiv der Gestaltung . « er ος TER EURE e λα Fortsetzung des Tedide es ΚΙ und N Schwein; ας der nicht umgestalteten Theile τες 70 Gebiss des wildschweinähnlichen ee ; νι. τὸ Verschiedene Formen und Abstammung des gemeinen Hansschweins i 75 Der Schädel des indischen Hausschweins Bi ; Pe ΤΙ Beschreibung des Schädels eines weiblichen ee Schweine meiner Sammlung Ku er 79 Gebiss des indischen een 3 89 Rückblick und Resultat des Vergleichs des indischen E mit er Wild- schwein; Verschiedenbeit derselben 9 Vorbereitung zur Betrachtung der Culturrassen - 95 Versuch über den Einfluss der Ernährung auf die Td i Schädels . 99 Weitere Ausbildung der Culturform des Schweineschädels 103 Der Mopskopf der Hausthiere 104 Constanz der Form 106 Vererbung der Form. . . . 108 Die Lufthöhlen in den Kopfknochen En TEA 109 Der Schädel der Culturform des Schweins . ντα... Beschreibung des Schädels eines weiblichen TA PR der Thier- arzneischule in Stuttgart. . 115 e ο

Gebiss des oben beschriebenen Kopfes . Die extremste Schädelform der Oulturrasse .

XIV INHALT.

Die durch Kreuzung entstandenen Formen des Hausschweins

Kreuzung der Rassen Das englische Oulturschwein Das romanische Schwein

Vergleichende ο ας ie race au andake Senoi :

Das Torfschwein Das krause Schwein Das japanische Maskenschwein .

Vergleichung des Schädels des FER ET eins ΚΗ dag μα

Hausschweins à Die wilden Schweine

Das europäische Wildschwein, S. scrofa πώ europaeus Pallas .

(S. sennaariensis = larvatus. Fitzinger) . S. cristatus. A. Wagner?. S. indicus, 5. affinis ete. Gray? S. verrucosus. Müller & Schlegel . S. celebensis. M. & S. S. vittatus. M. & S.. S. timoriensis. M. & S. S. leucomystax. Temminck . S. barbatus. M. & S. Schwein der Insel Aru . Das Papuschwein S. larvatus. Fr. Cuvier . S. penicillatus. Schinz Ei Porcula, Porcus, er i Resultat .

Diagnostische Gaai der Rassen des ee

Anhang: Der Schädel von S. verrucosus. M. ὅς. S.. Gebiss im Oberkieter 3. u ὃν Zaun Unterkiefer

Nachtrag . Ei EEE : : oya

Das Gebiss des ETA Seele OR τοις 3

Ueber das Wildschwein des indischen Festlands

Seite 135 136 139 142 145 145 150 153

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Entwicklung und Wachsthum des Schweineschädels im Allgemeinen und insbesondere des Wildschweins.

Wir beginnen die Betrachtung des Schweineschädels mit dem Ein- tritt des Thieres in das Luftleben; die Entwicklung desselben im Uterus in den frühern Perioden bietet zunächst noch nichts für den vorliegenden Zweck; in den spätern Perioden, kurz vor der Geburt, ist bereits in den hier in Frage kommenden Beziehungen die Form des Schädels des neugebornen Thieres im Allgemeinen vorhanden. Ob und wie weit Rasse- unterschied in den frühern Perioden der Entwicklung des ungebornen Thieres vorhanden, wann ein solcher eintritt und wie weit er nach- weisbar, das sind Fragen, deren Beantwortung mich vielfach beschäftigt hat, deren Erörterung aber ich mir für spätere Mittheilungen vorbehalte. Im Allgemeinen bietet die Entwicklungsgeschichte, d. h. die Lehre von der Bildung der Frucht im Leibe der Mutter, bis jetzt für die Lehre von den Rassen wenig; es kann dies nicht auffallen, wenn man sich erinnert, wie wenig in dieser Beziehung an Differenzen der Arten, der Gattungen, selbst der Familien bisher beobachtet ist. ;

In den nächsten auf die Geburt folgenden Tagen wächst das. junge Thier sehr schnell; mit dieser schnellen Entwicklung gehen auch schnell Veränderungen in der Schädelform vor, d. h. die im Verlaufe dieser, Un- tersuchungen zu besprechenden Umwandlungen in der Gestalt einzelner Theile und der Verhältnisse derselben zu einander sind schon in den ersten Tagen nach der Geburt bemerkbar. Dabei ist aber ein Umstand wohl zu beachten.

Wir können aus dem ‚Durchschnitt einer grössern Zahl von Beob- achtungen eine normale Trächtigkeitsdauer : ableiten; eine normale Träch- tigkeitsdauer wird im Allgemeinen einen normal entwickelten Fötus liefern;

es sind aber mehrtägige Abweichungen von der durchschnittlichen Nor- 1

——

ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHRDELS.

malzeit nicht selten, im Gegentheil sehr häufig; es sind aber auch die entweder früher oder später gebornen Thiere entweder noch nicht ganz reif oder überreif, d. h. sie haben den Zustand, welchen man nach der normalen Trächtigkeitszeit als den normalen bezeichnen kann, entweder noch nicht erreicht oder aber bereits überschritten.

Dazu kommt ferner, dass bei den Schweinen wie bei allen Thieren, welehe mehrere Junge auf einmal gebären, die sämmtlichen Jungen einer Geburt fast niemals alle gleich ausgebildet sind; es finden sich gewöhn- lich, immer aber wenn sehr viele Junge in einem Wurf geboren werden, ein oder einige Individuen, welche weniger reif sind als die übrigen; es ist nicht selten, dass unter einem zahlreichen Wurf ein einzelnes Ferken noch entschiedener die frühere Fötalform des Kopfes hat als die übrigen, dass bei diesem sich grössere Fontanellen finden u. s. w. Es findet also auch bei mehrfachen Geburten und in ein und derselben Trächtigkeits- periode eine ungleiche Entwicklung der Individuen statt.

Wir haben aber noch einen dritten Factor zu beachten. Die Träch- tigkeitsdauer der Hausthiere ist neben manchen andern Einflüssen auch bedingt durch Rasseeigenschaft. Es hat sich dies in überraschender und prägnanter Art bei verschiedenen Schafrassen herausgestellt. (Zool. Garten von Weinland 1862, 102 oder Stadelmann’s Zeitschrift des landwirthschaftl. Central-Vereins der Provinz Sachsen 1862, 211.) Aehn- lich verhält es sich bei verschiedenen Schweinerassen; es haben auch von diesen die frühreifen Formen eine kürzere Tragezeit als die spätreifen. Im Allgemeinen sind nun die Ferken der frühreifen Culturrassen bei der Geburt scheinbar weniger reif, d. h. ihre Kopfform steht der frühern Fötalform näher; es würde am nächsten liegen daraus zu schliessen, dass dies Folge des kürzern Lebens im Uterus, also der kürzern Trächtigkeits- dauer sei; dem ist aber wahrscheinlich nicht so, es ist vielmehr auch diese scheinbar unreife Form Rassequalität. Es fällt nämlich für jetzt noch der Begriff der Frühreife bei den Schweineformen zusammen mit dem Antheil an Blut der indischen Rasse, welcher denselben beigemischt ist. Das indische Schwein hat aber bei der Geburt schon eine Kopfform, welche abweichend von der des sogenannten gemeinen Sehweines ist und es ist diese Form im Allgemeinen der des frühern Fötalzustandes ähnlich.

Ich sagte „für jetzt noch“ bedeutet Frühreife bei den Schweine- formen zugleich Abstammung von der indischen Rasse: dies ist entschie- den richtig, aber die Frühreife ist ebenso entschieden nicht Folge jener Blutmischung, sondern sie ist Felge der Zuchtmethode nach welcher das

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ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHRDELS.

junge Thier von frühster Zeit an möglichst kräftig ernährt wurde, eine Methode, durch welche einige Formeigenthümlichkeiten und einige phy- siologische Vorgänge einigermassen erblich gemacht sind. Es wäre aber, nach den Erfahrungen, welche man in der Hausthierzucht gemacht hat, leicht möglich aus ändern, nicht indischen Rassen ebenso frühreife For- men zu bilden, wie man sie bisher nur aus der indischen Rasse gebildet hat, und wenn dies einst geschehen sollte, dann würde man wahrschein- lich Formen erlangen, welche trotz der Frühreife und kürzern Trächtig- keitsdauer bei der Geburt nicht jene unreife Schädelform haben, wie wir sie jetzt bei den von indischen Schweinen abstammenden, frühreifen _Culturrassen beobachten. Es könnte jedoch auch der Fall scin, dass sich mit anerzogener Frühreife ein ähnlicher Zustand des jungen Thieres bei der Geburt als Norm herausstellte, wie wir ihn bis jetzt nur bei den von der indischen Rasse abstammenden Formen kennen. Ich deute diese Conjeetur hier nur vorläufig an, weil sich an eine spätere Erörterung derselben mehrere interessante Fragen knüpfen.

Wenn wir nun für unsern vorliegenden Zweck eine Vergleichung des Jungen Thieres mit dem erwachsenen anstellen und zunächst die Veränderungen betrachten wollen, welche mit dem Wachsthum am Schädel vorgehen, dann werden wir einen gewissen normalen Zustand des neugebornen Thieres als Anfangspunkt annehmen müssen; als solcher git uns demnach das nach normaler Trächtigkeitsdauer geborne Thier, wie es sich durchschnittlich darstellt; wir lassen jene oben bespro- ehenen Abweichungen als nicht wesentlich für diesen Zweck unberück- Sichtigt.

An dem Schädel des neugebornen Schweines fällt zuerst die grosse Verschiedenheit auf, welche zwischen dem Hirntheil und dem Gesichts- theil, im Vergleich zu den Verhältnissen dieser Theile bei dem erwach- senen Thier, besteht. Der auf Taf. I. Fig. 3 in halber Grösse abgebil- dete Schädel eines neugebornen Hausschweines ist in der Längenachse vom hervorragendsten Theil der Zwischenkiefer bis zum hervorragendsten Theil des Hinterhaupts 93 Mm. lang. Von diesem Mass fallen nur 33 Mm. auf die Länge von der Kieferspitze bis zum vordern Anfang des Stirnbeins und 60 Mm. auf den Achsendurchmesser des Gehirntheils. Während wir hier in den genannten Dimensionen annähernd das Ver- hältniss von 1:2 haben, ergiebt sich dasselbe Verhältniss bei erwach-. senen Schädeln bis auf 1: 0,75.

Demnächst fällt die Rundung des Schädels auf. Das Stirnbein

(noch vollständig durch die Stirnnath getheilt), die Scheitelbeine und der 13

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ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHÄDELS.

Schuppentheil des Hinterhauptsbeins bilden eine nicht unterbrochene Wölbung; es ist demnach die charakteristische Form des Schweineschä- dels, die Keilform, noch nieht vorhanden. Die äussere Contur des das Gehirn umgebenden obern Schädeltheils verläuft parallel mit der obern Contur des Gehirns; es sind also die Knochenlamellen der oben genann- ten Schädeltheile ziemlich gleich weit von einander entfernt. Dies Ver- hältniss ändert sich sehr schnell. Bald nach der Geburt entwickeln sich die äussern Lamellen der Stirn-, Scheitel- und Hinterhauptsbeine nieht mehr, wie bis dahin, gleichmässig wie die innern Lamellen, beide trennen sich von einander, es entsteht zwischen ihnen cine schwamm- artige, poröse Knochenmasse und die äussere Contur wird eine durchaus andere als die innere, welche das Gehirn umgiebt. Am prägnantesten tritt diese Bildung auf an dem obern Theil der Hinterhauptsschuppe und dem hintern Theil der Scheitelbeine; erstere erweitert sich immer mehr fächerförmig und bildet in ihrer Verbindung mit dem hintern Rand der Scheitelbeine jenen Kamm, welcher für den Schweineschädel so charak- teristisch ist. Auf Taf. VI. Fig. 29 und 30 zeigt eine schematische Zusammenstellung der Hinterhauptsschuppe des neugebornen Schweines mit der eines im Wachsthum vorgeschrittenen diese Umgestaltung des Knochentheils, welche die äussere Schädelform so wesentlich bedingt; es zeigt diese Zeichnung zugleich, dass sich die Form des erwachsenen Thieres aus der Form des neugebornen entwickelt, ohne dass die letz- tere in ihren Anfängen einer wesentlichen Umgestaltung bedarf, indem die so ganz andere Gestaltung sich hauptsächlich durch Wachsthum der Ränder des Knochens bildet. Es ist dies ein Verhalten, wel- ches bei dem Vergleich junger und alter Schädel auf den ersten Blick

'kaum möglich erscheint, welches aber deutlich wird, wenn man Durch-

schnitte der einzelnen Knochentheile macht, oder auch nach der von Welcker in den Untersuchungen über Wachsthum und Bau des mensch- lichen Schädels angewendeten Methode verfährt, indem man die ent- sprechenden Theile des jungen Schädels auf die des alten aufträgt.

Die beiden bisher besprochenen Veränderungen, welche an dem Schweineschädel im Verlauf seiner Entwicklung nach der Geburt vor-

gehen, sind für unsere Betrachtung in mehrfacher Beziehung von gros-

ser Bedeutung. Es sind nämlich sowohl die allmälig eintretende Ver- längerung des vordern Theils des Schädels als auch die bedeutende Umwandlung der äussern Contur des Hirntheils in ihrer Vollendung

die wesentlichsten Bedingungen der grossen Formverschiedenheit der

erwachsenen Thiere. Es treten beide Gestaltungen sogleich nach der

NTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHDELS. 5

Geburt ein und schreiten fort bis zur Vollendung der Form des erwach- senen Thieres; es sind dieselben nieht etwa gebunden an gewisse Lebens- perioden, z. B. Geschlechtsreife, und nicht an Erscheinungen, welche bei andern Thieren von grossem Einfluss auf die Gestaltung des Schädels sind, wie z. B. bei den sogenannten anthropomorphen ‘Affen mit der Ent- wicklung der Eckzähne so wesentliche Veränderungen vorgehen, oder bei einigen hohlhörnigen Wiederkäuern mit der Entwicklung der Stirn- zapfen. Denn wenn auch, wie sich von selbst versteht, mit dem Zahn- wechsel und besonders mit der Entwicklung der Eckzähne am Schweine- kopf Veränderungen eintreten, welche die Gleiechmässigkeit der fort- schreitenden Gestaltung Sewissermassen unterbrechen, so entstehen doch hierdurch nicht Umgestaltungen, welche das Bild wesentlich ändern.

Es wird nun mehrfach darauf hingewiesen werden, welchen Ein- fluss Lebensweise und Ernährung auf diese Gestaltung ausüben, und wenn die Bedeutung dieser Erscheinung für Morphologie, Systematik und praktischen Zuchtbetrieb wiederholt besonders hervorgehoben werden wird, so muss doch gleich hier darauf hingewiesen werden, dass diese Veränderungen der Gestalt eigentlich nur, wenn der Ausdruck erlaubt

Nebendinge betreffen. Die mehr oder weniger eintretende Verlän- gerung der Oberkieferknochen, der Nasenbeine und der Zwischenkiefer ist nicht von tieferer Bedeutung für das Leben des Thieres, ebenso wenig die stärkere oder geringere Entwicklung der äussern Lamelle der Stirn-, Scheitel- und Hinterhauptsknochen. Durch alle diese Gestal- tungen wird die Knochenkapsel, welche das Gehirn umgiebt, nicht we- sentlich alterirt, denn es sind die innern Lamellen der zuletzt ge- nannten Knochen, durch welche dieselbe gebildet und in ihrer Form bedingt wird und diese ist unabhängig von der Bildung der Kämme des Hinterhaupts und der Lufträume, welche zwischen den Lamellen der obern Kopfknochen entstehen. |

Es ist nicht meine Absicht den Wachsthum des Schweineschädels hier in allen Beziehungen zu verfolgen; es würde dies eine Arbeit sein, welche die gesteekten Gränzen weit überschritte und deren Resultat vor- läufig und in dem jetzigen Stadium des Zweiges der Rassenkenntniss, in dem wir uns orientiren wollen, für diese Kenntniss nieht nothwendig erscheint. Ich will jedoch versuchen durch Hervorheben einiger Be- ziehungen solcher Beobachtungen ein für .die vorliegende Betrachtung brauchbares Resultat zu gewinnen; ich meine dies zu erreichen durch Darstellung des Waehsthums derjenigen Regionen des Kopfes, welche am

erwachsenen Schädel vorzugsweise Differenzen bedingen.

6

Wildsehweins.

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ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHÆDELS.

Wir betrachten zu diesem Zweck zuerst den Schädel des deutschen

Es ist mir nicht gelungen, neugeborne Wildschweine zu

erlangen, es war aber nöthig mit dem Schädel des neugebornen Thieres

zu beginnen; da sich nun zwischen den einige Wochen alten Schädeln

des Wildschweins und des gemeinen Hausschweins eine messbare Diffe-

renz in keiner Beziehung ergeben hat, so glaubte ich ohne Fehler den

Kopf des neugebornen gemeinen Hausschweins in Vergleich stellen zu

dürfen.

Dies vorausgeschickt, können wir ohne weiteres zu den folgenden

Messungen übergehen.

"Wildschwein.

Ueber en ] 6 Monat. ρα a> Nach Durch-| Alt. Q Neugeboren. |"? WO) bruch der | Alle Zähne bruch der z ζ ; ersten blei- in Usur. ersten Mich μάθει. ir prämolaren. ER 1) Länge des Basilartheils | des Hinterhaupts vom | untern Rand des Foram. | magn. bis zum Margo basilaris ; 12 17 26 91 2) Vom Margo basilaris bis zum Gaumenrand | 18 30 54 62 3) Vom Gaumen bis zur vordern Spitze der Zwi- schenkiefer . ... . 50 51 175 231 4) Totallänge der Schädel- basis vom untern Rand des Foram. magn. bis zur Sehnauzenspitze

ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHÄDELS.

Der Basilartheil des Hinterhaupts verhält sich demnach zu der gan-

zen angegebenen Länge:

bei dem neugebornen = 1: 66. ο ο Μο ο e= ας μασ η X ae BER 27 τ κ ae μις = (1: ο,

Aus dieser Zahlenreihe ergiebt sich, wie der vordere Theil des Schä- dels von der Geburt bis zur Ausbildung in immer steigendem Verhält- niss die Ueberhand über den hintern Theil gewinnt.

Dasselbe Resultat erhält man durch Vergleichung der Länge vom = untern Rand des Foram. magn. bis zum Gaumenanfang (= der Summe der Messungen von 1 und 2 der vorstehenden Tabelle) mit der Gesammt- länge A nachstehender Zusammenstellung —; oder auch durch Ver- gleichung der eben angegebenen Länge bis zum Gaumen (l und 2 der Tabelle) mit der Länge vom Gaumen bis zur Schnauzenspitze B —.

A. B. Neugeboren = 1 : 2,66 EGO 2monatlich = 1 : 2,72 l : 1,2 Oem = 1:32 = 1: 2,19 Alt ο ενώ = 1:25

Alle diese Verhältnisse ergeben ein progressives Fortschreiten der Gesichtslänge im Vergleich zu dem regelmässig fortschreitenden Wachs- thum des Gehirntheils.

Betrachten wir den Schädel im Profil, so ergiebt sich diese Zu- nahme des Schnauzentheils besonders deutlich. Folgende Tabelle giebt

darüber Auskunft:

Neu- | 2monat- | 6monat- geboren. lich. lich. ο.

Von der Sehnauzenspitze bis zur Achse |

der vordern Augenhöhlenränder . . | 40 71 185 248 Von dieser bis zur Tangente des Schup- en

pentheils des Hinterhaupts . . . - 53 67 93 95 Länge der Schädelachse in den ange-

gebenen Endpunkten . sp m 93 138 275 343

| | | N 1 I Π |!

räumen noana

ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHÆDELS.

Während also bei dem ungefähr zweimonatlichen Thier der hintere Theil des Kopfes bis zum vordern Augenhöhlenrand fast denselben Län- gendurchmesser hat wie der vordere (Gesichts-) Theil und demnach sich zur Gesammtlänge = 1:2 verhält, überwiegt jenes Mass dieses letzere bei dem neugebornen Thier in der Art, dass sich das Verhältniss des Gehirntheils zur ganzen. Längenachse stellt = 1:1,75; bei dem 6monat- lichen Thier = 1:3 und bei dem alten = 1: 3,6.

Bei diesen Vergleichungen sind die Veränderungen nicht in Betracht gezogen, welche an dem Gehirntheil des Schädels mit der Entwicklung des Hinterhauptskammes vorgehen; die Messungen beziehen sich auf Theile, welche hierdurch nicht wesentlich’ verändert werden, weil, wie schon gesagt und noch wiederholt zu besprechen ist, jene Bildungen Ein- fluss auf die Gehirnkapsel nicht haben. Aber für den oberflächlichern Vergleich wird mit dem zunehmenden Alter die zunehmende Länge des Gesichtstheils des Schädels durch die nach hinten eintretende Verlänge- rung der obern Partie des Gehirntheils in seinen äussern Conturen ver- dunkelt.

Die Nasenbeine sind an den Schädeln der obigen Tabelle lang: 33,5; 58; 142; 196 Mm. Diese Länge verglichen mit der Totallänge der ersten Tabelle ergiebt mit zunehmendem Alter:

ke 245.722 ος 1,88:

Also auch hierin spricht sich die zunehmende Verlängerung des Ge- sichtstheils aus.

Gehen wir über zur Betrachtung einiger Breitenverhältnisse. Bei dem neugebornen Schwein liegt der grösste Querdurchmesser des Hirn- theils in der Achse der Lineae semicirculares der Scheitelbeine ; aber nur kurze Zeit: nach wenigen Wochen wachsen die Orbitalfortsätze des Stirnbeins hervor, welche bis dahin den Scheitelbeinen dicht anlagen. Mit diesem Hervorwachsen der Orbitalfortsätze- tritt sogleich der grösste Quer- durchmesser der eigentlichen Gehirndecke in diese Region. Dieser grösste Querdurchmesser der Stirn bleibt alsdann comparabel; der anfängliche grösste Querdurchmesser durch die Scheitelgegend. bleibt es nicht, weil sich gleichzeitig die Scheitelbeine stark verdieken und die Schläfengruben sich isoliren; die Endpunkte jener anfänglichen längsten Achse werden damit verdeckt.

ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHADELS.

Folgende Tabelle giebt die wichtigsten Querdurchmesser:

Neu- 2 monat- 6 monat- Akt geboren. | lich. lich. i 1) Grösste Querachse durch die J och- αι ον ο ασ ος 40 76 117 132 2) Stirnbreite: Querachse durch die Jochfortsätze des Stirnbeins . . 36,5 56,5 δ4 99 . 3) Querachse durch die obern Thrä- | nenbeinränder .in der Augenhöhle | 28 41 63 TT 4) Nasenbreite an der Vereinigung von | Stirn und Oberkiefer . . . . . 15 23 28 33

Es ergiebt sich zunächst aus diesen Zahlen, dass die Stirnbreite (2) und die Breite vor den Augenhöhlen (3) fast genau in gleichem Verhältniss wachsen: es verhält sich nämlich in jedem Alter die erste zur letzten 1:0,75 mit nur sehr unbedeutenden Schwankungen.

Vergleichen wir die Nasenbreite mit den Breiten der Stirn (2 u. 3), so ergiebt sich, dass die Nasenbreite verhältnissmässig weniger zunimmt, als die Stirn, wenn der Schädel sich seiner Ausbildung mehr nähert: der vordere Theil des Gesichts wird also schmäler im Verhältniss zur Stirn, je älter das Thier wird.

Durch den Vergleich der Stirnbreite (2 der vorstehenden Tabelle) mit der früher angegebenen Längenachse des Schädels (4 der ersten Ta-

belle auf Seite 6) ergeben sich die Zahlen: τσ ταις πα,

Es geht daraus hervor, dass die Länge des Kopfes verhältnissmässig zur Breite in der frühern Jugend weniger schnell zunimmt als später, es wird dies hauptsächlich durch die Entwicklung des Gebisses bedingt,

welche einer besondern Betrachtung bedarf.

Es wird sich im Verlaufe unserer Mittheilungen ergeben, dass das Thränenbein in seinen Beziehungen zu den andern Kopftheilen Kennzei- chen von durchgreifender diagnostischer Bedeutung darbietet, wir müssen deshalb seinem Wachsthum besondere Aufmerksamkeit zuwenden.

10 ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHÄADELS.

Gesichtstheil des Thränenbeins. ns ae ξένα Alt. geboren. | lich. lich.

Hoch im Augenhöhlenrand . . . . 13 18 21

Den ee 21 20 42 60

BE Be μα ee ανδρες 3 6 25 35

Nehmen wir die Masse des jüngsten Thiers als Einheiten an, dann

ergiebt sich für die in Vergleich gezogenen Alter der Wachsthum der Höhe σα... ... οἱ —19 26 ὃ, der oberen Länge u 1 18 38 55. der unteren Länge zu 1 20 83 116.

Es ergiebt sich demnach ein sehr ungleicher Wachsthum der ver- schiedenen Dimensionen; während das Thränenbein des alten Thiers nur əmal so hoch ist als das des jungen, ist es über 5mal so lang oben und über llmal so lang unten.

Diese ungleiche Zunahme des Thränenbeins steht in Beziehung zu dem Wachsthum des Oberkieferbeins. Bei dem neugebornen Thier er- scheint die Gesichtsfläche des Kieferbeins in der Profilansicht als beinah gleichschenkliges Dreieck mit abgestumpfter Spitze, dessen Basis der Alveolarrand ist. Die Winkel, welche nach vorn oben durch die Zwi- sehenkiefernath, nach hinten oben durch die Thränenbeinnath gebildet werden, sind beinah gleich gross. Bei dem 2 Monat alten Thier ist der vordere obere Winkel bereits stumpfer als der ihm gegenüberstehende am Thränenbein. Dieses Verhalten steigert sich immer mehr, bis am alten Thier der Winkel, welcher entsteht durch die vordere Thränenbeinnath und die Nath, welche Stirnbein mit Oberkiefer verbindet, beinah ein rech- ter ist, während der vordere Winkel verschwunden ist, indem der obere Rand des Oberkiefers von den Nasenbeinen an bis zu den Alveolen in einer flach convexen Linie verläuft.

Am Unterkiefer ist uns eine Veränderung besonders wichtig.

Neu- geboren.

2 monat- lich.

6monat- lieh.

Alt.

Horizontale grösste Längenachse des

Unterkiefers, zwischen dem vordern Ausgang der Symphyse und den Endpunkten der Condyli . . . 67 106 215 280 Länge der Kinnsymphyse a κικοριὴ f 92

ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHADELS. 4

Es ergiebt sich aus diesen Messungen, dass die Länge der Symphyse beim jüngsten Thier ein Viertel der grössten Längenachse des Unter- kiefers beträgt, bei dem alten ein Drittel.

Es ergiebt sich ferner, dass die Symphysenlänge sich in den ersten 2 Monaten verdoppelt und zwischen dem 2. und 6. Monat nochmals um das Doppelte zunimmt, während die ganze Länge in geringerm Verhält- niss wächst.

Es ist nicht leicht andere Dimensionen des Unterkiefers in dieser Art in Rechnung zu stellen, weil es bei den jungen Thieren an festen Ansatzpunkten für den Zirkel fehlt; namentlich ist die Gränze zwischen horizontalem und aufsteigendem Ast so lange nicht fest bestimmbar, bis die letzten Backzähne fertig sind.

In demselben Verhältniss, in welchem die Symphyse an Länge zu- nimmt, vermindert sich auch die Steilheit derselben, d. h. der Winkel, welchen die Profillinie derselben mit der Grundfläche bildet, wird mit zu- nehmender Länge kleiner. |

Es ist für das Verständniss der mit dem Wachsthum vorgehenden Formveränderungen des Schädels besonders lehrreich, die Topographie des Gebisses zu beachten:

Der bald nach der Geburt hervorbrechende dreihöckrige Milchprä- molarzahn (prämol. 2) steht mit seinem hintern Rand unter dem vor- dern Rand der Augenhöhle, genau unter der Sutura malaris; mit seinem vordern Rand steht er unter dem vordern Theil des Foram. in- fraorbitale. Der erste, gleichzeitig oder doch sehr bald nachher durch- brechende hinterste Milchprämolarzahn (prämol. 1) steht unter dem vor- dern Theil des Backenknochens in jener Knochenkapsel, welche den hin- tern Theil des Oberkiefers bildet.

Sobald diese beiden eben genannten Zähne, der zweite und erste Milchprämolarzahn, die Haut durchbrochen haben, rücken dieselben stetig nach vorn, indem sich der Alveolarrand des Oberkiefers stetig verlängert. Hinter dem ersten Prämolarzahn in jener Knochenkapsel, welche wie eine Blase weit unter die Augenhöhle hineinreicht, geht die Entwicklung der Backzähne vor und diese schieben *) die schon zu Tage gekommene Zahn- reihe nach vorn vor.

Wenn der Zahnkeim des vordersten Backzahnes so weit entwickelt ist, dass er dem Durchbruch nahe ist und wenn die Oeffnung für seinen

*) Es soll durch den Ausdruck „vorschieben“ nicht gesagt sein, dass das Motiv des Vorrückens der Zähne im Wachsthum der dahinter liegenden liegt.

ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM: DES SCHWEINESCHADELS.

Austritt im Alveolarrand vorhanden ist, dann steht schon der erste Prä- molarzahn mit seinem hintern Rand unter dem vordern Augenhöhlen- rand, der zweite Prämolarzahn ist bereits um die ganze Länge des letzten Nachbars nach vorn gerückt.

Wenn der vorderste Backzahn durchgebrochen und in Usur getreten ist, steht er bereits mit seinem hintern Rand vor dem vordern Augen- höhlenrand und alle vor ihm stehende Zähne sind alsdann abermals um die Länge dieses Backzahnes nach vorn gerückt. |

So geht es weiter mit dem Durchbruch des zweiten Backzahnes, bis mit der Ausbildung des dritten Backzahnes die ganze Molarreihe voll- endet ist.

Der hinterste Backzahn steht schliesslich bei dem erwachsenen Thier vor der Augenhöhle, so dass ein auf die Kaufläche der Zahnreihe gefäll- ter Perpendikel, welcher die hintere Kante des letzten Backzahnes berührt, weit vor den Augenhöhlenrand fällt, er durchschneidet die Gesichtsfläche des Thränenbeins nahezu in der Mitte derselben oder etwas hinter der Mitte.

Bei dem neugebornen Thier steht das Foram. infraorbitale an- nähernd genau in der Mitte des Oberkiefers, d. h. in der Mitte zwischen der Alveolarverbindung mit dem Zwischenkiefer und dem hintern Rand des Processus zygomaticus oder malaris; es wird also der Oberkiefer, wie er in seiner Verbindung mit den andern Kopftheilen in der Profil- ansicht erscheint (ohne die unter dem Jochbogen liegende Zahnkapsel in Anschlag zu bringen) durch das Foramen infraorbitale in zwei gleiche Theile getheilt. Bei dem Wildschwein bleibt dieses Verhältniss durch alle Altersstufen nahezu dasselbe.

Mit dem mittlern Theil des Alveolarrandes des Oberkiefers, welcher unter dem Foramen infraorbitale liegt, geht eine bedeutende Aende- rung nicht vor; die hintern Milchprämolaren rücken etwas nach vorn vor, wenn die Molaren sich ausbilden, und mit dem Hervorbrechen des dritten Milchprämolaren und des vierten, einem Wechsel nicht unter- worfenen, Prämolaren verlängert sich der Kiefer von der Mitte aus nach vorn.

Ich gehe hier nicht weiter ein auf diejenigen Veränderungen, welche mit der Ausbildung der Eckzähne vorgehen, es treten damit geschlecht- liche Differenzen auf, über welche ausführlicher zu berichten ist.

Von Bedeutung für das Verständniss der Gestaltung des Kopfes ist noch der Umstand, dass die drei bleibenden Prämolaren zusammen nahe- zu denselben Raum einnehmen, wie die ihnen voraufgehenden Milchzähne.

Der dritte Milchprämolarzahn ist zwar in der Richtung der Zahnreihe

ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHADELS. 13

kürzer als sein Ersatzzahn, dagegen aber ist der eigenthümlich geformte zweite Milchprämolarzahn länger als einer der bleibenden Prämolaren, ebenso der erste, wenn auch in geringerm Verhältniss. Hieraus resultirt, dass die drei Prämolaren, welche gewechselt werden, zusammen nach dem Wechsel nahezu denselben Raum der Zahnreihe einnehmen, wie vor dem Wechsel: Durch den Wechsel der Prämolaren entsteht also eine Verlängerung des Kiefers nicht.

Bisher ist nur die Veränderung betrachtet, welche an dem Kopf durch das Wachsthum der Kieferknochen, also durch die Molarpartie des Gebisses, vorgeht, es bleibt noch übrig die Gestaltung der Ineisivpartie, welche durch die Zwischenkieferknochen gebildet wird, zu betrachten.

Bei dem neugebornen Thier beträgt die Länge des Alveolartheiles des Zwischenkiefers, von der Spitze bis zu der Querachse gemessen welche von der Verbindung dieser Knochen mit dem Oberkiefer im Alveolarrand von einer Seite nach der andern gedacht wird, 15 Mm. Dasselbe Mass ergiebt sich für die Länge von jener eben genannten Achse bis zur Achse des Foram. infraorb. auf der Gaumennath gemessen. Beide Masse (23 Mm.) ergeben gleiches Verhältniss, wenn die vordern Milchschneidezähne durch- gebrochen sind, und noch später bleibt dasselbe Verhältniss, wenn schon der vorderste wahre Backzahn in Usur getreten ist, es schreitet die Ver- längerung des Gesichtstheils gleichmässig durch Verlängerung der Kie- fer und der Zwischenkiefer vor. Nach dieser Periode wächst der Zwi- schenkiefer nicht mehr in gleichem Grade wie der Oberkiefer, und bei dem erwachsenen Thier messen wir die oben genannte Länge des Zwi- schenkiefers mit z. B. 65 Mm., während das zum Vergleich aufgestellte Mass. 80 Mm. und mehr beträgt.

Der Zwischenkiefer hört also früher auf zur Verlängerung des Gesichtstheils beizutragen als der Oberkiefer.

Mit diesen Betrachtungen ist ein Ausdruck gefunden für die durch Wachsthum nach der Geburt erfolgende Verlängerung des Gesichts- theils und namentlich des eigentlichen Schnauzentheils. Es sind die Ver- änderungen, welche am Hinterkopf vorgehen, deren im Eingang gedacht wurde, nicht näher berücksichtigt. Wenden wir uns zu diesen.

Bei dem neugebornen Thier bilden Stirn-, Scheitel- und Hinter- hauptsbein eine Wölbung; alle diese Knochen sind nahezu gleich dick, so dass die Contur der Gehirnhöhle parallel ist der Contur der äussern Seite des Kopfes. Nur an der TLambdanath zeigt sich schon eine kleine Anschwellung der Hinterhauptsschuppe. Der höchste Punkt des mit dem Unterkiefer auf einer Ebene ruhenden Schädels liegt in der Vereinigung

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14

ENTWICKLUNG UND WACHSTHUM DES SCHWEINESCHADELS.

der Stirn- mit den Scheitelbeinen an der vordern Gränze der Pfeilnath, also in der Gegend der sogenannten grossen Fontanelle. Die Gegend der kleinen Fontanelle, zwischen dem hintern Ende der Pfeilnath und der Hinterhauptsschuppe, liegt bedeutend tiefer. Die Pfeilnath ist in ihrer ganzen Ausdehnung convex. Die Scheitelbeine sind noch gleichmässig gewölbt, d. h. es ist auf denselben der Grat, welcher später die Schläfen- grube bildet, noch nicht hervorgetreten.

Gleich nach der Geburt tritt zuerst ein rapider Wachsthum der Hin- terhauptsschuppe ein. Der Rand, welcher sich an die Scheitelbeine legt, verdickt sich zuerst und wächst so viel schneller als die benachbarten Gegenden, dass er schon nach einigen Tagen im ganzen Verlauf der Lambdanath aus der Ebene der Knochen hervortritt. Der Parallelis- mus der äussern und innern Knochenplatten ist dadurch aufgehoben; die äussere Contur ist schon eine andere als die Contur des Gehirns. Dieses Verhalten steigert sich immer mehr; während die innere Gehirndecke fortan in gleichmässigem Wachsthum vorschreitet und einer wesentlichen Formwandlung nicht unterliegt, entfernen sich die äussern Platten immer mehr von den innern und die Divergenz der äussern und innern Platten wird immer grösser.

Bei dem 6 bis 8 Wochen alten Thier bildet bereits die Schuppe hinter der Pfeilnath den höchsten Punkt des Kopfes, sie steht höher als die hintere Stirngränze.

Die Scheitelbeine folgen dem schnellen Wachsthum der Schuppe, die Ränder beider Knochen in der Lambdanath verdicken sich fast gleich- mässig.

Mit dem 2. Monat ist somit bereits die bis dahin noch nicht vor- handene Keilform des Schädels da. In dieser Zeit hat sich auch auf der äussern Platte der Scheitelbeine der Grat schon abgesetzt, welcher vom Auge schräg nach hinten und oben gegen die Schuppe tritt: die Schlä- fengrube ist formirt.

Es gehen im Innern der Kopfknochen mit dem Wachsthum eigen- thümliche Veränderungen vor, indem sich ausser den bekannten Stirn- höhlen noch andere Lufträume von grosser Ausdehnung bilden. Ich ziehe cs vor über diese erst später Beobachtungen mitzutheilen, wo wir die- selben besser verwerthen können als hier, da wir uns bisher nur auf das Wildschwein beschränkt haben. |

Ein Umstand ist jedoch schon vorher hervorzuheben. Es wird näm- lich eine relative Unabhängigkeit der innern und äussern Lamellen der Knopfknochen durch jene Lufthöhlen oder durch die schwammige Knochen-

MILCHGEBISS UND ZAHNWECHSEL. 15

substanz der Art hergestellt, dass die Näthe der innern Platten ganz unabhängig von den Näthen der äussern Platten verwachsen. Selbst an Schädeln mit noch nicht fertigem Gebiss sind die Näthe in der eigent- lichen Gehirndecke zuweilen schon geschlossen, während die äusserlich sichtbare Kron- und Lambdanath noch offen ist. Die Unabhängigkeit der äussern Contur von der innern tritt durch dieses Verhalten klar hervor.

Milchgebiss und Zahnwechsel.

`

Bei Benennung der Zähne folge ich im Allgemeinen der von Owen eingeführten Methode, jedoch mit der Abweichung, dass ich, nach dem Vorschlag von Hensel, dem bereits Rütimeyer in seiner neuesten Ar- beit (zur Kenntniss der fossilen Pferde) gefolgt ist, die Prämolaren von hinten nach vorn zähle, nicht umgekehrt, wie es bisher üblich war: so dass also der dem vordersten, ersten, Backzahn nächste Zahn als der erste Prämolarzahn (p. 1) bezeichnet wird. Es empfiehlt sich diese Me- thode in jeder Beziehung, sie ist nicht nur in so fern bequemer, als durch häufiges Fehlen der vordern Prämolaren das Zählen von vorn nach hin- ten unsicher wird, sie ist aber auch allein richtig, weil der hinterste Prä- molarzahn einen festen Ausgangspunkt darbietet und von tieferer Bedeu- tung für das ganze Gebiss ist.

Für diejenigen Leser, denen die systematische Benennung der Zähne weniger geläufig ist, folge hier zunächst eine kurze Einleitung; es scheint diese um so nöthiger, als die leider immer noch von Veterinärschrift- stellern festgehaltenen Benennungen einzelner Zähne leicht zu Verwechs- lungen führen. Es wäre zu wünschen, dass immer mehr die einfache auf Homologie gegründete Terminologie der neuern Zoologen auch für das Specialstudium der Hausthiere in Anwendung kommt.

Das Schwein hat oben im Zwischenkiefer 6, also jederseits 3 Schneide- zähne (incisivi); diese werden von vorn, also von der Stelle, wo die beiden Zwischenkiefer. zusammentreten und die Schnauzenspitze bilden, nach hinten als erster, zweiter und dritter Schneidezahn bezeichnet oder nach der so einfachen und bequemen Abkürzung als Ine. 1, 2,3. Im

BE ODE

16 MILCHGEBISS UND ZAHNWECHSEL.

Unterkiefer stehen ebenso 6 Schneidezähne denen dieselbe Bezeichnung zukommt.

Ine. 1. wird von Thierärzten oft als Zange,

Ine. 2. als Mittelzahn, |

Ine. 3. als Eckzahn bezeichnet; namentlich die letzte Benennung sollte aufgegeben werden, da sie so leicht zu Verwirrung führt.

Im vordern Theil des eigentlichen Kieferknochens an der Gränze des Zwischenkiefers steht der Eckzahn (caninus), can. bezeichnet; unten vor ihm (oder merkwürdigerweise auch zuweilen hinter ihm, was sonst bei keinem Thier vorkommt) der entsprechende Eckzahn des Unterkie- fers. Die Eckzähne des männlichen Schweines werden gewöhnlich Hauer genannt, sonst auch Hakenzähne.

Das vollständige Gebiss des Schweines hat in jedem Kiefer oben und unten 7 Backzähne. Von diesen sind die drei hintersten eigent- liche oder ächte Backzähne (molarcs), welche nicht gewechselt wer- den und nach und nach erst mit zunehmendem Alter erscheinen. Der am weitesten nach hinten stehende Zahn wird als mol. 3, der vor ihm stehende als mol. 2 und der vorderste der ächten Backzähne als mol. 1 bezeichnet.

Zwischen dem ersten Backzahn und dem Eckzahn stehen oben und unten jederseits in dem normalen Schweinegebiss vier sogenannte falsche Backzähne, Prämolaren; wie schon im Eingange gesagt, zählen wir diese von hinten nach vorn, so dass der vor mol. 1 stehende Zahn als präm. 1 (oder p. 1) bezeichnet wird u. s. w. Der vorderste, dem Eekzahn zu- nächst stehende Zahn, also präm. 4, wird von Veterinären, z. B. Gurlt, Lückzahn genannt. Ueber sein eigenthümliches Verhalten ist weiter zu berichten.

Nach dieser Orientirung über die Benennung der Zähne gehen wir zur Betrachtung des Gebisses über.

Bei der Geburt des Schweines sind in der Regel 8 Zähne be- reits durchgebrochen und deutlich sichtbar. Es sind dies jederseits zu- erst oben 3

1) im Zwischenkiefer ein meisselförmiger etwas nach vorn und stark

nach aussen mit einer Biegung der Spitze nach hinten und innen gerichteter Zahn, welcher im hintern Theil des Ziwischenkie- fers steht; ;

2) im vordern Theil des Oberkiefers ein jenem ähnlicher, etwas

kleinerer und schwächerer Zahn, welcher nach aussen und stark

nach vorn gerichtet ist. Ferner im Unterkiefer:

ge mente ine zum - 7 = = πιω en ET re Den En en ren ne

MILCHGEBISS UND ZAHNWECHSEL. 17.

3) ein etwas nach vorn gerichteter, welcher bei geschlossenem Mund vor dem unter 1) genannten Zahn des Zwischenkiefers steht; die- ser correspondirt in Grösse mit dem Oberkieferzahn ;

4) hinter diesem ein grösserer, nach vorn und aussen gerichteter, welcher bei geschlossenem Mund mit seiner Spitze zwischen die beiden erwähnten Zähne des obern Gebisses tritt.

Der Zahn im Zwischenkiefer muss wohl als der dritte Milchschneide- zahn angesprochen werden; es ist jedoch auffallend, dass der Ersatzzahn desselben stets in einer gesonderten Alveole hinter demselben entsteht und deshalb erhält sich jener vordere Milch- oder Fötalzahn oft lange neben dem bereits stark hervorgetretenen dritten Schneidezahn.

Der unter 2) erwähnte Zahn im Oberkiefer ist der Milch- oder Fö- talzahn des Eekzahns; er fällt regelmässig früher aus als der letzte Milch- schneidezahn.

Der vordere Zahn im Unterkiefer ist als Milchzahn des hintersten Schneidezahns anzusprechen; er wird der Regel nach früher ausgestossen als derselbe Zahn im Zwischenkiefer.

Der hintere Zahn im Unterkiefer wird durch den untern Eckzahn ersetzt.

Diese acht schon bei der Geburt hervorgetretenen Zähne übernehmen beim Saugen des jungen Thieres eine eigene Function: es legt sich näm- lich die Zunge eng an die innere Seite dieser Zähne an; es entsteht da- durch gleichsam eine Röhre, welche die Zitze der Mutter eng umfasst. Auf diese Weise hängen die jungen Thiere fest an der Brust der Mutter und zwar so fest, dass sie zuweilen selbst im tiefen Schlafe nur mit eini- ger Gewalt abgezogen werden können.

Ausser jenen acht Zähnen sind bei dem neugebornen Thier weder Schneidezähne noch Backzähne durchgebrochen. Die meisten Angaben widersprechen dieser Beobachtung: ich-habe aber in sehr zahlreichen Fäl-- len niemals andere Zähne bei dem neugebornen Thier gesehen, doch ist es wohl möglich, dass ausnahmsweise ein Baekzahn bereits die Haut durch- sticht. Wenn man nach dem trocknen Schädelpräparat urtheilt, erscheinen allerdings sowohl die vordern Schneidezähne, als auch jederseits ein Back- zahn bereits deutlich in ihren Höhlen, aber sie sind nach meinen Erfah- rungen bei der Geburt noch von Weichtheilen bedeckt.

Gegen Ende des ersten Monats brechen die vordern Schneidezähne oben und unten durch.

Gleichzeitig erscheinen oben und unten jederseits zwei Backzähne (Prämolaren), also zusammen acht. Zwischen dem Durchbruch der vordern

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MILCHGEBISS UND ZAHNWECHSEL.

und hintern dieser Backzähne liegt in der Regel keine längere Zwischen- zeit, sie erscheinen nahezu zu gleicher Zeit oder die vordern nur um wenige Tage früher. ᾿

Der vordere dieser Milchprämolaren (p. 2) im Oberkiefer ist drei- höckrig, in der Seitenansicht von aussen zweilappige mit einem dritten kleinern Lappen nach vorn. Das fertige Gebiss bietet keinen Zahn von ähnlichem Bau.

Der hintere dieser Milchprämolaren (p. 1) ist vierhöckrig und ent- spricht dem vordern ächten Backzahn des spätern Gebisses in seiner Bildung.

Der vordere Zahn im Unterkiefer hat eine einfache Schneide, ohne Höcker, er gleicht in der Form am meisten dem vorletzten Prämolarzahn des fertigen Gebisses.

Der in dieser Periode letzte Milchzahn des Unterkiefers ist sechs- höckrig und der Form nach analog dem letzten wahren Backzahn des fertigen (10018568. |

Diese ersten Milchbackzähne decken sich in der Art, dass der obere vordere mit seinem vordern Lappen zwischen den vordern und hintern Zahn des Unterkiefers greift, mit dem hintern Lappen zwischen den vor- dern und mittlern Lappen des letzten Zahnes im Unterkiefer. Der vordere Lappen des letzten obern Zahnes greift zwischen den mittlern und hin- tern Lappen des letzten Zahnes unten und der hintere Lappen des letz- ten obern Zahnes (nach hinten der Schluss des Gebisses in dieser Pe- riode) greift hinter den hintern Lappen des letzten untern Zahnes.

Ungefähr eine Woche, oder etwas später, nachdem die eben be- sprochenen Zähne erschienen sind, bricht oben und unten je ein Zahn vor den zuerst zu Tage gekommenen Zähnen durch (p. 3). Im Oberkie- fer hat dieser Zahn die Gestalt des spätern zweiten Prämolarzahnes, der im Unterkiefer gleicht dem ihm vorhergegangenen in Form, er ist nur etwas kleiner.

Schon im zweiten Monat erweitern sich in beiden Kieferknochen die Löcher im Alveolarrand, aus welchen die mittlern Schneidezähne hervor- treten; vor Vollendung des dritten Monats sind diese mittlern Milch- schneidezähne oben und unten perfeet. i

Da die Fötalzähne stehen geblieben sind, ist in diesem Stadium das Milchgebiss in Bezug auf die Schneidezähne vollständig, oben und unten sind je 6 vorhanden.

Ungefähr im sechsten Monat nach der Geburt bricht im Unterkiefer

jederseits der vorderste Prämolarzahn (p. 4) durch. Er steht meistens ent-

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MILCHGEBISS UND ZAHNWEOHSEL. 19

fernt von dem dritten Prämolarzahn und dicht an dem Eekzahn. Nicht selten fehlt dieser Zahn, zuweilen nur auf einer Seite, noch öfter fällt er frühzeitig wieder aus, so dass an ältern Schädeln oft keine Spur davon zu finden ist. Dieser vierte Prämolarzahn wird in seiner Entwicklung offen- bar von dem Eckzahn beeinflusst, welcher mit seiner mächtigen Wurzel und da er immer nachwächst, nicht selten dem Keim dieses kleinen Zah- nes zu nahe kommt und denselben durch Druck stört. Dieser Zahn wird nicht gewechselt; man würde ihn daher nach der Definition von Owen nicht als Prämolarzahn bezeichnen können, doch kann über seine Deutung wohl kcin Zweifel bestehen. In der Abbildung, welche Owen (Tooth. Oyclop. Fig. 579) von dem Zahnwechsel des Schweines giebt, ist (d. 1 p. 1) ein Ersatzzahn für diesen vierten Prämolarzahn nicht angegeben, doch finde ich keine Stelle im Text, welche sich darüber ausspräche.

Bei Untersuchung junger lebender Schweine ist dieser vorderste - Prämolarzahn schon wiederholt für den durchbrechenden Eekzahn gehal- ten worden und das Thier für älter erklärt als es war; es ist daher wichtig sich dieses Verhalten klar zu machen, wenn man über das Alter junger Schweine nach den Zähnen urtheilen will.

Im Oberkiefer erscheint dieser vorderste Prämolarzahn fast gleich- zeitig; hier fehlt er weniger oft, ist aber mannichfachen Abänderungen unterworfen, über welche später ausführlicher berichtet werden wird.

Ungefähr um den sechsten Monat, nicht selten aber schon 4 Wochen oder noch früher, bricht der vordere wahre Baekzahn durch, gleichzeitig: in beiden Kiefern. |

In diesem Stadium besteht das Gebiss dann Jederseits und oben und unten aus:

ə Milchschneidezähnen,

1 Milcheckzahn,

l bleibenden sogenannten Lückzahn, welcher als vierter Prä- molarzahn zu bezeichnen ist (und unten oft fehlt),

3 Milchprämolaren,

1 Backzahn.

Um den neunten Monat tritt eine bedeutende Veränderung des Ge- bisses ein. Es bricht der dritte, hintere, Schneidezahn hervor. Es ist schon oben gesagt, dass dieser der Regel nach hinter dem sehon bei der Geburt vorhandenen Milchzahn hervorbricht nnd dass dieser letztere nicht selten noch lange sich neben dem bleibenden hintern Schneidezahn erhält.

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MILCHGEBISS UND ZAHNWECHSEL.

Gleichzeitig mit dem Hervorbrechen des dritten Schneidezahns kom- men die Eckzähne hervor und stossen die Milcheckzähne aus. Ferner bildet sich bereits die Alveolaröffnung für den zweiten, mittlern, Backzahn, welcher bald darauf die Haut durchbricht.

Gegen den Schluss des ersten Lebensjahres wechselt der vordere Schneidezahn und gleichzeitig fallen der erste (hintere) und der zweite (vorletzte) Prämolarzahn aus und werden durch die bleibenden Zähne er- setzt. Der dritte Milchprämolarzahn hält sich gewöhnlich um mehrere Wochen länger, doch ist auch ein fast gleichzeitiges Wechseln der drei Prämolaren nicht selten.

Nach dem Schluss des ersten Lebensjahres sind von Milchzähnen nur noch die mittlern Schneidezähne (Inc. 2) vorhanden; die Zeit ihres Wechsels scheint unsicherer zu sein als die der andern Zähne; nicht sel- ten sind die bleibenden Zähne bei 16 Monate alten Thieren schon vor- handen, oft treten sie erst mehrere Monate später hervor.

Der dritte, letzte, Backzahn erscheint ungefähr bei dem 18 Monate alten Thicr, seine volle Entwickelung nimmt längere Zeit in Anspruch: nicht selten sind die vordern Warzen bereits in Usur, wenn die letzten noch im Kiefer verborgen und noch nicht ausgebildet sind. Um die Zeit, wenn der hinterste Backzahn seine Function antritt, pflegt der erste, vor- derste, Backzahn bereits stark abgenutzt zu sein.

Die hier gegebene Darstellung des Zahnwechsels gründet sich auf mehrjährige Beobachtung lebender Thiere und eine Reihe von Präparaten solcher Thiere, deren Alter mir genau bekannt war. Die Schweine, an

welchen ich die Beobachtung machte, gehörten grösstentheils neuern Cul-

turrassen an und wurden von Jugend an reichlich ernährt, zeichneten sich

demnach durch Frühreife aus. Vielleicht liegt es grösstentheils hierin, dass diese Darstellung wesentlich von andern abweicht. Die Angaben von Schwab, denen A. Wagner folgt, die von Viborg und Erdelyi grün- den sich wahrscheinlich auf Beobachtung gemeiner Landschweine mit später Entwickelung.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei diesen regelmässig die Zahn- perioden etwas später eintreten als ich dieselben hier angegeben habe; dasselbe wird bei dem Wildschwein der Fall sein. Abgesehen von diesem Umstand ist es aber überhaupt nicht richtig, wenn man für die Zahn- perioden so fest umgränzte Termine nennt, wie es gewöhnlich geschieht: Ernährung und Lebensweise haben grossen Einfluss auch hierauf.

Im Wesentlichen übereinstimmend ist meine Darstellung mit der

von Gurlt in der vierten Auflage der vergleichenden Anatomie der

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MILCHGEBISS UND ZAHNWECHSEL. PA

Haus-Säugethiere (Seite 111 u. £.*), mit der Simond’s (Journal Roy. Agric. Society XV. 2. 346) und mit den kurzen Angaben von Rohde (Pflege und Benutzung des Hausschweines. Greifswald u. Leipzig 1860, 127). Es hat nun die Kenntniss des Zahnwechsels der frühreifen Cultur- rassen des Schweines, abgesehen von der Bedeutung, welche dieselbe an und für sich hat, Bedeutung für die Technik der landwirthschaftlichen Ausstellungen. Es werden auf diesen Kategorien nach dem verschiedenen ‚Alter der Schweine aufgestellt, und es ist dies darum besonders wichtig, weil die frühere oder spätere Ausbildung der Rassen und Individuen von so tiefer öconomischer Bedeutung ist. Es kommen nicht selten Fälle vor, in denen es wünschenswerth ist, die Angaben über das Alter prüfen zu können und wenn man ein Thier einer frühreifen Culturrasse nach den Angaben, welche früher Zoologen und Veterinäre darüber gemacht haben, beurtheilen wollte, würde dies falsche Resultate veranlassen und könnte zu Ungerechtigkeit und grundloser Verdächtigung führen. . Zur Erleichterung der Uebersicht folgt hier eine

Pabelle über den Zahnbestand des frühreifen Cultur-Schweines

in verschiedenen Altersperioden.

| Milchzähne. ` -Bleibende Zähne. | Im Ganzen. Be | = 2 1 Bei der Geburt Ineis. 9. | es = ; Canin. | a ` 8. Ungefähr 1 Monat alt . | Incis. 1. | = Prämol. 1. u. 2. g 20. 1 bis 2 Wochen später | Prämol. 3. | ο 24. pr bis-3 Monat . . . | Imeis, 9. | = 28. 5 bis 6 Monat. . . . > Mol. |. 32. πο μμ να. m Prämol. 4. 36. Bi, κ ος -l Ineis. 3. e = Canin. eii ER Mol. 2. ο ο οδών ων --- Incis. 1. er Am mol 42-1 wenig später . . . . re Prämol. 3. Br 16 Monat (oft später) . Incis. 2. - ο ο αρ κομῶν Mol. 3. 44.

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*) Es ist wahrscheinlich nur Druckfehler, wenn in der Tabelle Seite 112-im Alter von 4—6 Wochen 10 Schneidezähne aufgeführt werden.

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MILCHGEBISS UND ZAHNWECHSEL.

N | j Es versteht sich von selbst, dass die genannten Altersperioden nur ΓΙ annähernd die Termine des Durehbruchs und des Wechsels der Zähne 1; bezeichnen; auch ist hier angenommen, dass regelmässig das Hervortreten | der Ersatzzähne mit dem Ausfallen der betreffenden Milchzähne zusam- mentrifft; einige abweichende Fälle sind oben erwähnt.

Nachdem der letzte Backzahn erschienen ist, gehen mit den Schneide- J1 und Backzähnen allein noch solche Veränderungen vor, welche durch Ab- ii nutzung entstehen. Anders verhält es sich mit den Eckzähnen. Bei dem ee männlichen Thier wachsen dieselben bis in das späteste Lebensalter un- | | unterbrochen fort, bei dem weiblichen Thier hört deren Wachsthum bald R fi | auf, indem sich deren Wurzeln schliessen; es scheint, dass die Zeit, in welcher der Schluss der Wurzeln geschieht und damit das Wachsen des Zahnes aufhört, zu Geschlechtsfunetionen in Beziehung steht, es fehlen aber noch hinreichende Beobachtungen. Auch auf die andern Zähne wirkt die Trächtigkeit des Thieres ein, wenn dieselbe, wie gewöhnlich, vor Voll-

endung des Zahnwechsels eintritt; dieser wird dann gehemmt, es bleiben

oft die Milchschneidezähne neben den Ersatzzähnen lange stehen, dies um

© so länger, je mehr das Thier im Stall mit weicherm Futter ernährt

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Ri wird. Bei dem castrirten Thier beider Geschlechter entwickeln sich die ΓΝ ΠΣ Eckzähne nicht zu ihrer normalen Grösse und wenn die männlichen Fer-

ken, wie gewöhnlich, schon im Alter von 6 Wochen castrirt werden, ver- kümmern die Bekzähne und kommen nicht zur Perfection, hören auch bald auf zu wachsen.

Zum Schluss dieses Capitels über das Milchgebiss und den Zahn-

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wechsel des Schweines hebe ich nochmals drei Punkte hervor, welche be- ag sonderer Beachtung werth sind. 1) Der vorderste Zahn der ganzen Backzahnreihe (nach der hier an-

. genommenen Bezeichnungsweise p. 4), welcher zunächst hinter

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dem Eckzahn steht, wird nicht gewechselt; er erscheint un- | gefähr um dieselbe Zeit mit dem ersten bleibenden ächten Molar- zahn. Er wird deshalb eigentlich mit Unrecht als Prämolarzahn be- zeichnet, wenn man die von Owen gegebene Definition für die Prämolaren gelten lässt; doch würde ich vorziehen, den Wortlaut jener Definition zu ändern, als eine neue Bezeichnung für diesen 4 Zahn zu wählen. Es ist wohl nicht zu gewagt anzunehmen, dass ΓΙ dieser Zahn in seiner normalen Entwicklung gehemmt ist durch

die starke Entwicklung der Eckzähne bei dem Schwein; es bleibt

-

in vielen Fällen kein Raum für ihn übrig und derselbe wird so

gehemmt, dass ein Ersatzzahn für ihn nicht entstehen kann. So

2)

3)

MILCHGEBISS UND ZAHNWECHSEL.

bleibt dieser vierte Prämolarzahn entweder als Milchzahn lebens- lang oder er fällt frühzeitig aus ohne ersetzt zu werden.

Der hintere Schneidezahn (Ince. 3) bricht früher hervor, als die beiden vordern; ihm folgt der Zeit nach der vordere (Ine. 1) und zuletzt der mittlere (Inc. 2). Der hintere Schneidezahn im Ober-

kiefer bricht gewöhnlich an einer andern Stelle hervor als der

hintere Milchzahn; dieser Umstand, die eigenthümliche Reihen-

folge der Entwicklung und des Wechsels der Vorderzähne scheint einer weitern Beachtung werth.

Das Milchgebiss des kaum vierwöchentlichen Thieres ist bereits ein durchaus omnivores. Es spricht sich dies am klarsten im Un- terkiefer aus: hier steht hinter dem seitlich eomprimirten, aus einer conischen Spitze gebildeten Zahn, dessen ganze Kaufläche, trotz der kleinen Kerbungen, schneidend ist, ein sehr langer, aus drei Höckerpaaren gebildeter Zahn, welcher dem letzten bleiben- den eigentlichen Backzahn gleich gebildet ist, auch bei Culturrassen schon, wie dieser, ein Zerfallen der Kaufläche in mehrere, den Haupthöckern fast gleich entwickelte, Nebenhöcker zeigt. Nicht minder eigenthümlich im Charakter des omnivoren Gebisses ist der zuerst im ÖOberkiefer erscheinende Milehprämolarzahn mit drei Höckern. Während der vordere Höcker mit dem kleinen Nebenhöcker an der vordern Basis die Funetion eines Reisszah- nes ausübt, ist der hintere Theil mit seinen zwei nebeneinander- stehenden Höckern und dem gekerbten Rand der Basis schon ein ächter Mahlzahn. In diesem Zustand der Gebissentwicklung, in welchem die ausschliesslich carnivor gebildeten vordern Prä- molaren noch nicht in Function getreten sind, wirken überdem die nach aussen gestellten Kanten der Kronen des 1. und 2. Prä- molarzahnes schneidend, also carnivor, während die höckrigen

Oberflächen herbivor funetioniren.

Diese Gestaltung des frühen Milchgebisses bedingt und ermöglicht

die frühe Selbsständiekeit des jungen Schweines; so ist sie denn auch von Bedeutung für die wirthschaftliche Haltung, indem sie uns lehrt, dem Jungen Thier frühzeitig Nahrung zu gewähren, unabhängig von der,

welche die Muttermilch ihm giebt.

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DER ERWACHSENE SCHÄDEL UND DAS FERTIGE GEBISS.

Der erwachsene Schädel und das fertige Gebiss.

Einleitung, Methode der Messung.

Wir betrachten den Schädel in seiner Verbindung mit dem Unter- kiefer. Die richtige Verbindung ist beim trocknen Skelett niemals zwei- felhaft; sie wird durch das Ineinandergreifen der Kauflächen der Back- zahnreihen bedingt, die Veränderungen, welche am präparirten Schädel mit dem Kiefergelenk vorgegangen sind, üben deshalb keinen Einfluss auf die Lage der Theile zu einander aus, höchstens ist der Schädel durch seine grössere Schwere und das Schwinden der Gelenkknorpel ein wenig nach hinten geneigt, demnach erscheint das Hinterhaupt etwas niedriger; es beträgt aber die auf diese Weise entstehende Differenz nicht mehr als 2 Mm. bei den grössten Schädeln, eine Differenz, welche kaum von Einfluss auf die Messungen ist und füglich unbeachtet bleiben kann.

In. der angegebenen Lage habe ich die horizontalen Achsen- und die Höhenmessungen ausgeführt. Ein zweckmässig construirter Kranio- meter erleichtert die Arbeit, besonders wenn man Messungen in grös- serer Zahl ausführt. Es lässt sich jedoch auch mit vollkommner Ge- nauigkeit messen, wenn geeignete Kraniometer nicht zur Hand sind, und dies wird oft der Fall sein, denn solche Instrumente für grössere Objecte, wie z. B. die grössten Schweineschädel oder Rinder- und Pferdeschädel, sind bisher noch wenig im Gebrauch. Ich erwähne hier einer Methode, welche sich für viele Fälle ihrer Einfachheit wegen empfiehlt und bei einiger Uebung leicht ausführbar ist und sichere Resultate liefert.

Ein Bogen Papier wird auf ein Reissbrett gespannt, am bequem- sten mit den für diesen Zweck jetzt allgemein bekannten flachköpfigen Nägeln. Der Schädel wird auf das Papier gestellt, wenn er nicht durch eigene Schwere genügend feststeht, mit einigen Stiften befestigt. Es kommt nun darauf an, auf die leichteste Weise Perpendikel zu fällen. Es geschieht dies entweder durch ein kleines Loth, welches man leicht aus freier Hand. führen kann, oder beweglich an einem auf dem Reissbrett angebrachten Gestell leitet; es ist zweckmässig das Loth unten mit einer zeichnenden oder stechenden Spitze zu versehen. Oder aber statt des Lothes nimmt man einen Winkel, welcher durch breiten Fuss oder ein

Kreuz, worauf er ruht, eine senkrechte Linie giebt, wenn man ihn auf

METHODE DER MESSUNG. 95

das Papier stellt. Mit diesen Hülfsmitteln werden auf dem Papier zuerst die Endpunkte einer Grundlinie bezeichnet, z. B. ein Punkt senkrecht unter der Schnauzenspitze, ein anderer senkrecht unter der Mitte des Randes des Foram. magnum, oder des hervorragendsten Theiles des Hinterhauptes. Nachdem diese Punkte für die Mittellinie des Schädels gefunden sind, trägt man die zu messenden Punkte mit dem Loth oder dem stehenden Winkelmass auf das Papier. Es kann dies ent- weder nur auf einer Seite des Schädels geschehen oder auf beiden. Letzteres ist correeter und es ergeben sich zugleich die so oft vorkom- menden Asymmetrien; hat man die Punkte doppelt auf beiden Seiten bezeichnet, dann verbindet man dieselben, wenn der Schädel entfernt ist, durch Linien, welche die Mittellinie durchschneiden; hat man nur auf einer Seite Punkte bezeichnet, so zieht man Coordinaten auf die Ba- sallinie. In dieser Art erhält man auf dem Papier (parallele) Achsen- längen aller der Punkte, welche man messen will. Mit Hülfe des Lothes oder doppelter Winkel sind alle Höhen von der Fläche aus, auf welcher der Schädel ruht, sicher zu messen.

Die Gewinnung anderer Masse durch Hohl- und Stangen- Cirkel oder Bandmass erfolgt dann selbstverständlich ausserdem. Es empfiehlt sich die hier angegebene Methode für grössere Thierschädel auch deshalb, weil man in fremden Sammlungen, auf Reisen, in kurzer Zeit Material zu spätern Messungen anfertigen kann, wenn man auf dem Papier die Punkte bezeichnet; überdem hat wohl jeder, der sich mit solchen Arbeiten beschäftigt hat, erfahren, dass es in vielen Fällen wünschenswerth ist, frühere Messungen wiederholt vergleichen zu können; die mit den Zei- chen versehenen Bogen geben hierzu Gelegenheit.

In den Erläuterungen zu den Tabellen, in welchen die Messungen zusammengestellt sind, habe ich versucht möglichst klar die Ausgangs- punkte der gemessenen Dimensionen zu bezeichnen. Um vielfache Wie- derholungen zu vermeiden, bitte ich jene Erläuterungen, welche dort die passendste Stelle fanden, als Einleitung zu den nachfolgenden Beschrei- bungen und Massvergleichen zu betrachten und sich darin zu orientiren,

wenn Zweifel aufstossen.

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DER SCHÆDEL DES EUROPÆISOHEN WILDSCHWEINS.

Der Schädel des europäischen Wildschweins. (Taf. I. Fig. 2. Taf. III. Fig. 12. Taf. V. Fig. 21 u. 23.)

Wir betrachten zuerst den Schädel des erwachsenen Wildschweins um einen Anhalt für Vergleichungen zu finden; hierbei sollen zugleich

die bedeutendern individuellen Abweichungen angeführt werden. Stellen

wir den Schädel mit dem, durch das Ineinandergreifen der Zähne in

richtige Lage gebrachten, Unterkiefer auf eine ebene Fläche und betrach- ten ihn zuerst im Profil, wie ein solcher Taf. I. Fig. 2 gezeichnet ist.

Der Unterkiefer ruht auf zwei Stützpunkten: vorn fällt dieser Stützpunkt unter die Zahnlücke zwischen dem Eekzahn und vierten Prä- molarzahn des Oberkiefers; hinten liegt der Stützpunkt ungefähr zwischen dem vordern und hintern Augenhöhlenrand; kleine individuelle Verschie- denheiten in Bezug auf diesen letzten Punkt sind nicht selten. Zwischen den beiden angegebenen Stützpunkten, also in der ganzen Länge der obern Backzahnreihe, ist die Grundlinie des Unterkiefers wenig gewölbt, so dass der Unterrand an der höchsten Stelle, ungefähr unter Mol. 1, an- nähernd 7 Mm. höher steht als die Stützpunkte.

Der vordere Stützpunkt ist der Theil, an welchem die beiden Hälf- ten des Unterkiefers zusammentreffen, also der untere Anfang der Kinn- symphyse. Diese. steigt schlank und in ziemlich grader Linie nach vorn und aufwärts bis zum untern Alveolarrand der ersten Schneidezähne, die untere Fläche dieser letzten verfolgt die Riehtung des Kinns. Die Profileontur des Kinns bildet mit der Grundfläche, auf welcher der Kiefer ruht, einen sehr offenen Winkel, dessen Grösse zwischen 155 und 170° schwankt und bei dem weiblichen Thier um 5 bis 15° grösser ist als beim männlichen; letzteres hat demnach ein etwas steiler gestelltes Kinn. Die Länge der Kinnsymphyse beträgt annähernd die Hälfte der Länge des horizontalen Körpers des Kiefers; bei dem Eber ist sie relativ ein wenig länger als bei der Sau. Der untere Alveolarrand der vordersten Schnei- dezähne steht immer tiefer als der ihm analoge äussere Rand der Back- zahnalveolen, der vordere Theil des Unterkiefers senkt sich also nach unten. Der Alveolarrand der Backzahnreihe bildet annähernd eine gerade Linie, welche parallel der Grundfläche läuft. τ

Die Höhe des horizontalen Astes, d. h. der senkrechte Durchmesser

des Kieferstücks, verhält sich zur Länge desselben Theiles annähernd

1:26 beim Eber und = 1: 3,1 bei der Sau; der horizontale Ast ist

UNTERKIEFER. 97 demnach bei dem weiblichen Thier etwas niedriger als bei dem männ- lichen; es beruht dies hauptsächlich auf der ausserordentlich starken Ent- wicklung des Eckzahns beim Eber, welcher mit seiner Wurzel nach hinten bis über die Mitte des Kiefers hinausreicht. Der horizontale Ast

ist vorn, unter Prämol. 2, stets etwas höher als hinten, unter Mol. 3.

Der aufsteigende Theil des Unterkiefers ist in allen Richtungen der im Profil sichtbaren Fläche bedeutend breiter als der horizontale Theil hoch ist. Es sind jedoch weder die Höhe des horizontalen noch die Breite des aufsteigenden Astes constante Dimensionen; beide variiren bei ver-

schiedenen Individuen.

Der aufsteigende Theil bildet durch seine hintere Kante einen Win- kel mit der Grundlinie dessen Grösse vielen Schwankungen unterliegt. Zuweilen ist, wenn man sich die Höhe von der Grundlinie bis zum Ge- lenkkopf in drei gleiche Partien getheilt denkt, die mittlere Partie

annähernd senkrecht gestellt, also im rechten Winkel zur Grundlinie;

in diesem Fall bildet der sogenannte Unterkieferwinkel einen Quadran- ten, dies ist z. B. der Fall bei dem Taf. I. Fig. 2 gezeichneten Schädel. Bei andern Individuen steht der hintere aufsteigende Rand in keiner

Partie senkrecht, sondern mit dem obern Theil nach hinten geneigt, so

dass er in seiner Hauptrichtung mit der Grundlinie einen stumpfen -

Winkel von über 90° bis zu 115° bildet. Die Grösse des Unterkie- ferwinkels schwankt also individuell und ist kein constantes Merkmal.

Dasselbe findet statt in Bezug auf die seitliche Richtung des Kno- chenstücks, welches den Unterkieferwinkel bildet. Die Winkel der bei-

den Kieferhälften stehen mehr oder weniger entfernt von dem Perpendikel, .

der von den Gelenkköpfen auf die Grundfläche gefällt wird. In den meisten Fällen ist die grösste Distanz zwischen den beiden Kieferwin- keln die grösste Querachse des ganzen Unterkiefers; in diesem Fall steht diese Partie breit auseinander gespreizt; in andern Fällen stehen die Unterkieferwinkel einander so genähert, dass die grösste Querachse des

Kiefers durch die Gelenkköpfe fällt.

Die senkrechte Höhe der obern Fläche der Gelenkköpfe, von der Grundlinie gemessen, ist bei den Unterkiefern mit grösserm Winkel zuweilen etwas geringer als bei den mit kleinerm Winkel; aber ausser den durch dieses Verhalten bedingten unbedeutenden Verschiedenheiten kommen Differenzen der genannten Unterkieferhöhe vor; diese Höhe schwankt nämlich im Verhältniss zur Länge des Schädels zwischen

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SCHÆDEL DES EUROPÆISCHEN WILDSCHWEINS.

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Schnauzenspitze und unterm Rand des Foram. magn. zwischen 1: 2,8 und 1:33.

Die Höhe des Unterkiefers, in angegebener Art senkrecht von der Grundlinie bis zur obern Fläche der Gelenkköpfe gemessen, beträgt un- gefähr die Hälfte der ganzen Kopfhöhe bis zur Mitte des Occipitalkam- mes; erste Höhe verhält sich zu letzter = 1: 18 bis 1: 20.

Die Spitze des Kronenfortsatzes steht immer etwas höher als die höchste Kante des Gelenkkopfes; constante Grössen aber ergiebt die

Messung nicht.

Bei der Profilansicht in der angegebenen Stellung ist der am wei- testen nach hinten hervorragende Punkt des Schädels der untere Theil des Kammes, welcher die Verbindung des Schuppentheils des Hin- terhaupts mit den Scheitelbeinen bildet. In der Mitte dieses Kammes, in der Fortsetzung der Pfeilnath, liegt der höchste Punkt des Schä- dels, und dieser liegt etwas hinter dem hintern Rand der Gelenkköpfe des Hinterhaupts.

Die senkrechte Höhe des Kopfes, wie sie eben bezeichnet ist, ver- hält sich zur Länge desselben zwischen Schnauzenspitze und unterm Rand des Foram. magnum = 1l : 16 bis 1 : 1,8. Legen wir ein Lineal der Länge nach auf die Mitte des Schädels, so dass dasselbe auf der Nath zwischen den Nasenknochen und auf der Pfeilnath liegt, so finden wir, dass die Contur der Stirn und des Gesichts nicht viel von der geraden Linie abweicht. Die beiden Stützpunkte des Lineals liegen vorn etwas hinter der Spitze der Nase und hinten etwas vor dem Kamm des Hinterhaupts, indem sich der Rand desselben etwas nach unten senkt. Von der Nasen- spitze nach hinten bis kurz vor dem Anfang der Stirnbeine senkt sich die Gesichtslinie etwas, von da bis zum hintern Stützpunkt steigt sie wieder etwas und nähert sich immer mehr der geraden Hülfslinie. Etwas vor der Mitte der Stirn, ungefähr über dem vordern Augenhöhlenrand erhebt sich die Contur zu einer unbedeutenden Wölbune. Da wo die Gesichtslinie am meisten von der geraden Linie abweicht, vor dem An- fang der Nasenbeine, beträgt die Senkung zwischen 9 und 14 Mm., dies sind die bis jetzt beobachteten grössten Differenzen. Die Messung der ganzen Länge von der Nasenspitze bis zum Kamm in gerader Linie ergiebt demnach nur einen geringen Unterschied von der Messung mit dem Band, welches den Abweichungen von der geraden Linie folgt. Neh- men wir die über die hervorragendsten Punkte des Schädels gezogene Hülfslinie als die Basis eines Dreiecks an, dessen Seiten einerseits die

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PROFILLINIE. STIRNCONTUR. 99

Contur der Nasenbeine, andererseits die der Stirn- und Scheitelgegend bilden, dann verhält sich die Höhe dieses Dreiecks zu dessen Basis schwankend = 1: 29 bis = 1: 44- Aber nicht allein in dieser etwas - geringern oder stärkern Einsenkung der Profillinie variirt die Form bei verschiedenen Individuen, es ist dies auch der Fall in Bezug auf die Contur der Profillinie überhaupt. Während, wie oben gesagt, die über die hervorragendsten Punkte des Profils gezogene Linie nach hinten die Pfeilnath kurz vor dem Oceipitalkamm berührt, ruht dieselbe in andern Fällen auf der Stirn über dem vordern Augenhöhlenrand dicht hinter der Achse der Supraorbitallöcher, die hintere Stirngegend und die obere Scheiteleontur entfernen sich alsdann nach hinten zu immer weiter nach unten von jener Hülfslinie. In diesem Fall ist also Stirn- und Scheitel- gegend in der Mittellinie flach convex, im andern Fall flach concav. Ich glaubte früher annehmen zu können, dass der männliche Schädel sich in dieser Beziehung vom weiblichen Schädel unterscheide, nachdem ich aber von beiden Geschlechtern eine grössere Anzahl von Schädeln zusammengebracht hatte, habe ich mich überzeugt, dass ein geschlecht- licher Unterschied der Art nicht vorhanden ist, es sind im Gegentheil alle diese Schwankungen der Form zufällige und selbst an Thieren aus einem beschränkten Jagdrevier, welche man als einer Familie angehörend betrachten kann, finden sich die verschiedenen Formen, so wie umgekehrt ähnlichere Formen an Thieren aus den entlegensten Gegenden. Das Bedeutungslose dieser Formschwankung wird verständlich durch die Ab- hängigkeit derselben von der Bildung der Stirnhöhlen.

Die eben besprochene Mittellinie des Schädels theilt sich in drei Absehnitte; von diesen wird der vordere durch die Nasenbeine gebildet, er beträgt etwas mehr als die Hälfte der ganzen Länge (gewöhnlich = l : 1,8 selten = 1: 19); der mittlere Theil, durch die Stirnbeine gebil- det, hintere Theil, die Scheitelbeine, den Rest, also ungefähr ein Drittel der

nimmt etwas weniger als zwei Drittel der obern Hälfte ein, der

obern Hälfte. Die Kranznath verwächst oft und deshalb ist diese Gränze nicht immer deutlich. In den bisher besprochenen Verhältnissen, der geraden Richtung

der Stirn und Nase und dem weiten Zurücktreten des Kamms am Hin-

terhaupt, ist diejenige eigenthümliche Form des Schweineschädels begrün- det, welehe man sich gewöhnt hat als die charakteristische zu betrachten. Cuvier nennt sie eine vierseitige Pyramide, bei der die eine Seite, der Gaumen, fast senkrecht auf der durch das Hinterhaupt gebildeten Basis steht. Später zu beschreibende Formen des Hausschweins werden erge-

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30 DER SCHÆDEL DES EUROPÆISCHEN WILDSOHWEINS.

ben, dass jene Bezeichnung nur für das Wildschwein und einige Formen des Hausschweins, keineswegs aber allgemein, richtig ist.

Von dem Jochbeinfortsatz des Stirnbeins aus, also von dem obern und hintern Theil des Augenhöhlenrandes, verläuft über das Scheitelbein hinweg, nach oben und hinten, ein scharfer Kamm und tritt hinten an das Hinterhaupt, hier in den Kamm übergehend, welchen der obere Theil der Schuppe des Hinterhauptes mit der hintern Seite der Scheitelbeine bildet. Die beiden von den Augen auslaufenden Kämme der Scheitelbeine vereinigen sich niemals ganz, es bleibt immer zwischen beiden eine Fläche. Die Conturen dieser so gebildeten Fläche bieten bedeu- tende Verschiedenheiten dar, welche unabhängig von Geschlecht oder Alter sind. Bei ungefähr gleich grossen, deutschen, Schädeln ‘schwankt die Breite dieser Fläche an der Stelle, wo sich die beiden Kämme am meisten einander nähern, zwischen 15 und 40 Mm.; es sind also auch hier bedeutende individuelle Differenzen, auf welche wir noch einmal zurückkommen müssen. Der obere Rand der Augenhöhle geht nach vorn in eine Leiste über, welche durch den gewölbten Rand des Stirnbeins gebildet wird; unter diesem gewölbten Rand verläuft die obere Nath des Thränenbeins.

Durch diese zuletzt erwähnten Leisten, welche von den Augen nach der Nasenwurzel zu sich allmälig nähern, und durch jene oben beschriebenen Kämme der Scheitelbeine entsteht ein ziemlich regelmässiges Sechseck: die beiden schmalsten einander gegenüber stehenden Seiten bilden vorn die Nasenwurzel und hinten der Oceipitalkamm. Die vier andern Seiten sind von ziemlich gleicher Länge. Zieht man eine Linie quer über die Stirn, welche die beiden Jochbeinfortsätze der Stirnbeine verbindet und betrachtet diese als Grundlinie, dann hat man zwei ziemlich gleiche Dreiecke mit abgestumpfter Spitze. Die Achnlichkeit dieser beiden Fi- guren ist charakteristisch für das Wildschwein und es wird sich später

‚die Wichtigkeit dieser Gestalt für die Vergleichung mit andern Formen

ergeben. Wir werden noch näher darauf eingehen, dass die hintere ab- gestumpfte Seite verschiedene Dimensionen hat, für die hier erwähnte Aehnliehkeit der beiden Dreieeke ist dies aber von geringer Bedeutung. So auffallend auch die Achnlichkeit der beiden Figuren ist, welche durch jene näher bezeichnete Stirnlinie gebildet werden, wenn man deren Ver- hältniss zu einander vergleicht mit dem Verhalten bei andern Formen so wird doch bei genauerm Vergleich ein Schwanken der Form be- merkbar, welches näher zu betrachten ist. Jene Stirnlinie theilt nämlich

die Linie zwischen Nasenwurzel und Oceipitalkamm in zwei Theile,

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STIRNTHEIL. THR/RNENBEIN.

welehe zwar annähernd einander gleich sind, von denen jedoch zuweilen die vordere etwas länger ist als die hintere, zuweilen etwas kürzer; die grösste Differenz zwischen beiden Theilen beträgt aber immer nur '/, der Länge der kürzern Linie. Da nun die Augengegend wohl als der topo- graphisch constante und fixirte Theil zu betrachten ist, ist diese Diffe- renz beider Linien ein weiterer Ausdruck für die Variabilität der Ge- staltung der Hinterhauptsschuppe. Die oben beschriebene Form des Stirntheils ist nicht nur in ihren Conturen charakteristisch für das Wildschwein, auch die Fläche selbst bietet Unterscheidungsmerkmale. Diese bildet nämlich im Allgemeinen eine von vorn nach hinten gleich- mässig aufsteigende Ebene mit schwacher Convexität, welche im untern Theil etwas deutlicher hervortritt als im obern; überdem steht ungefähr

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in der Mitte der Höhe des untern Dreiecks ein kleiner schr wenig erhabener Hügel, welcher in die Linie zwischen den vordern Augen- höhlenrändern fällt. Vergleicht man aber mehrere Schädel miteinander, dann finden sich manche Abänderungen: nicht selten ist der ebene Theil

der Fläche, da wo sich die Leisten der Scheitelbeine am meisten ein-

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ander nähern, ein wenig eingedrückt; zuweilen, aber selten, ist auch der Theil der Stirn, welcher zwischen den hintern Augenhöhlenrändern liegt, ganz flach. Die Gefässrinnen, welche von den Foram. supraorbit. aus nach vorn verlaufen, sind bei dieser Betrachtung ausser Acht gelassen, da sie Einfluss auf die Gestalt des Schädels nicht haben. Die Nasen- knochen liegen ihrer Länge nach in einer Ebene, so dass der Nasen- rücken von der Nasenwurzel an bis beinah zur Spitze derselben’ eben verläuft; die Spitze selbst ist immer etwas nach unten geneigt. Im Allgemeinen ist. der Nasenrücken im Querschnitt gewölbt; die Nath zwischen den Nasenbeinen steht höher als die Nath zwischen diesen letzten und Kiefer und Zwischenkiefer. Die Höhe dieser Wölbung ist sehr verschieden nach Individualität, von Alter, Geschlecht oder andern

bekannten Ursachen nicht abhängend. In seltenen Fällen ist die Nase hinter den Eckzähnen sehr wenig gewölbt, doch niemals ganz flach.

| Da wo der Oberkiefer unmittelbar an den Nasenknochen tritt, bil- den beide mit ihren äussern Flächen annähernd einen rechten Winkel.

Besonders wichtig für spätere Vergleichungen ist die Betrachtung

des Thränenbeins. An der äussern Fläche sind zwei lange Seiten, die obere und die untere, zu unterscheiden, welche im Allgemeinen parallel laufen; die obere ist um die Hälfte der untern länger als diese. Die vordere Seite bildet demnach mit der obern einen spitzen, mit der untern einen stumpfen Winkel. Diese vordere Seite ist geschweift, im Allge-

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32 DER SCHÄDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

meinen die Riehtung der Curve nach vorn, der Nase zu, convex. Das Thränenbein ist viel länger als hoch: die Höhe desselben im Augenhöhlenrand beträgt annähernd die Hälfte der untern, mit dem Ba- ekenknochen verbundenen, und ein Drittel der Länge der obern, mit dem Stirnbein verbundenen Seite. Diese Länge des Thränenbeins ist eines der wichtigsten Kennzeichen für das Wildschwein und der ihm ähnlichsten Formen, es wird deshalb ein näheres Ein- gehen auf einige Verhältnisse desselben gerechtfertigt sein. Die 8 Wild- schweinschädel, deren Masse ich in die Tabelle aufgenommen habe,

zeigen:

des Thränenbeins:

αἱ H Höhe Länge Länge ; im Augen- oben. unten.

höhlenrand. I. 67 42 22 II. 65 42 22 IH. 66 38 29 IV 65 37 99 vV 66 39 20 VE 53 37 20 VII. 56 99 90 VII. D7 36 21

|

Wenn man nun für den Werth dieser Zahlen in Anschlag bringt, dass eine Sehuppennath, wie sie die vordere Nath des Thränenbeins bildet, einen festen Ansatzpunkt nicht darbietet, dass dasselbe in Bezug auf den Augenhöhlenrand statt findet, dann ist eine gewisse Constanz der Grösse des Thränenbeins evident, denn es hat der längste Schädel das längste Thränenbein und der kürzere ein kürzeres; aber es ergeben sich Schwankungen im Verhältniss der Länge des Thränenbems zur Länge des Schädels, welehe zwischen 1 : 5,5 und 1 : 6,5 liegen.

Vergleichen wir noch die Länge des Thränenbeins mit einigen an- dern Dimensionen: die Breite der Nase an der Stelle, wo sich Stirn-, Oberkiefer- und Nasenbeine einander treffen, ist annähernd gleich der kürzern, untern Seite des Thränenbeins oder ein wenig kleiner; dieselbe

Breite ist aber meistens ungefähr halb so gross als die Länge der obern

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THRAUNENBEIN. BACKENKNOCHEN. 33

Seite des Thränenbeins, im extremen Fall verhält sich jene Nasenbreite zur obern Länge des Thränenbeins immer noch nahezu = 1: 1,6 [die differentesten Zahlen sind 1: 2,2 und 1: 1,57],

Den frappantesten Vergleich liefert aber die Augenöffnung: der horizontale und der senkrechte Durchmesser derselben sind sich nahezu gleich; es ist nun dieser Durchmesser ungefähr gleich der Länge des untern, und bedeutend kürzer als der obere Rand des Thränenbeins.

Die äussere Fläche des Thränenbeins ist schwach concav mit einem Hügel im hintern Theil. Meistentheils sind in jedem Thränenbein zwei sogenannte Thränenbeinlöcher vorhanden, von denen das obere im Augen- höhlenrand selbst oder dicht davor, das untere etwas weiter nach vorn steht. Es ist aber diese Stellung der Thränenlöcher nicht constant, nicht selten steht auch das obere vor dem Rand der Augenhöhle An einem meiner Schädel ist jederseits nur ein Loch vorhanden, welches enger ist als sonst eines der beiden. !

Der Backenknochen verläuft in seiner untern Kante ungefähr bis zur Gegend des Ausschnittes, welcher den Jochbeinfortsatz des Schläfen- beins aufnimmt, parallel mit der Grundfläche, er steigt von da an in einem sanften Bogen nach oben und endet nach hinten mit einer abge- rundeten Spitze. Verhältnissmässig selten senkt sich aber auch der untere Rand unter dem hintern Augenhöhlenrand wenig nach unten bevor er nach oben steigt; in diesem Fall verläuft derselbe also nicht ganz parallel mit der Grundfläche des Schädels. Diese untere Contur des Jochbogens ist demnach in ihrer Richtung zur Grundlinie nieht constant. Der Backenknochen ist im Allgemeinen unter der Augenhöhle höher als der Höhendurchmesser der Augenhöhle; es ist diese Höhe des Backen- knochens jedoch nicht constant; beide Ränder des Knochens, besonders der untere, sind sehr schwankend in ihrer Contur; an vielen Schädeln ist die Augenhöhlenachse grösser als die Höhe des Backenknochens Es ist demnach die Höhe dieses Knochenstücks kein constantes Merkmal. |

An den Jochbeinfortsatz des Schläfenbeins schliesst sich nach hinten der Gehörgang an. Die knöcherne Röhre des Gehörgangs ist demnach in ihrer Richtung abhängig von der Richtung, welche der hintere Theil des Schläfenbeins, zusammen mit den andern Hinterhauptsknochen, hat. Bei dem Wildschwein ist diese Röhre mit ihrer Oeffnung stark nach aussen und etwas nach hinten gerichtet. Es ist dies eine der Eigen- thümlichkeiten des Wildschweins, wir werden nochmals darauf zurück-

kommen müssen.

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DER SCHEDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

Der Schuppentheil des Hinterhauptsbeins ist fächerförmig, die äussere Fläche, welche nach hinten den Schädel abschliesst, stark coneav. Von dem obern Rand des Foramen magnum steigen Leisten aufwärts, welche nach oben stark auseinandertreten ; sie gehen über in den, ein Kreis- segment bildenden, obern hintern Rand der Schuppe. Die Stelle, wo jene aufsteigenden Leisten in den obern Rand übergehen, ist die nach hinten am meisten hervorragende des ganzen Schädels. Zwischen diesen äussersten Ecken, welche man Flügel des Hinterhaupts nennen kann, ist der Knochen stark concav, so dass der Abstand dieser Flügel von dem Grund der Fläche, in der Längenachse des Kopfes gemessen, bis zu 24 Mm. beträgt. Auch die senkrechte Mittellinie der Schuppe ist in der Art gebogen, dass die ganze Schuppe von oben nach unten concav erscheint. Der Grad der Ooncavität ist aber verschieden bei verschiedenen Thieren. Durchschnittlich verhält sich die Höhe dieser Schuppe (vom obern Rand des Foramen magnum bis zur Kante des Kammes) zur grössten Breite der Flügel, diese nach der Sehne gemessen, ungefähr in runden

. Zahlen =5:4 Für genauere Vergleiche ist aber der obere Rand des

Foramen magnum nicht brauchbar, weil derselbe in verschiedener Art durch in denselben übergehende Höcker verdunkelt wird; ein Vergleich der grössten Breite der Schuppe mit der Höhe vom untern Rand des Foramen magnum ergiebt im Durchschnitt ein Verhältniss =1:1,7, in extremen Fällen beinah = 1 :2. Die Schuppe ist demnach schlank und hoch. Zieht man eine horizontale Linie durch die am weitesten nach hinten hervorragenden Punkte, dann theilt diese die senkrechte Mittellinie der Schuppe der Art, dass über der horizontalen Linie '/,, unter derselben */, der Höhe liegen. Die Mitte des Kammes oben, hinter der Pfeilnath, steht weiter nach hinten als das Foramen magnum; auf diese Art bildet die Schuppe des Hinterhaupts mit der Ebene der Stirn einen spitzen Winkel von annähernd 65° Die Grösse dieses Winkels schwankt aber um 10°; immer aber bleibt der Winkel ein spitzer und es ist dies wiederum eines der charakteristischen Merkmale des Wildschweins. Von der Oeffnung des Gehörgangs aus erstreckt sich nach oben und hinten eine scharfe dünne Leiste, welche die Schläfenbeine in eine vordere und hintere Fläche trennt: diese Leiste setzt sich nach oben fort in den Kamm der Hinterhauptsschuppe. Diese Leiste nun ist beim Wildschwein verhältnissmässig schwach entwickelt, d. h. sie erhebt sich nicht viel über die Fläche der Schläfengrube. Diese ist am Schweineschädel durch jene Leiste und den mit derselben annähernd parallel verlaufenden Kamm, welcher die Scheitelbeine in eine obere und eine seitliche Fläche theilt,

SCHL/EFENGRUBE. KEHLDORN. 35

ungewöhnlich scharf ausgeprägt; sie ist je nach der Richtung der Stirn und der Hinterhauptsschuppe mehr oder weniger steil.

Bei dem Wildschwein ist die Schläfengrube nach hinten offen, d. h. die oben bezeichnete Leiste ist so schwach entwickelt, dass ein grösserer Theil der Schläfengrube sichtbar ist, wenn man den Schädel von hinten ansieht. | Die Schläfengrube ist ferner nicht steil, sie steht im Gegentheil stark geneigt zur Grundfläche, der Art, dass eine durch die Mitte der Grube ihrer Länge nach gedachte Linie einen nach hinten offenen spitzen Winkel mit der Grundlinie bildet auf welcher der Schädel ruht.

Der Gelenktheil des Hinterhaupts verlängert sich nach unten jeder- seits in einen sehr langen und starken Fortsatz dessen Mächtigkeit für die Gattung Sus besonders charakteristisch ist. Ich lege geringen Werth auf die Nomenclatur, doch in diesem Fall kann ich nicht unter- lassen darauf aufmerksam zu machen, dass die gewöhnliche und, so viel ich weiss, bei allen Veterinärs übliche Bezeichnung dieses Knochentheils als processus styloideus offenbar eine unrichtige ist. Dieser Knochen ist weder seiner Lage noch seiner Function nach dem processus styloideus zu vergleichen, er ist entschieden processus oder spina jugularis, Kehldorn, zu nennen. |

Bojanus hat schon vor langer Zeit auf das Unrichtige der allge- mein angenommenen Bezeichnung aufmerksam gemacht (Uraniorum Arga- lidis ete. comparatio, in Nova Acta Acad. Leop. Carol. T. XII. pars 1. pag. 297), und es wäre wohl zu wünschen, dass die neuern Handbücher über Anatomie der Hausthiere endlich auf diese Berichtigung eingingen, denn es ist klar, dass die bisher übliche Benennung eine falsche Ansicht giebt, so lange man überhaupt gleiche Theile dureh gleiche Namen be- zeichnen will.

Dieser Kehldorn hängt in seiner Richtung ab von der Richtung des Hinterhaupts im Allgemeinen. Er ist nach unten und etwas nach vorn geneigt und wird in der Profilansieht von dem Unterkiefer verdeckt. Die Richtung der Kehldorne ist eines der charakteristischen Merkmale verschiedener Formen des Schweins.

Der Basilartheil des Hinterhaupts liegt (abgesehen von dem hervor- agenden Rand des Foramen magnum) mit seiner untern Fläche annähernd in einer Ebene, welche parallel mit der Ebene der Kaufläche der Back- zähne liegt, also auch parallel mit der Grundfläche, auf welcher der mit dem Unterkiefer in seiner Lage befindliche Schädel ruhend gedacht ist.

36 DER SCHÄDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

Es ist auch dies ein Kennzeichen zur Unterscheidung des Wildschweins

von andern Formen.

Der vordere Rand des Basilartheils verwächst früh mit dem Keil- beinkörper und zwar in der Art, dass die Gränze beider nicht immer be- stimmbar bleibt. Es entsteht durch die Verschmelzung beider Knochen- theile ein pyramidaler Knochen dessen Spitze nach vorn und oben (in die Schädelhöhle) gerichtet ist.

Gegen diese Spitze tritt von vorn her die hintere Spitze der Pflugschar; die Gränze dieser beiden Knochen .bleibt offen und bietet einen sichern Punkt für Vergleichungen und Messungen. Dasselbe gilt von den beiden Löchern, welche den Basilartheil des Hinterbaupts zwischen den Jugulardornen und dicht an der Basis dieser letztern durchbohren; ich nenne sie mit Gurlt die vordern Knopflöcher (Foramina condy- loidea anteriora), obgleich andere, hintere, nieht vorhanden sind. Die Linie welche die Centra dieser Löcher verbindet, ist die Basis jenes Dreiecks, welches durch das Verwachsen des Basilartheils mit dem Körper des Keilbeins gebildet wird; diese Linie nun ist kürzer als die Höhe jenes Dreiecks. Schon hierdurch entsteht die eigenthüm- liche Schlankheit der Schädelbasis bei dem Wildschwein; dieselbe tritt noch mehr hervor durch die Länge der hintern Fortsätze der Gaumen- beine und durch die Länge, mit welcher das Pflugscharbein aus der hintern Nasenöffnung nach hinten hervorragt; diesen Verhältnissen ent- sprechend sind selbstverständlich auch die Flügelfortsätze des Keilbeins verhältnissmässig lang und schräg gerichtet.

Eine Linie auf den hintern Alveolarrand der vordern Schneidezähne und auf die Mitte der eigentlichen Gaumenbeine gelegt, welche also die in den Kieferplatten des Gaumens liegende Ooneavität nicht berührt und nicht berücksichtigt, eine solche Linie trifft in ihrer Verlängerung nach hinten beinah auf den untern Rand des Foramen magnum. Es liegt demnach dieser Rand beinah in gleicher Ebene mit: dem Gaumen und

nur um einige wenige Millimeter höher als die angegebene Linie.

Auffallend tritt die Länge der Schädelbasis hervor, wenn wir die- selbe vergleiehen mit der grössten Breite des Kopfes, welche zwischen die Jochbogen fällt; bei dem Wildschwein verhält sich jene Länge zu dieser Breite fast genau = 1 : 1,5, und bei einigen weiblichen Köpfen BEE FR |

` Der Gaumen ist flach econcav im Längsschnitt wie im Querschnitt,

in der Gegend von präm. 2 am tiefsten.

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αὖ

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GAUMEN: 37

Bei der Ansicht des Schädels von unten treten zwei Partien als gesonderte hervor: der Raum zwischen Hinterhaupt und Gaumenausschnitt, und der ganze knöcherne Gaumen mit dem Gebiss; dieser letzte Theil ist wieder in zwei Partien gesondert: die Molarpartie vom Gaumenaus- schnitt bis zum Anfang der Zwischenkiefer in den Alveolarrändern, und die Ineisivpartie, oder die eigentliche Schnauze. Die Länge dieser letztern ist allein durch die Zwischenkiefer gebildet, denn die Spitzen der Gaumen- partie der Oberkiefer treten zwar in dieselbe hinein, schliessen dieselbe aber nach vorn nicht ab. Es ist für spätere Vergleiche wichtig einen Ausdruck für das Verhältniss dieser gesonderten Partien zu finden.

Es verhält sich nun die Hinterhauptspartie (vom untern Rand des

Foramen magnum bis zum Gaumenausschnitt) zur ganzen Länge des

Kopfes von demselben Endpunkt bis zur Schnauzenspitze durchschnittlich =1:3,46 und zwar in den Extremen =1:3,36 bis 1: 3,60.

Es verhält sich die Gaumenpartie (vom Ausschnitt des Gaumens bis zur Schnauzenspitze) zur ganzen Kopflänge fast ohne nennenswerthe Schwankung = 1 : 4 (Extreme: 1:3,8 und 1: 4,2).

Es verhält sich die Ineisivpartie zur Molarpartie durchschnittlich = 1: 2,46. Diese Durehschnittszahl entsteht aber aus Factoren so ungleicher Werthe, dass es nöthig scheint dieselben einzeln anzugeben; nach den Werthen geordnet sind es 2,63 2,62 2,55 2,51 2,50 2,33 220 = 330,

Die Hinterhauptspartie, bis zum Gaumenausschnitt, verhält sich zur Gaumenlänge beinah genau = 1 : 2,5 (eigentlich: 2,47 mit den Extremen von 2,36 und 2,60). Da nun die ganze Gaumenlänge ein ziemlich constantes Verhältniss zur Kopflänge hat, so folgt daraus, dass das Verhältniss der Ineisivpartie zur Molarpartie das am wenigsten constante Verhältniss darbietet; dieses tritt auch hervor durch Vergleich der Schnauzenlänge mit der ganzen Kopflänge, wir erhalten dadurch das Verhältniss von 1:4,5 bis 1:5,1. Es ist also die Länge des Schnauzentheils nicht constant. Zur Vermeidung von Wiederholungen verweise ich auf das, was in Bezug darauf später nachgewiesen wird, wenn wir die geschlecht- lichen Differenzen erörtern.

Ein für spätere Vergleiche besonders wichtiges Verhältniss ist das der Breite der Ineisivpartie an ihrer Basis zu der Länge derselben; es ergiebt in den meisten Fällen =1:1,7, ausnahmsweise 1:1,5 oder 1:1,8; also auch hier ein Schwanken der Dimensionen.

Charakteristisch für das, Wildschwein ist die Länge und Schmalheit des Gaumens. Die Backzahnreihen stehen nahezu parallel, nach

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WILDSCHWEINS.

38 DER SCHÄDEL DES EUROPZISCHEN

vorn erscheint der Gaumen nur dadurch etwas breiter, dass die Quer- durchmesser der vordern Zähne kleiner sind als die der hintern. Aus diesem Grund sind die Masse des knöchernen Gaumens, welche zwischen den innern Alveolarrändern der Backzähne genommen werden, nicht ein klarer Ausdruck für das Bild, welches man auf den ersten Blick von dem Parallelismus der Zahnreihen und der relativen Schmalheit des Gaumens ΠΗ zwischen den Prämolaren erhält, wenn man Wildschweinschädel mit denen

1415 anderer Rassen vergleicht; dazu kommt, dass der Querdurchmesser des

| | i letzten Backzahns um beinah den öten Theil der schmalsten Gaumenbreite | igi yariiren kann. Vergleichen wir die Differenzen der Gaumenbreite zwischen i mol. 3 und prämol. 3, so ergeben sich für dieselben Schwankungen | $ zwischen den Extremen von 8 und 19 Mm., um welche Zahl der Gaumen 5 | bei prämol. 3 breiter ist. Es ist jedoch dabei zu bemerken, dass die |. αὶ grösste Zahl durch einen abnormen Stand der Prämolaren bedingt ist, worüber in den Erläuterungen zu den Zahnmessungen das Nähere angegeben ist; nach Abzug des extremsten abnormen Falls bleiben aber ή | immer noch Extreme zwischen 8 und 16 Mm. Einen richtigern Ausdruck

ih erhält man in dieser Beziehung, wenn man die gegenseitige Distanz der

gleichnamigen Zähne der beiden Zahnreihen misst und zwar bei mol. 3 von dem Punkt, welcher zwischen den beiden Haupthöckern des vordern Jochs liegt und bei prämol. 3 von der Spitze des Haupthöckers oder,

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wenn diese abgenutzt ist, dem homologen Punkt der Kaufläche, welcher immer leicht und bestimmt zu erkennen ist. Bei fünf männlichen Schädeln betragen diese Distanzen: 56:51; 54:52; 53:48; 53:48; 52:48; bei zwei | weiblichen: 50:42 und 49:44. Die grössere Zahl bedeutet die Distanz | | ] | zwischen den Mittelpunkten der beiden Haupthöcker des vordern Jochs |. Fi. von mol. 3 der beiden Seiten, die kleinere die Distanz der Spitzen der

= | Haupthöcker von prämol. 3 rechts und links. Es ergiebt sich

Fit daraus, dass die Distanz zwischen prämol. 3 immer kleiner τη ΠΠ, ist als die zwischen mol. 3, und zwar durchschnittlich um an- E nähernd 5 Mm.

Die grösste Breite des ganzen Kopfes liegt zwischen den Jochbogen Ih ο. und zwar im hintersten Theil der Jochbeine selbst, da wo diese an der E untern Seite des Jochfortsatzes des Schläfenbeins anliegen, ungefähr in der Mitte dieser untern Seite. Es ist diese grösste Breite diejenige Achse,

welche durch den vordern Rand der Gelenkgruben für den Unterkiefer

DEE m on u en

fällt. Die grösste Breite liegt demnach in der Mitte zwischen hinterm

zu

Augenhöhlenrand und Ohröffnung und in gleicher Höhe mit den in Lage befindlichen Geleukköpfen des Unterkiefers.

BREITEN-DIMENSIONEN. 39

Es verhält sich diese grösste Breite des Schädels zu der grössten Längenachse desselben, welche durch Messung der Horizontale zwischen Schnauzenspitze und dem am weitesten nach hinten hervorragenden Punkt der Flügel der Hinterhauptsschuppe gewonnen wird, = 1 : 2,5 oder=1:2,6. Jene Breite zu der Länge zwischen Schnauzenspitze und unterm Rand des Foramen magnum ist 1: 2,2 bis 1: 2,4.

Finen guten Anhalt für Vergleiche giebt die Breite des Unterkiefers, nämlich der grösste gegenseitige Abstand der äussern Seiten der Gelenk- köpfe desselben, weil in diesem Mass zugleich ein Mass für die Breite des Kopfes liegt, welches unabhängig von den Zufälligkeiten der Stärke der Jochbogen ist. Diese Breite nun verhält sich zu der oft genannten - Länge ziemlich constant und genau = 1 : 2,8.

Die grösste Breite der Stirn bildet die Achse zwischen den Joch- fortsätzen des Stirnbeins. Dieser Durchmesser der Stirn verhält sich zur grössten Länge der Oberfläche des Schädels, welche durch Messung von Nasenspitze bis zum Oceipitalkamm gewonnen wird, = 1 : 3,4 bis 1: 3,8.

Der angegebene Stirndurchmesser verhält sich zur. Längenachse zwischen Schnauzenspitze und unterm Rand des Foramen magnum fast genau=1:3 (1:31 bis 1: 3,3).

Die schmalste Stelle des ganzen Schädels, abgesehen von der Schnauzenspitze, finden wir ungefähr in der Mitte der Oberkiefer dicht über und etwas vor der Mündung der Infraorbital-Kanäle; es ist die Gegend über präm. 1 und 2 und zugleich ungefähr die hinterste Gränze der Zwischenkiefer.. Der Querdurchmesser dieser schmalsten Stelle ist kleiner als die Breite des darüber liegenden Nasenrückens. Dieses letzte Verhalten ist constant, die Breite selbst aber schwankt etwas, so dass wir das Verhältniss dieses kleinsten Querdurchmessers zu der grössten Breite des ganzen Kopfes zwischen 1:4,4 und 1:4,6 finden. Es schwankt deshalb auch das Verhältniss dieses kleinsten Durchmessers zu dem grössten Durchmesser der Stirn zwischen 1:3,1 und 1: 3,4.

Unter dieser schmalsten Stelle ist der Abstand der äussern Alveolar- ränder von einander, also die Breite des Oberkiefers, nicht doppelt so gross als jener kleinste Querdurehmesser. Diese schmalste Stelle des Gesichts ist annähernd ebenso breit als die darunter befindliche Stelle des Gaumens, so dass also die Distanz zwischen den äussern Alveolar- rändern hier um den Querdurchmesser beider Zähne grösser ist.

Der Nasenrücken an dieser Stelle, so weit er durch die Nasenbeine gebildet wird, zwischen den hintersten Gränzen der Zwischenkiefer, ist etwas schmaler als die schmalste Stelle darunter. Es ist aber die oben

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40 DER SCHÄDEL DES EUROP ÆISCHEN WILDSCHWEINS.

erwähnte Stelle des Oberkieferrandes nicht die breiteste; diese fällt durch den vordern Theil von mol. 3; hier ist der Kieferrand um ungefähr 15 Mm. breiter als bei präm. 1.

Der obere Theil des Schädels erfordert noch eine besondere Be- trachtung in Bezug auf die Breitenmasse. Die Leisten, welche vom hintern Augenhöhlenrand ausgehend sich über die Scheitelbeine hinweg nach hinten an den Oceipitalkamm anlegen, tragen dadurch wesentlich zur eigenthümlichen Physiognomie des Schweineschädels bei, dass sie die obere Stirn- und Scheitelgegend scharf begränzen und eine Fläche bilden, welche mit der vordern Stirn und Nase zusammen das lange schlanke Profil des Schädels bedingt. Diese Leisten nähern sich allmälig, bis sie nicht weit von dem Oceipitalkamm die schmalste Stelle jener Fläche bilden, wenden sich von an da wieder von einander ab und verlaufen in den Oceipitalkamm.

Das mehr oder weniger nahe Zusammentreten dieser Leisten, also die Breite der schmalsten Stelle jener Scheitelfläche, verändert die Phy- siognomie des Kopfes in der Ansicht von vorn und oben bedeutend, auf die Profilansicht hat es geringern Einfluss. Es ist nun die Form dieser Leisten sehr wechselnd, demnach auch die Breite der schmalsten Stelle der Scheitelfläche nieht constant und die Variationen sind unabhängig von Alter, Geschlecht, Grösse, auch nicht bedingt durch locale Variationen, wenigstens nicht innerhalb Deutschlands.

Aehnlich verhält es sich mit den Flügeln des Oceipitalkamms; es steht die Breite derselben nicht in einem ganz bestimmten Verhältniss zur Grösse des Schädels und ist ebensowenig durch Alter oder Geschlecht bedingt. Es liegen hier individuelle Verschiedenheiten vor, welche eine tiefere morphologische Bedeutung nicht haben, und es wird dies ver- ständlich, wenn man an dem Schädeldurchschnitt (Taf. V. Fig. 23) sieht, dass der Theil, um dessen Conturen es sich eben handelt, aus grossen Höhlungen besteht, wenn man sich erinnert, dass diese Höhlungen erst spät während des Wachsthums in einer anfangs schwammartigen Knochen- masse entstehen und dass diese ganze Partie überhaupt erst dem Schädel so zu sagen anwächst und bei dem jungen Thier ganz anders formirt ist.

Als Beleg für dieses Verhalten stelle ich eine Reihe von Messungen zusammen; es ist dieselbe nach der Grösse der Schädel geordnet. Unter Schädellänge ist hier die directe Länge zwischen Nasenspitze und Occipital-

kamm verstanden.

Pe De ο τν νου.

VERÆNDERLICHKEIT DER SCHEITELFLASCHE.

Breite der Grösste j

schmalsten | Breite der = | J

Wildschwein: Schädel- Stelle der | Flügel der - : ; 4

länge. Scheitel- | Occipital- 11%

fläche. schuppe. 1. 4

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RR ale ER E 407 35 78 | IE Reinhardswald b. d alt. . . . . . 390 Zr 67 Í

Reinhardswald a. sehr alt . . . . 384 15 69 114

Dessau S' mol. 3 eben in Usur tretend 383 40 19 | mie

ο ια ER μμ μυ κά Smo 29 72 | νην TEE Αλκή ος γκόλ, 362 85 60 4 Mark Brandenburg 2 alt a E 356 38 66 Ε Holstein jung, mol. 2 eben dan {

ου ο μα ος, 290 27 56

Die eben besprochenen Verhältnisse sind also nicht von Bedeutung für ΄ Unterscheidung von Arten und Rassen. Es scheint dies allgemein gültig für ähnliche Formen solcher Gattungen, welche dem Schwein am nächsten stehen, namentlich Babyrussa und Dicotyles.. Weil hiermit ein Anhalt gewonnen scheint, stelle ich einige Messungen an Schädeln meiner Samm-

lung zum Vergleich zusammen, die einer weitern Erläuterung nicht be- dürfen. Breite der ὋΣ schmalsten Grösste Schädel- Stelle des Breite der länge. Scheitel- Occipital- kammes. schuppe. Bahasa lt ee a 300 15 86 » ΤΉΝ a AA 292 16 77 » ο ae er δικα 260 5 67. Bicotyisa Jabiatus alt, ca et.” 260 δ. ‚35 . κ 200 6 41 » į EL - 260 3 37 5 „. mol. 3 eben in Usur mebend: ας 250 3 30 » EEn a er ποσα 248 6 43 y 3 rg 248 6 36

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DER SCHÄDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

Finden wir nun auch nicht ein bestimmtes Verhältniss zwischen der Breite der Oceipitalschuppe und der Länge des Kopfes, so ist es doch für spätere Vergleiche zweckmässig, wenigstens eine annähernd gültige Verhältnisszahl zu ermitteln. Die Tabelle ergiebt nun, dass bei den Schädeln alter Thiere das Verhältniss der grössten Schuppenbreite zur Kopflänge schwankt zwischen: = 1 : 4,8 und 1:6. Für den Durchschnitt aller Messungen erhalten wir die Zahl = 1 : 5,4, diese wird für Vergleiche brauchbar sein, wenn man im Gedächtniss behält, dass sie eine Durch- schnittszahl ist, deren Factoren unter sich nicht unbedeutend ver- schieden sind.

So wird es denn auch nur mit Vorbehalt und Vorsicht zu ge- brauchen sein, wenn wir das Verhältniss der Stirnbreite zur Schuppen- breite im Allgemeinen = 1,5 : 1, das der grössten Schädelbreite überhaupt zur Schuppenbreite = 2:1 angeben.

Betrachten wir ferner noch den Schädel von oben und zwar zuerst die Gesichtsfläche. Von der breitesten Stelle der Stirn, also dem hintern Rand der Augenhöhlen, verschmälert sich die Gesichtslinie allmälig bis zu der schmalsten Stelle, welche wir über der Mündung des Infraorbital- kanals fanden. Von der schmalsten Stelle an, von da, wo die hintern Aeste der Zwischenkiefer sich an die Nasenbeine anlegen, nach vorn zu, nimmt die Breite etwas, aber wenig, zu bis dahin, wo sich der grösste Durchmesser des Nasenaussehnittes befindet; dieser Punkt liegt über der hintern Kante des zweiten Schneidezahns; von da an rundet sich die Schnauze mit schlanken Seitenbogen.

Die Nasenbeine, isolirt betrachtet, sind an ihrer Basis, wo sie an die Stirn treten, nur sehr wenig breiter als in ihrer Mitte, wo sie an die Zwischenkiefer treten und von hier an nach vorn zu behalten sie dieselbe Breite bis zu dem Winkel, weleher durch die Seite der Nasenspitze und den absteigenden Rand der Intermaxillaren gebildet wird, oder sind hier ein wenig breiter. Von diesem Winkel verläuft die Nase in eine stumpfe Spitze. >

Die Länge der Nasenbeine verhält sich zur grössten Breite der- selben, welche zwischen dem Punkt liegt, wo Stirnbein, Nasenbein und Öberkiefer zusammentreffen, = 7:1 oder = 6:1. Eine genauere Zahl ist nicht anzugeben, da, abgesehen von unbedeutenden individuellen Varia- tionen, die hintere Gränze der Nasenbeine wegen der tiefgezähnten Nath nicht exact zu messen ist.

Die Spitze der Stirnbeine tritt nach vorn zwischen Oberkiefer- und Nasenbein; die hintere obere Spitze des Zwischenkiefers, welche zwischen

JOCHBOGEN. 43 Oberkiefer- und Nasenbein eingekeilt ist, tritt so weit nach hinten, dass zwischen dieser und der oben genannten vorgezogenen Spitze des Stirn- beins ein Raum von ungefähr 30 Mm. frei bleibt, innerhalb dessen Nasen- bein und Oberkiefer sich unmittelbar berühren. Bei allen männlichen und weiblichen Schädeln, welche ich verglichen habe, bleibt dies Ver- halten mit nur sehr geringen Schwankungen constant; es ist mir jedoch ein männlicher Kopf, vom Reinhardswald, vorgekommen, bei welchem

Stirn und Zwischenkiefer so nah an einander treten, dass nur auf 15 Mm.

Länge unmittelbare Berührung der Nasenbeine mit dem Oberkiefer stattfindet.

Wenden wir uns noch einmal zur breitesten Stelle des Schädels. ‚Die Jochbogen treten von da an, wo sie am weitesten von einander ab- stehen, allmälig einander näher in der Art, dass zwischen dem am wei- testen vorstehenden Theil und der Gegend unter dem vordern Augen- höhlenrand eine ziemlich ebene Fläche vorhanden ist. Denken wir diese Flächen beiderseits nach vorn verlängert, so durchschneiden sich deren Ebenen erst ausserhalb des Schädels, weit vor der Schnauzen- Spitze.

Ungefähr aus der Gegend des vordern Augenhöhlenrandes, nach vorn zu, treten die äussern Conturen der Jochbogen etwas mehr nach innen und verlaufen schlank bis zu den Infraorbitallöchern über die Leiste, welche auf den Kieferbeinen, von jenen Oeffnungen aus nach hinten, verläuft. Die Contur der Jochbogen, den Schädel von oben angesehen, verläuft also jederseits in einer flachen Curve, ohne Unterbrechung dieses Bogens in der Augengegend.

Sehen wir den Kopf von der Gaumenseite an, dann finden wir die eben genannte Leiste der Kieferbeine ohne scharfen Absatz vom Joch- bogen aus nach dem mittlern Backzahn verlaufen und einen sehr stumpfen Winkel mit dem Alveolarrand bilden: Zwischen dem Alveolarrand des letzten Backzahns und dem vordern Theil des Jochbeins verläuft eine ebene, nach unten, dem Jochbein zu, geneigte Fläche; der Alveolarrand geht ohne Absatz in diese Fläche über.

Fällen wir einen Perpendikel von der hervor agendsten Stelle des eigentlichen Jochbeins an dem Centrum der Augenröhlenränder vorbei, dann tangirt diese Linie das Jochbein ungefähr in der Mitte seiner Höhe.

Soweit die Augenhöhle durch das J ochbein gebildet wird, steht der obere Rand dieses letztern ziemlich senkrecht über dem untern Rand; es würden also Ebenen, welche man sich in dieser Gegend durch die Ränder

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44 DER SCHÄDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

des Jochbeins auf beiden Seiten des Schädels denkt, parallel verlaufen und sich über dem Schädel nicht schneiden.

Die Augenhöhle bietet noch zwei charakteristische Eigenthümlich- keiten in der Profilansicht. Es steht nämlich, wenn der Schädel auf der Grundfläche des Unterkiefers ruht, die nach vorn gekehrte Spitze des Jochbeinfortsatzes am Stirnbein, welcher den obern und hintern Augen- höhlenrand bildet, hinter der Spitze, welche das Jochbein da bildet, wo es in seinem obern Rand mit dem obern Rand des Jochbeinfortsatzes des Schläfenbeins zusammentritt.

Da wo der vordere und der untere Augenhöhlenrand zusammen-

‘treten, ist das Jochbein unter der Stelle, wo es sich im Rande mit dem

Thränenbein verbindet, ausgeschweift; der höchste Rand am untern Theil des Thränenbeins liegt nicht im Augenhöhlenrand, sondern tritt zurück in die Augenhöhle. Hierdurch wird in der äussern Contur der Augen- höhle ein Winkel im untern vordern Theil derselben gebildet, und die Contur erscheint nicht rund, sondern als unregelmässige Figur mit grader Basis und ziemlich grader vorderer Seite, von deren oberm Endpunkt ein flach gewölbter Bogen nach hinten tritt.

Es erscheint demnach so, als wenn der grösste Durchmesser der

Augenhöhle von unten und vorn nach oben und hinten liegt. Auf unserer

. Abbildung (Taf. I. Fig. 2) ist dies nicht ganz deutlich: der untere hintere

Rand des Thränenbeins sollte mehr im Schatten liegen.

Schliesslich ist noch zu erwähnen, dass der senkrechte Durchmesser der Augenhöhle höchstens ‘gleich ist der niedrigsten senkrechten Höhe des Jochbeins und demnach kleiner als die grösste Höhe desselben; es ist jedoch die Höhe des Jochbeins nicht constant, im Gegentheil individuell bedeutend verschieden. |

Obgleich ich das Gebiss in einem besondern Abschnitt behandele, muss ich doch schon hier auf zwei Punkte aufmerksam machen, welche in näherer Beziehung zu den uns hier beschäftigenden Betrachtungen stehen. | |

Bei dem männlichen Wildschwein sind bekanntlich die Eckzähne sehr stark entwickelt, und es sind die Veränderungen, welche in ihren Umgebungen mit der starken Entwicklung derselben vorgehen, von Ein- fluss auf die Schädelform.

Die Alveolarränder des Oberkiefers treten weit nach aussen aus der Zahnreihe hervor, über denselben erhebt sich ein scharfer Kamm, welcher

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KAMM DER ECKZAHNALVEOLE. 45 von der vordern Gränze des Kieferknochens nach hinten und etwas nach oben verläuft und sich plötzlich scharf absetzend ungefähr bei dem 3. Prämolarzahn wieder verliert. Ueber der Länge dieses Kammes ver-

läuft in gleicher Richtung mit ihm eine Rinne, welche von vorn nach hinten tiefer wird. Zwischen den am weitesten hervorragenden Punkten ΠΤ dieses Kammes entsteht demnach eine Verbreiterung des vordern Schädel- H theils, welche so bedeutend ist, dass sich deren Durchmesser zum schmalsten 1 Durchmesser verhält = 2,5 : 1. |

Noch etwas breiter wird der Schädel in dieser Gegend durch die noch weiter hervortretenden obern Alveolarränder des Eckzahns. ή | 4

Die Dimensionen dieser Auftreibung der Alveolen des obern Eck-

zahns sind den mannichfachsten Schwankungen unterworfen, nehmen

selbstverständlich mit der Entwicklung der Zähne an Ausdehnung zu; sie scheinen aber auch fortwährend Veränderungen unterworfen zu sein. Be- kanntlich wachsen die Eckzähne immer fort, auch noch im Alter, wenn das Gebiss längst ausgebildet ist, und so ist es erklärlich, dass wenig Constanz in der Form der Alveolen vorhanden ist.

Bei dem weiblichen Thier sind die Eckzähne sehr viel schwächer,

demnach auch die Alveolen weniger erweitert; ein Kamm über denselben ist mir nie vorgekommen, dagegen bildet sich bei alten Thieren ein

schwacher Kamm, welcher von dem hintern und äussern Rand der Alveole aus nach hinten verläuft und bei präm. 3 endet. Dieser kleine τι; Kamm ist aber nicht mit seinem Rand der Art nach oben gerichtet, dass i

eine vertiefte Rinne hinter demselben entsteht.

Eine Eigenthümlichkeit ist besonders hervorzuheben, welche allein

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genügt, das erwachsene Wildschwein von allen Hausschweinen zu unter- scheiden. :

Die hintere Kante der letzten Backzähne steht nämlich jederzeit vor dem vordern Augenhöhlenrand. Es ist dies eine der $i I | Gestaltungen, durch welche die eigenthümliche, schlanke und gestreckte, Kopfform des Wildschweins bedingt ist. | ‘4

Schliesslich müssen die Knopfstücke am Hinterhauptsbein erwähnt

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werden. Die mit der Knorpelscheibe überzogenen Gelenkköpfe sind in 3 E allen Theilen convex; die obern und untern Seiten derselben gehen

mit einer Rundung und ohne deutlichen Absatz oder Grat in einander

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| | DER SCHÆDEL DES EUROPAISCHEN WILDSCHWEINS. 1 i . Der geöffnete Schädel.

iu Nachdem der Schädel des europäischen Wildschweins in seiner Gestaltung so weit betrachtet ist, als es für den vorliegenden Zweck, die Vergleichung verschiedener Rassen, nöthig schien, bleibt übrig die Be-

trachtung auf die innern Theile auszudehnen. ; E. Ein weiblicher Schädel, in seiner Längenachse PE T so dass der Schnitt denselben in zwei gleiche Theile theilt (Taf. V. Fig. 23),

diene zur Anschauung.

Es fällt sogleich auf, dass die äussere οδόν der Theile, welche das Gehirn nach oben umgeben, sehr abweichend von der Contur der Gehirn- wölbung ist.

Dicht über dem obern Rand des Foramen magnum ist der Schuppen- theil des Hinterhaupts im Querschnitt schon 10 bis 15 Mm. dick; der Raum zwischen der innern und äussern Knochenplatte wird durch eine schwammartige Knochensubstanz ausgefüllt. Diese poröse Knochenmasse reicht ungefähr so weit hinauf bis zu der Gegend, in welcher sich der untere hintere Rand des Scheitelbeins an das Schläfenbein anlegt.

Von da an weiter nach oben entfernt sich die äussere Platte des Knochens immer mehr von der innern; zwischen beiden sind grosse Höhlen entstanden, diese erstrecken sich über den ganzen obern Theil des Hirngewölbes, indem sie sich zwischen den Platten des obern Theils der Stirnbeine fortziehen und im untern Theil derselben in die eigent- lichen, auch am Schädel des Menschen vorhandenen, Stirnhöhlen fort- setzen.

Das ganze Hirngewölbe ist nach allen Seiten von diesen Höhlen

umgeben, mit alleiniger Ausnahme der Stellen, welche der obere Theil des Schläfenbeins und der Orbitaltheil des Stirnbeins bedeckt; diese beiden Knochentheile sind einfach, ohne Höhlen. Es knüpfen sich an die nähere Betrachtung dieser Lufthöhlen des Schädels in mehrfacher Beziehung wichtige Rücksichten; wir wollen die- selben später im Zusammenhang betrachten und gehen jetzt zu der Ge- hirnhöhle über.

Eine Linie (ab der Fig. 25) auf die innere Fläche des Basilartheils des Hinterhaupts gelegt, nach vorn verlängert gedacht, fällt ziemlich

genau auf oder etwas unter die glatte scharfe Kante der Crista galli; sie durchschneidet den Hahnenkammfortsatz des Keilbeins und lässt die Seh- nervenlöcher unberührt über sich liegen. Diese Linie, für vorliegenden Zweck als Basis der Gehirnhöhle gedacht, giebt einen bequemen Anhalt

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GEHIRNBASIS. GEBISS. 47

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für die Vergleichung der Lage der Schädeltheile zum Gehirn. In der Zeichnung (Fig. 25) ist der Hahnenkamm nicht vollständig sichtbar, weil er durch den Schnitt verletzt ist. Ε Eine Linie senkrecht von dem Winkel gezogen, welcher durch die } πι obere Seite des Schädels, die Scheitelbeine, und die hintere Seite, die | | Schuppe des Hinterhaupts, gebildet wird, trifft hinter die Mitte der d Linie, welche wir der Kürze wegen als Gehirnbasis bezeichnen, ungefähr | auf die Lehne des Türkensattels.. In der Richtung dieser senkrechten F Linie ist der Raum zwischen Gehirncontur und äusserer Schädelcontur - am grössten; während z. B. die Höhe des Gehirns in dieser Richtung 60 Mm. beträgt, ist der Knochen darüber 45 Mm. dick. Denken wir uns die Gehirnbasis nach hinten verlängert und ebenso

| die Horizontale der Kaufläche der Backzähne, welche wir früher parallel

der Linie fanden, auf welcher der vollständige Kopf ruht; diese beiden

Linien treffen nach hinten zusammen, ihr Winkelpunkt fällt beinah

unter den nach hinten am weitesten hervorragenden Rand der Flügel des Oceipitalkamms. |

Verlängern wir die Gehirnbasis nach vorn, dann durchschneidet die

Ebene derselben die Ebene der Oberfläche des Schädels, nämlich des

i Stirn- und Nasentheils, dicht über der Verbindung zwischen den Stirn-

| und Nasenbeinen, berührt letztere nicht; in weiterer Verlängerung

entfernt sich die Fortsetzung der Linie der Gehirnbasis immer weiter von der Nasenspitze. Die Basallinie bildet mit der Richtung der Stirn einen Winkel von nicht voll 50° und demnach mit der Richtung der Nase einen Winkel von mehr als 130°.

Gebiss des Wildschweins.

Wir betrachten das Gebiss hier nur in seinen Formen insofern dieselben Kennzeichen zur Unterscheidung verschiedener Arten oder Rassen darbieten, und ganz besonders mit Berücksichtigung der indivi- duellen Abänderungen. Der Zweck vorliegender Arbeit verbietet auf die allgemeinern und systematischen Beziehungen einzugehen. Es handelt sich hier auch nur um das fertige Gebiss; das Milchgebiss und der Zahn- ἘΠῚ wechsel sind bereits besprochen. Betrachten wir zuerst die Zähne einzeln. |

Der erste und zweite Backzahn des Oberkiefers sind wesentlich ganz H | | gleich gebaut, der erste aber bedeutend kleiner als der zweite. Die Krone beider besteht aus zwei Hügelpaaren; von jedem Hügelpaar ist je das

48 DER SCHÄDEL DES EUROPÆISCHEN WILDSCHWEINS.

äussere weiter nach vorn gestellt als das innere, so dass also jedes Quer- Joch oder jedes Hügelpaar einen Winkel mit der Mittellinie des Gaumens bildet. Diesen Winkel finde ich nach Vergleichung vieler Schädel sehr constant: zieht man eine Linie quer über das Joch durch die Spitzen der Hügel, oder, wenn diese abgenutzt sind, durch deren Mittelpunkte bis auf die Gaumennath, dann ergeben sich 105° für den Winkel, der nach dem Hinterhaupt zu offen ist, demnach 75° für den nach der Schnauzenspitze geöffneten Winkel. Auch ohne Hülfslinien zu ziehen ist dies sehr einfach

‚mit einem gewöhnlichen Goniometer zu messen, wie solcher- in den

mineralogischen Bestecken enthalten zu sein pflegt.

Bei mol. 1 steht zwischen den Hügelpaaren, also in der Mitte der vier Hügel, ein Höcker welcher zu dem innern Hügel des hintern Joches gehört, wie man sich überzeugt wenn man den Zahn in Usur beobachtet. Die Schmelzüberzüge der vier Hügel und des accessorischen Mittelhöckers sind in Falten gelegt und bilden demnach Buchten und Kerben.

Vor und hinter jedem Hügelpaar ist der Basalrand der Zahnkrone ebenfalls gezähnt; der hintere Theil erhebt sich zu einem in der Jugend des Zahnes deutlichen Höcker, welcher dem Mittelhöcker wenig an Grösse nachsteht. Der Rand der Krone zwischen den Jochen ist nach innen mit einem Höcker versehen, von dem sich zuweilen noch ein anderer kleinerer absondert.

Der erste Backzahn wird sehr früh abgenutzt; es sind nicht selten schon alle Hügel und Höcker verschwunden, wenn der hintere Theil von mol. 3 noch kaum in Usur getreten ist.

Mol. 2 ist ganz gebaut wie mol. 1, aber grösser und die accessorischen Höcker, namentlich die am Innenrande zwischen beiden Jochen, sind mehr entwickelt und stärker gekerbt. An der Aussenseite ist stets ein kleiner Höcker zwischen den Jochen vorhanden, welcher entweder unge- theilt, zuweilen aber auch noch in zwei kleine Spitzen getheilt ist, indivi- duelle Verschiedenheiten der Art finden sich oft.

An beiden Zähnen, mol. 1 und 2, sind die hintern Joche etwas schmaler als die vordern; bei mol. 2 fällt dies, wohl nur seiner Grösse wegen, etwas mehr in die Augen.

Ein ganz anderes Ansehn hat mol. 3. Der vordere Theil desselben ist den beiden ersten Backzähnen in allen Punkten ähnlich, nur bedeutend robuster und von vorn nach hinten schneller in der Breite abnehmend. Der vordere Basalrand ist verhältnissmässig stärker und dessen Höcker und Warzen mehr entwickelt, dasselbe gilt von dem Mittelhöcker. Die abweichende Bildung tritt hinter dem zweiten Querjoch auf; statt des

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GEBISS. MOLAREN. 49 schmalen höckrigen Hinterrandes der zwei vordern Backzähne erweitert sich der hintere Theil so bedeutend, dass gleichsam ein neues Drittel der ganzen Zahnlänge hinzukommt. Dieser hintere Theil besteht aus mehreren, gewöhnlich drei, Höckern, welche an Grösse nur wenig den Hügeln der

Querjoche nachstehen; zwischen diesen Höckern stehen mehrere etwas nie kleinere Höcker und Warzen. Zahl und Stellung dieser Höcker d und Warzen des hintern Theils des Zahns sind nicht constant 1 und bei gleich alten Thieren aus einem und demselben Jagdrevier be- deutend abweichend. Durchgreifender Unterschied nach den Geschlechtern ist nur insofern vorhanden, als beim männlichen Thier der Zahn stets Ϊ etwas länger ist; die grössere Länge liegt hauptsächlich in der stärkern | H ι Entwieklung des Talons, der deshalb auch oft etwas complieirter ist als ;

bei dem weiblichen Thier. Jeder einzelne sowohl der männlichen wie weiblichen Köpfe, welche ich untersucht habe, würde einer besondern Beschreibung bedürfen, wenn man auf die Differenzen eingehen wollte.

Es findet aber auch nur sehr selten vollkommene Symmetrie in dieser Partie des Zahns statt, wenn man den der rechten mit dem der linken Seite vergleicht, im Gegentheil ist eine etwas abweichende Ge- staltung des rechten und linken Zahns als Regel anzunehmen. Hieraus ergiebt sich von selbst, dass diese kleinen Verschiedenheiten von keiner Bedeutung für systematische Zwecke sind. |

Die Backzähne des Unterkiefers sind in ihren Kronen denen des

Öberkiefers so ähnlich, dass es einer besondern Beschreibung nicht bedarf; es ist nur daran zu erinnern, dass die Antagonisten dann sich vollkommen gleich darstellen, wenn man sie so neben einander hält, dass von beiden die Wurzeln nach unten gekehrt sind; in der Lage zu einander ist die äussere Seite der untern Zähne gleich der innern der obern.

Der hintere Theil des dritten Zahns ist eben so variabel in der Grösse und Riehtung der Höcker und Warzen wie bei dem obern und es scheint fast, dass Asymmetrie der beiden Kieferseiten hier noch gewöhn- licher ist. Nicht selten sind zwei der Höcker des hintern Theils so ab- gesondert und so gerichtet, dass sie ein drittes Hügelpaar darstellen, aber auch wenn ein solches deutlich ist spricht sich die Unregelmässigkeit gewöhnlich darin aus, dass dieses Hügelpaar in seiner Querachse nicht ebenso gerichtet ist wie die beiden normalen vordern Hügelpaare. πλ

Im Allgemeinen sind die Baekzähne des Unterkiefers etwas schmaler N: 4

als die obern, und der dritte verhältnissmässig bedeutend länger.

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DER SCHÄDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

Die vordern Backzähne, Prämolaren, sind wesentlich anders gebaut als die hintern sogenannten ächten ‚Backzähne. Der erste, also der, welcher bei’ dem vollständigen Gebiss von sieben Backzähnen von vorn und von hinten gezählt der vierte ist, stellt drei Höcker dar, von denen zwei nach aussen stehen, der dritte nach innen; diese Höcker selbst sind in ihren Rändern, besonders nach der Mitte des Zahns zu, etwas ge- kerbt und im vordern innern Winkel stehen immer mindestens zwei Warzen. Eine tiefe Furche trennt den innern Höcker von den beiden äussern; diese Furche bleibt selbst bei sehr alten Zähnen sichtbar.

Präm. 2 stellt schon deutlicher die Form des Fleischzahnes dar; er besteht hauptsächlich aus einer nach aussen gestellten Pyramide, nach innen schliessen sich nach hinten stärker, nach vorn schwächer abee- setzte Warzen und Höcker an, welche den innern Basilarrand bilden; unter der Mitte der pyramidalen Schneide, nach innen, tritt der Rand der Krone zurück und ist dort glatt und ohne Warze. Dieser Zahn ist hinten breiter als vorn. Bei starker Abnutzung erscheint die Kaufläche als Pyramide deren Basis nach vorn liegt, deren äussere Seite convex ünd deren innere concav ist, dass die Spitze nach dem Gaumen zu geneigt ist; es ist dies die Form der sogenannten phrygischen Mütze; neben dieser Spitze der Pyramide sind in diesem Züstande dann noch die Schliffe eines oder mehrerer Höcker sichtbar. |

Bei diesem Zahn tritt schon ein grösseres Schwanken der Form auf als bei den dahinter liegenden Zähnen und es ist auch Asymmetrie der Zähne beider Seiten nicht selten. Ich habe z. B. einigemal gesehen, dass die Höckergruppe der obern innern Seite sich in der einen Zahnreihe in 6 bis 8 kleine, fast gleich grosse Warzen aufgelöst hatte, während in der der andern Zahnreihe ein deutlich grösserer Höcker von einigen kleinern umgeben war. |

Präm. 3 ist präm. 2 wesentlich ähnlich, aber die pyramidale Sehneide ist bei ihm noch mehr vorherrschend und die auf dem Kronenrand der’ innern Seite sitzenden Höcker und Warzen verlieren noch mehr an Be- deutung.

Auch dieser Zahn varıırt mannichfach, er ist namentlich auch, ab- gesehen von den kleinern Differenzen der Architektur‘, nicht selten auf der einen Seite grösser als auf der andern. An dem (Taf. I. Fig. 2) ab- gebildeten Schädel ist präm. 3 der rechten Seite 21 Mm., der der linken 12 Μπι. lang; dies ist jedoch eine Monstrosität, welche ausserhalb der Gränzen gewöhnlicher Schwankungen liegt.

GEBISS. PR/EMOLAREN. 51

Präm. 4, bedeutend 'kleiner als der vorige, besteht aus einer ein- fachen Schneide mit schwacher Andeutung dreier Spitzen. Ich habe früher schon des merkwürdigen Umstandes erwähnt, dass dieser Zahn nicht gewechselt wird.

Die Schneiden der drei vordern Prämolaren sind bei jungen Zähnen crenelirt, d. h. der Schmelzüberzug ist in Fältchen gelegt.

Alle Backzähne von präm. 3 bis mol. 3 stehen in einer engge- schlossenen Reihe; präm. 4 steht oft nicht ganz dicht gedrängt an präm. 3, aber eine deutliche Lücke zwischen beiden ist mir nicht vorgekommen. Präm. 4 steht zuweilen dicht an dem Eckzahn, zuweilen ist eine be- deutende Lücke zwischen beiden; im Allgemeinen ist diese Lücke grösser bei der Sau als bei dem Eber, doch ist dies keineswegs constant; ich habe männliche Schädel vor mir, an denen diese Lücke absolut und be- deutend grösser ist als an irgend einem weiblichen.

Die Prämolaren des Unterkiefers sind einfacher als die obern, be-

stehen wesentlich aus einer zusammengedrückten Schneide mit nicht auf-

fallenden Nebengebilden, die Schneide ist bei jungen Thieren’ gekerbt; die Zähne nehmen von hinten nach vorn an Grösse ab, besonders an Breite.

Präm. 4 ist immer bedeutend kleiner als präm. 3 und zwischen beiden ist ausnahmslos eine grosse Lücke deren Länge jedoch variirt.

Nicht selten fehlt präm. 4 auf einer der beiden Seiten spurlos; ein Fehlen auf beiden Seiten habe ich nicht gesehen.

Verhältnissmässig oft ist präm. 4, nicht ganz so oft präm. 3, der Art in seiner Richtung alterirt, dass seine Längenachse nicht in der Richtung der Zahnreihe steht, sondern mehr oder weniger im Winkel, zuweilen sogar rechtwinklig, zur Gaumenmitte gerichtet ist.

Präm. 4 des Oberkiefers steht, wie oben gesagt, nicht immer in

festem Schluss mit präm. 3, wenn auch eine eigentliche Lücke nicht zwischen beiden vorhanden ist; im Unterkiefer ist ausnahmslos eine Lücke vorhanden, deren Länge bedeutend varirt. Aus diesem Grund und überdem wegen der oft auftretenden Verdrehung und des zuweilen vorkommenden Mangels eines der vordern Prämolaren, kann präm. 4 nicht füglich in Rechnung gezogen werden, wenn man die Länge der Molar- und Prämolarreihen mit einander vergleichen will. Es verhält sich nun im Oberkiefer die Länge der 3 Prämolaren zusammen zu der Länge der 3 Molaren constant und fast genau=1:2 bei dem Eber; bei der Sau = 1 : 1,89; bringt man die geschlechtliche Differenz der Länge von mol. 3 in Anschlag‘, dann gleicht sich dieser Unterschied aus und man findet, dass die 3 Prämolaren zusammen fast genau die Hälfte der 4*

52 DER SCHÄDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

Länge der Molaren einnehmen. Im Unterkiefer findet sich fast ganz genau dasselbe Verhältniss.

Es ist bereits (Seite 37, wo die Dimensionen des knöchernen Gaumens erörtert wurden), hervorgehoben, dass die beiden Zahnreihen des Oberkiefers annähernd parallel stehen; mit Beziehung darauf ist hier noch nachzutragen, dass jene parallele Stellung der Zahnreihen nicht allein in der Distanz der Alveolen von einander begründet ist, sondern auch wesentlich in der senkrechten Stellung der Zähne; auch ist noch zu bemerken, obgleich es sich von selbst versteht, dass die Zahnreihen des Unterkiefers derselben Richtung folgen.

Ein Verhalten des Gebisses ist besonders hervorzuheben weil es eines der wichtigsten Kennzeichen zur Unterscheidung des Wildschweins und seiner Nachkommen von andern Formen ist. Es ist dies eine ge- wisse Continuität welche das Gebiss im Uebergang von Molaren zu Prämolaren des Oberkiefers zeigt. Präm. 1 ist fast nicht oder nur so wenig schmaler als mol. 1, und beide Zähne stehen der Art in gleicher Richtung, dass eine deutliche Differenz in dem Gebiss zwischen Molaren und Prämolaren in dieser Beziehung durch die Gränze zwischen den beiden genannten Zähnen nicht deutlich hervortritt. Bei alten Gebissen, an denen mol. 1 stark abgenutzt ist, erscheint sogar prämol. 1 oft stärker und bedeutender als jener, trotzdem er allerdings constant kürzer ist.

Die Eekzähne im Oberkiefer sind bei dem männlichen und weib- lichen Thier von so verschiedener Form, dass eine allgemeine Beschrei- bung derselben nicht von Nutzen ist, und da für die geschlechtlichen Verschiedenheiten des Gebisses ein besonderer Abschnitt bestimmt ist, gehen wir hier nicht nochmals darauf ein.

Von den Ecekzähnen des Unterkiefers gilt dasselbe, wenn auch in etwas geringerem Grade.

Von den Schneidezähnen des Oberkiefers ist der dritte, hintere, der kleinste; er steht immer isolirt, so dass er hinter sich eine grosse, vor sich eine kleinere Lücke hat; er steht mit seiner Schneide nicht in der Richtung der Zahnreihe; die hintere Ecke weicht nach aussen, die vordere nach innen von der geraden Linie der Backzahnreihe ab. Die Krone des Zahns besteht aus einer seitlich zusammengedrückten Pyramide; im hin- tern Theil ist ein Absatz deutlich, im vordern ein solcher nur schwach angedeutet, der Zahn ist demnach in seiner Anlage eigentlich dreispitzig. Diese Spitzen verschwinden sehr früh und es entsteht alsdann eine Kau- fläche in Form eines langen Ovals mit einer geringen Einschnürung der Contur im hintern Drittel. Die Abnutzung erfolgt in beinah horizontaler

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GEBISS. OBERE SCHNEIDEZZHNE.

53

Richtung, ziemlich senkrecht auf die Höhenachse des Zahns, doch liegt

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die Ebene der Kaufläche vorn ein wenig tiefer als hinten, den Kopf in der Lage auf dem Unterkiefer gedacht. In der Jugend ist die Schneide ;

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leicht crenelirt.

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Dieser Zahn variirt ziemlich beträchtlich in Bezug auf seine Stärke; bei sonst gleich grossen Thieren schwankt die grösste Länge desselben, Lin der Richtung von vorn nach hinten, zwischen 7 und 10 Mm.; es ist auch nicht selten, dass der Zahn der einen Seite etwas stärker ist als der der andern, auch ein gänzliches Fehlen auf einer oder auf beiden Seiten kommt vor. Es ist besonders hervorzuheben, dass in diesem Fall der Zwischenkiefer nicht kürzer ist als bei Thieren, welche diese Zähne haben.

Der ‘zweite mittlere Zahn hat eine hahnenkammartige Krone; auch die Wurzel ist schief nach vorn und unten gerichtet, der vordere Theil der Krone liegt weit vor der Wurzel und erstreckt sich demnach viel weiter nach vorn als der betreffende Alveolarrand. Die Schneiden der sich gegenüber stehenden Zähne sind nicht parallel gerichtet, der hintere Theil tritt nach aussen weiter, der vordere nach innen näher zu einander. Die Abnutzungsfläche liegt annähernd horizontal, demnach im Winkel mit der Wurzel des Zahns.

Bevor Abnutzung eintritt, ist die Schneide deutlich gezähnt, es

treten 5—6 Höcker klar heraus, dazwischen mehrere kleinere Warzen.

Der erste vordere Schneidezahn ist hakenförmig gebogen und zwar in zweifacher Richtung: von oben und hinten nach vorn und unten, dann von oben und aussen nach unten und innen demnach berühren sich beide zusammengehörende Zähne mit den Spitzen und stehen beim Aus- tritt aus den Alveolen weit von einander. | $

Die Ebene der Kaufläche liegt nach hinten mehr oder weniger im Winkel mit der Kaufläche des zweiten Schneidezahns und der gemein- samen Ebene der Kauflächen der Backzähne.

Vor der Abnutzung ist der vordere Zahnrand von dem hintern durch f

eine tiefe Furche getrennt und die beiden, auf diese Art gesonderten, Η Ränder sind erenelirt und gefaltet.

Die Richtung der Ebene, in welcher die Kaufläche liegt, variirt individuell sehr bedeutend; diese Ebene steht zuweilen senkrecht zur 2 Grundlinie des Kopfes oder in einem mehr oder weniger offenen Winkel. Es hängt dies nicht allein von der durch das Alter bedingten geringern { oder stärkern Abnutzung ab, sondern es wird bedingt durch die Richtung

54 DER SCHÄDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

und Länge der vordern Schneidezähne des Unterkiefers, welche wieder durch Länge der Kinnsymphyse und Richtung derselben bedingt wird.

Nachdem wir die Zähne des Unterkiefers betrachtet haben, wird nochmals hierauf zurückzukommen sein. |

Alle Sehneidezähne des Unterkiefers sind nach vorn gerichtet, so dass sie der Richtung der Kinnsymphyse mit ihrem untern Rand an- nähernd genau folgen und in einer Ebene mit dieser liegen. Es ist sehr bezeichnend, wenn man diese Zähne in ihrer Gesammtheit mit einer

Schaufel verglichen hat.

Der dritte hintere Schneidezahn ist seitlich comprimirt und dem Antagonisten des Oberkiefers noch ziemlich ähnlich, wenn auch ab- weichend durch mehr vorgezogene Spitze und schrägere Richtung nach vorn. Der zweite und erste Zahn sind einander wesentlich sehr ähnlich und weichen bedeutend ab von der Gestalt derselben Zähne im Ober- kiefer. Die innere obere Seite ist tief und mehrfach gefurcht, die Furchen laufen von hinten nach vorn. in der Längenachse des Zahns.

Es ist nöthig, die Stellung dieser Zähne zu ihren Antagonisten im Oberkiefer zu betrachten, um über deren Abnutzung und ihre mannichfach varıirende Länge eine klare Ansicht zu gewinnen.

Gewöhnlich stehen bei geschlossenem Mund die ersten Schneidezähne des Oberkiefers mit ihrem vordern Rand und auch mit dem untern vor- dern Theil der Kaufläche vor dem vordern Rand derselben Zähne des Unterkiefers, und auch vor den mittlern Zähnen, welche alle vier nach vorn eine gemeinschaftliche Schneide bilden, diese letzte wird überragt von den obern Zähnen. In diesem Fall entsteht durch die Bewegung der Kiefer gegen einander -die Kaufläche der Oberzähne in der Art, dass dieselbe annähernd senkrecht zur Grundfläche steht; gleichzeitig und durch dieselbe Action werden die Spitzen der vier vordern Schneidezähne des Unterkiefers abgestumpft.

Abweichend von dieser gewöhnlichen Stellung kommt es aber vor, dass die ersten hakenförmigen Schneidezähne des Oberkiefers nicht die untern überragen, in diesem Fall stehen also die vordersten Spitzen der Zähne übereinander. Bei dieser Stellung nun erhält die Usurfläche der Oberzähne eine andere Richtung, diese nähert sich mehr der Hori- zontale; sie bekommt ausserdem noch eine schräge Richtung der Art, dass die äussern Seiten derselben höher stehen als die innern (den Kopf in seiner Lage auf der Grundfläche gedacht). Es ist klar, dass durch diese Art der Action die vordere Spitze der Unterzähne weniger abgenutzt

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GEBISS. SCHMELZURBERZUG. | η

wird, deshalb schärfer bleibt, dass dagegen die Unterzähne mehr auf ihrer

obern langen Seite abgenutzt werden. ΐ NEE | N Der mittlere obere Schneidezahn wirkt immer, gleichviel welche der

oben erwähnten verschiedenen Stellungen die vordern Zähne zu einander

haben, auf die obere lange Seite des mittlern untern Schneidezahns und

nutzt diese ab.

Bei allen alten Köpfen findet sich aber auch eine starke Abnutzung der langen obern Seite des ersten untern Schneidezahns; es ist mir nicht ganz klar geworden, ob diese Usur durch den mittlern obern Zahn bei seitlicher Bewegung der Kiefer hervorgebracht wird: eine solche seitliche Bewegung der Kiefer beobachtet man oft an dem lebenden Thier, doch kann ich mir dadurch die starke Einwirkung auf die vordern Zähne nicht erklären, da es schwer wird, an dem Skelett oder dem frischen Thier im Fleisch eine Stellung hervorzubringen, welche jener Wirkung entspräche. Es ist mir wahrscheinlich, dass ein Theil der hier besprochenen Ab- nutzung der vordern Zähne dadurch entsteht, dass das Thier dieselben als Schaufel benützt und in der Erde gräbt. |

Nach dem mir vorliegenden Material scheint es, als wenn die ver- schiedene Stellung der vordern Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer einigermassen von dem Geschlecht des Individuums abhängt; ich habe das Hervorragen des obern Zahns über den untern häufiger bei Ebern

gefunden, bei Sauen häufiger: die Stellung, in welcher die vordern Zähne oben und unten sich mit ihren Spitzen decken. Fernere Vergleichungen müssen‘ ergeben, ob dies im grösseren Durchschnitt der Fall ist und ob man demnach berechtigt ist, den Unterschied als einen sexuellen zu be-

trachten.

Was den Schmelzüberzug der Zähne betrifft, so finde ich die Stärke desselben nieht constant. Es ist schwierig, sich in allen Fällen ein klares Bild davon zu machen und noch schwieriger, einen präeisen Ausdruck durch Mass oder Vergleich zu finden; das Bild ändert sich an Jedem Zahn mit seiner Abnutzung, weil der Schmelzüberzug nicht überall gleich dick ist. Wenn man gleich alte und gleich stark abgenutzte Zähne- verschiedener Köpfe vergleicht, ergiebt sich eine auffallende Verschieden- heit. Wir werden im Verlauf dieser Mittheilungen sehen, dass grosse Differenz in der Dicke des Schmelzes durch die mehr oder weniger 3 3 günstige Ernährung erfolgt. Demnach kann ich die Dicke des Schmelz-

56 DER SCHÆDEL DES EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

überzugs im Allgemeinen nicht für brauchbar zur diagnostischen Cha- rakteristik halten, obgleich Unterschiede innerhalb gewisser Gränzen charakteristisch sein mögen.

Geschlechtliche Unterschiede im Gebiss und den dazu gehörigen Theilen beim Wildschwein.

Die geschlechtlichen Eigenthümlichkeiten am Gebiss des Wildschweins sind von Rütimeyer (Fauna der Pfahlbauten 46 ff.) in Bezug. auf die Eckzähne sehr genau und gut beschrieben; meine Beobachtungen haben keinen Zusatz ergeben und ich wiederhole deshalb nicht das was in jener gründlichen Schrift darüber gesagt ist, da dieselbe jedem zur Hand sein muss, der sich mit dem Gegenstand beschäftigt.

Mol. 3 ist sowohl oben als unten in der Regel bei dem Eber etwas länger als bei der Sau. Die grössere Länge entsteht dadurch, dass der Talon entweder aus einer grössern Zahl oder aus verstärkten Höckern besteht. | |

In Bezug auf eine von Rütimeyer angegebene Eigenthümlichkeit der Molaren kann ich nicht zustimmen. Die Basalwarzen an der Aussen- fläche der Molaren, in der Mitte zwischen den beiden Zahnhälften, und ganz besonders an mol. 2 sollen constant beim männlichen Thier stärker ausgebildet sein als beim weiblichen, wo sie nur klein sein oder oft fehlen sollen. Nach Vergleichung einer grössern Zahl von Gebissen finde ich dieses nicht bestätigt: die Grösse dieser Basalwarzen ist beim Männchen nicht constant und ich habe zwei weibliche Schädel vor mir, an denen die äussern Basalwarzen von mol. 2 doppelt so stark sind als die stärksten an allen verglichenen männlichen Schädeln; ich habe auch in den Pfahl- bauten von Robenhausen einen weiblichen Kiefer selbst gefunden, an welchem mol. 2 eine so starke äussere Basalwarze trägt, wie ich an keinem männlichen Zahn je gesehen. Ich bin überzeugt, dass ein sexueller Unterschied dieser Art nicht besteht oder nicht so constant ist, dass er zu verwerthen wäre.

Der Talon von mol. 3 ist allerdings bei den von mir untersuchten Schädeln im Allgemeinen etwas stärker und etwas complieirter beim männlichen Geschlecht; doch möchte ich auch in Bezug auf dieses Merkmal für paläontologische und andere Zwecke zu grosser Vorsicht rathen, denn ich habe einige sonst sehr kräfiige männliche Gebisse gesehen, an denen

MeT nn 1 EEE nn ne

GEBISS. GESCHLECHTLICHE UNTERSCHIEDE. 57

der Unterschied gegen weibliche in Bezug auf den Talon von mol. 3 nicht πε oder kaum hervortritt. | ψΗ | E Ferner finde ich auch nicht grössere Dicke und breitere: Usurfläche E der Molaren und Prämolaren bei dem Männchen constant; ich finde so- gar an einem kleinen, aber alten, weiblichen Schädel alle Molaren abso- lut breiter als an vielen grössern männlichen Schädeln. Ich möchte da- her auch diesen sexuellen Unterschied noch nicht als definitiv brauchbar betrachten, bis zahlreichere Beobachtungen ihn etwa bestätigen. Die grössere Höhe und Länge der Rüsselgegend beim männlichen Thier, welche Rütimeyer annimmt, finde ich zwar im Allgemeinen be- stätigt, jedoch so schwankend, dass auch hierbei die grösste Vorsicht Bi | = höthig ist, wenn man das Verhalten als ein normales betrachten will. k Wie die Tabelle (Seite 60) zeigt, kommen an männlichen Schädeln,

welche grösser sind als die weiblichen, trotzdem absolut gleiche oder so- | 8 gar kleinere Masse für die verticale Höhe sowohl des Ober- als auch des | |

Zwischenkiefers vor. Ganz dasselbe gilt auch von der Länge des Zwi-

schenkiefers. Die bedeutend grössere Ausdehnung, welche die Eekzahn- BEE $ Alveole beim männlichen Thier einnimmt, wird nicht selten durch Ver- l i |

kürzung der Lücken, welche zwischen präm.4 und inc. 9 liegen, ausge- glichen; auch stehen die Schneidezähne ohne geschlechtliche Bedingung f 4

[4 mehr oder weniger gedrängt.

Redueirt man aber die gefundenen Masse verschiedener Thiere auf gleiche Schädelgrössen, dann verschwinden die Unterschiede oft beinah ganz. Zum Nachweis dieser Behauptung diene folgende Tabelle:

Masc. Fem. Fem. Fem. Länge der Zahnreihe von mol. 3 bis. | eV U en en. ο E Lücke zwischen präm. 4 und Canin- | ee PRERA TI πες με ο. 2 14 6,5 13 Raum vom hintern Rand der Canin- Alveole bis Anfang des Zwischen- - ' kiefers im Alveolarrand = . . . | 94 18 205| 16 | $ Länge des Zwischenkiefers von da | B. bis ας Prise, ο ea ώς 67 68 63 65 | | | Länge des Gebisses .

DER SCHÄDEL DES RUROPAISCHEN WILDSCHWEINS.

Es ist also bei einem kleinern weiblichen Schädel der Zwischen-. τ kiefer absolut länger; für die beiden andern ergiebt sich die Gleichung: i i 166 :67 = 153: 61,7 (statt 63) | 166:67 = 145:590,1 (statt 65).

π In beiden Fällen sind also die Zwischenkiefer relativ auch länger als bei dem männlichen Kopf. Ich bemerke hierzu, dass die gegebenen Masse im Anschluss an Rütimeyer’s Methode genommen sind, etwas abweichend von der, welche ich sonst befolgt habe, es stimmen daher die- selben nicht genau mit meinen Tabellen.

| $ Wenn man die Länge der Ineisivpartie der Art bestimmt, dass man für. dieselbe die Länge misst zwischen Schnauzenspitze und Mitte der

Linie, welche man quer über den Gaumen aus den Punkten zieht, in wel-

chen sich im Alveolarrand Zwischenkiefer und Oberkiefer verbinden, und ` wenn man die so gefundene Länge der Ineisivpartie mit der Länge des Kopfes zwischen Schnauzenspitze und unterm Rand des Foramen magnum vergleicht, dann erhält man für 5 männliche Schädel

1: 4,57

1: 4,68

et:

:5,10 : 4,70 :5,00° :5,00.

und für 2 weibliche

= =|= =

Demnach ist zwar bei diesem Vergleich der Zwischenkiefer beim ig Eber durchschnittlich etwas länger als bei der Sau, aber in einem Fall verhält es sich doch umgekehrt. | Nach diesen Betrachtungen kann ich die grössere Länge des Zwi- schenkiefers nicht für einen constanten und durchgreifenden Charakter des männlichen Geschlechts halten, und würde höchstens sagen, dass der- selbe beim Männchen zuweilen (oder oft, wenn dies mehrfache Beob- achtung ergeben sollte) länger ist als beim Weibchen, dass aber jeden- falls die Gränzen der Differenz sich decken. ©

Die Kinnsymphyse des männlichen Thiers ist immer länger als die -des weiblichen, worüber die folgende Tabelle gleichfalls Nachweis liefert. Der Winkel der horizontalen Aeste beim Weibehen' ist immer etwas

offener, weil der untere Rand nach vorn schärfer und schmaler ist; beim Männchen ist er durch die Eckzahnwurzeln stark verdickt. Diese Län- gendifferenz der Symphyse wird aber wesentlich ausgeglichen, in Bezug

GESCHLECHTLICHE UNTERSCHIEDE. : 59

j auf die horizontalen Gebissdimensionen, durch grössere Steilheit der Sym- physe beim männlichen ‚und tiefere Neigung derselben zur Grundfläche beim weiblichen Thier. Der Rest der Differenz zwischen der Kathete (der Grundlinie) und der Hypotenuse (der Symphyse) wird, wenn ein solcher vorhanden ist, durch die Richtung und Länge der untern Schneide- zähne ausgeglichen.

Ferner ist der horizontale Ast des Unterkiefers beim Eber in der Regel höher als bei der Sau; besonders ergiebt sich dies, wenn man in der Gegend von präm. 2 die senkrechte Höhe zwischen Alveole und un- term Kieferrand (nicht der Grundlinie) misst; hierüber giebt die: Tabelle gleichfalls Auskunft; nach hinten unter mol. 3 tritt der Unterschied be- deutend weniger hervor, indem der horizontale Ast -nach hinten zu nie- driger wird. Hierbei ist aber ein Umstand besonders zu bemerken: -die Kauflächen der Backzahnreihe stehen bei beiden Geschlechtern sehr nah parallel der Grundfläche auf welcher der Kiefer ruht; dies steht darum nicht im Widerspruch mit der grössern Höhe des horizontalen Astes in sei- nem vordern Theil bei dem Eber, weil die Höhe der Zahnreihe nicht durch die Höhe des horizontalen Astes, sondern durch die Stützpunkte der Grundlinie an der Symphyse und dem aufsteigenden Aste bedingt wird.

Die Differenz in der Gestalt des männlichen und weiblichen Unter- kiefers ist am besten aufzufassen, wenn man den weiblichen Kiefer um so viel grösser zeichnet als die Differenz zwischen der Grösse des männ- lichen und weiblichen Thiers beträgt und dann beide so aufträgt, dass sich die Conturen deeken: so findet man dann bei dem weiblichen Kiefer hinter dem Punkte, mit welchem der Kiefer vorn auf der Grundfläche ruht, welches ziemlich genau der Anfang der Symphyse ist, etwas grössere Concavität des vordern Theils des untern Randes, von mol. 2 an bis zur Symphyse; beim Eber steht dieser Theil des untern Randes der Grundlinie näher. Vor der senkrechten Linie, welche zwischen un- term Anfang der Symphyse und vorderm Rand von präm. 3 liegt, vor dieser Linie ist bei der Sau das ganze vordere Stück mehr nach unten geneigt als beim Eber; es stehen demnach der Alveolarrand und -mit ihm präm. 4, Eckzahn und alle Schneidezähne der Grundlinie näher und eben 5ο die Kinnsymphyse.

Eine Anschauung dieses Verhaltens giebt die folgende Zeichnung: auf den mit vollen Strichen gezeichneten Kiefer des Ebers ist der Kiefer der Sau mit punktirten Linien übertragen. Ine. 2 und 3 beim weiblichen und inc. 2 beim männlichen Kiefer sind aus den Alveolen genommen,

daher nur diese sichtbar.

60 DER SCHÄDEL DES

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1.

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EUROPÄISCHEN WILDSCHWEINS.

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Fig. 31.

In nachstehender Tabelle stelle ich, wie immer mit besonderer Rück- sicht auf individuelle Variation, einige Messungen zusammen, welche auf die eben besprochenen Verhältnisse Bezug haben. In der ersten Colonne stehen die Masse des ‚„recenten Wildsehweins”, welche Rütimeyer an- giebt (Fauna der Pfahlbauten 40, 41, 43, 44), wobei wohl zu bemerken ist, dass Rütimeyer Masse weiblicher Wildschweine der jetzt lebenden

Form überhaupt gar nicht gegeben hat.

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Wildschwein. Masc. Fem Nach 8 S Fe z Fe E s Ξ = Rüti- E 3 E|] |: |“ meyer.*) 5 τ ΕΞ £ ΕΞ 3 = Es σρ σρ = α. b. z Oberkiefer. Durchmesser der Canin-Alveole N 28—33 24 25 δα 4:27 1, 28 2.» ; ; ο . 3 = rechts 61 | , EEE ο Sr Distanz zwischen präm. 4 und inc. 3°) | 50—60 links 69 56 L 54 54 1 54 } 40 | 42 Ausdehnung der drei Ineisiv-Alveolen®) | 48—52 52 48 42 147 | 45 943) | 47 | 47 Länge des Zwischenkiefers am Alveo- l Tna ee E ENAN 80 76 9 | Τ8| 6 66 | 65 | 65 Distanz von präm. 4 bis zum Vorder- ht ; . 104 rand des Zwischenkiefers?) . | 105—120} ορ e 112 | : Ei ΠΝ 102] 1ΟΊ | 91 | οἵ Verticale Höhe des Oberkiefers zwi- ς 5 schen präm. 4 und 3°) . . | 89—50 50 43 32 |43 | 99 32 | 35 | 40 Verticale Höhe des Zwischenkiefers | ο ο ο ον ο age να 43 41 ὃς δι 88 37 |34| 38 Länge des Kamms über der Alveole des Eckzahns . 45—51 52 57 45 |44] 4

Physe

messen ὁ)

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N a Rüti- E A 5 |: ος meyer. *) Ξ 7 ΕΞ σα S = E ΕΞ ; a. b. = Unterkiefer. | Grösster, schräger Durchmesser der Eckzahn-Alveole 25—29 26 28 25 21 28 16 161-17 Distanz zwischen präm. 3 und ine. 3 | 50—69 76 61 r i 60 | 62 4 48 | 46 Istanz vom Vorderrand der Eckzahn- k dar Alveole bis zur Spitze der Sym- ΡΝ. X ο E AE A, 48{1) 1 1 44 a E 40 | 43 |38| 43 ange des Unterkiefers in der Höhe j des Alveolarrandes in der Achse ge- : ; Bun, 914 900 282 1281| 291 286 12651 271 \eselbe von Aussen gemessen . 297-8191. . B18 304: | 285 |286| 294 | 290 |269| 275 öhe des horizontalen Astes bei präm.2 | 52—64 54 55 52 |50| 60 40 | 42 | 44 ieselbe bei mol. 3 45—52 47 45 |.40.-|48|.46 | 43 140 | 58 ange der Kinnsymphyse . νο 95—115 110 108 96 95 | 103 84 80 | 90 ο Distanz zwischen den Aussen- "andern der Ecekzahn-Alveolen 58—69 66 67 59 59 64 5 EGO | pi

*) In Rütimeyer’s Messungen wird der vordere Prämolarzahn noch als präm. 1 bezeichnet, welchen wir, wie auch Rütimeyer selbst in neuern Arbeiten, als präm. 4 be-

zeichnen.

1) Beim Eber gerader Durchmesser in der Richtung der Zahnreihe, bei der Sau grösster Durchmesser, welcher schräg zur Zahnreihe steht.

2) Die Zähne oder Alveolen dieser beiden Zähne, welche als Endpunkte genommen sind, nicht mitgemessen. Diese Distanz und mehrere der folgenden gehen nicht hervor aus meinen Messungen in der Zahntabelle, ich habe sie für diesen Zweck besonders gemessen,

um mich Rütimeyer anzuschliessen.

3) Ich habe diese Masse in der Art genommen, dass ich eine Tangente der vordern Ineisiv- Alveolen oder der Spitze der Zwischenkiefer zog und gegen diese mass, also nicht

schräg oder dem Verlaufe des Alveolarrandes folgend.

4) An diesem Schädel fehlt spurlos der dritte Schneidezahn, die Zahl 34 bezieht sich deshalb auf ine. 2 und ist zu diesen Vergleichen nicht brauchbar.

5) Hier ist nur das eigentliche Kieferbein bis zur Nath des Zwischenkiefers ge-

messen, nicht die ganze Höhe bis zur Nase; es ist dies Mass nicht sehr normirend, weil der Verlauf der Nath nicht constant ist.

6) Dies ist ein wenig brauchbares Mass, weil der hintere Ausgangspunkt der Linie in einer Krümmung der Contur des hintern Randes des aufsteigenden Astes liegt, welche

nicht nothwendig durch die allgemeine Richtung des aufsteigenden Astes bedingt ist.

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62 DER SCHÄDEL DES WILDSCHWEINAHNLICHEN HAUSSCHWEINS.

Als klar ausgedrückte Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht bei dem Wildschwein bleiben nach vorstehenden Beobachtungen also nur:

1) stärkere Entwicklung des Talons von mol. oben und unten beim

Eber;

2) die Form und Grösse der Eckzähne;

3) die Richtung und Grösse der Alveolen der Eckzähne;

4) der Knochenkamm über dem Eekzahn des Oberkiefers beim Eber;

5) am Unterkiefer grössere Höhe im vordern Theil und grössere Rundung des untern Randes, dadurch bedingter etwas weniger offener Winkel der Aceste beim männlichen Thier;

6) längere Kinnsymphyse beim Männchen, höhere Stellung des Al- veolarrandes von präm. 4 an bis vorn, und ebenso steilere Stel- lung der Symphyse.

Um Wiederholungen zu vermeiden, verweise ich noch auf das, was früher (Seite 54) über die verschiedene Stellung der vordern Schneide- zähne im Ober- und Unterkiefer gesagt ist, da es mir noch nicht hin- _ länglich nachgewiesen erscheint, ob dieser Unterschied als Geschlechts-

differenz in Betracht kommen kann.

Der Schädel des dem Wildschwein ähnlichsten Hausschweins, (Taf. I. Fig. 4. Taf. III. Fig. 14. Taf. IV. Fig. 19. Taf. VI. Fig. 25. 27.)

Vergleichen wir nun zunächst den Schädel derjenigen Formen des Hausschweins, welche die grösste Aehnlichkeit mit dem Wildschwein haben. Als Beispiel einer solchen Form gelte zunächst der auf oben be- zeichneten Tafeln abgebildete Kopf eines Hausschweins aus der Gegend von Iwanowsk im Gouvernement Twer in Russland. Es sind mit diesem Schädel jedoch viele andere zugleich in Betracht gezogen und ver- glichen.

Schweine der Art sind in weiten Landstrichen häufig und die allein gehaltenen, dennoch ist es ausserordentlich schwer alte Schädel zu er-

langen, weil fast alle Thiere, selbst die zur Zucht verwendeten, vor ihrer

vollen Ausbildung geschlachtet werden.

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DER SCHADEL DES WILDSCHWEINZÄHNLICHEN HAUSSCHWEINS. 63

Ich habe aus verschiedenen Gegenden Deutschlands, namentlich den östlichen, aus der Schweiz, den Niederlanden u. s. w. grössere Suiten von Jungen Köpfen vergleichen können, alte Thiere habe ich aber nur selten erlangt und diese, ausser dem hier abgebildeten russischen, nur aus Baiern und der Schweiz.

Es fällt auf den ersten Blick die grössere Höhe im Verhältniss zur Länge auf. Bei dem Wildschwein beträgt die Längenachse des Kopfes bis zu dem untern Rand des Foramen magnum immer mehr als die anderthalbfache grösste Höhe des auf dem: Unterkiefer ruhenden Kopfes; bei diesem Hausschwein verhält sich dagegen diese zu jener = 1:14. Noch etwas auffallender wird das Verhältniss, wenn die längste Achse zum Vergleich genommen wird, welche durch Messung bis zum hervor- ragendsten Punkt der Flügel des Hinterhauptskamms genommen wird; wir finden dann die Höhe zur Länge bei diesem Hausschwein = 1:15; bei dem Wildschwein durchschnittlich = 1: 1,8.

Demnächst fällt die andere Riehtung des Hinterhaupts auf. Bei dem Wildschwein liegt die Mitte des obern Randes des Occipitalkamms hin- ter dem untern Rand des Foramen magnum, bei demHausschwein vor dem- ‚selben. Hieraus folgt, dass bei diesem die fächerförmige Schuppe des Hinterhaupts mit ihrem obern Theil nach vorn gerichtet ist, während sie beim Wildschwein nach hinten gerichtet ist. Mit dieser steilern Stellung des Hinterhaupts hängen veränderte. Richtungen einiger andern Regionen zusammen: die Schläfengrube ist steiler zur Grundlinie gerichtet; der Jochbeinfortsatz des Stirnbeins steht annähernd senkrecht über. der Nath im Jochbogen, welche’ das Jochbein mit dem Jochbeinfortsatz des Schlä- fenbeins verbindet; dieser letztere, also der hintere Theil des Jochbogens, folet gleichfalls der steilern Stellung des Hinterhaupts und. ebenso der Gehörgang. Endlich sind die Kehldorne mehr nach hinten gerichtet, des- halb auch in der Profilansicht des auf dem Unterkiefer ruhenden 'Schä- dels, wenigstens in ihrem untern Theil, siehtbar; bei dem Wildschwein sind sie der Art nach vorn gerichtet, dass sie von dem Unterkiefer in der Profilansicht vollständig verdeckt werden. Es hängt von der steilern Stellung der Hinterhauptsschuppe ab, dass der Unterschied zwischen der grössten Längenachse des ganzen Kopfes und der Achse zwischen Schnauze und Foramen magnum bedeutend verringert wird oder verschwindet; die Flügel des Occipitalkamms stehen nieht mehr nach hinten weit über die Ränder des Foramen magnum hinaus.

Der Kopf ist in allen Dimensionen etwas breiter geworden

im Verhältniss zur Länge:

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= Zune

64 DER SCHADEL DES WILDSCHWEINFAHNLICHEN HAUSSCHWEINS.

Die grösste Distanz der Gelenkköpfe des Unterkiefers verhält sich zur Länge zwischen Schnauze und Foramen magnum = 1:2,6; beim Wild- schwein = 1:28.

Die grösste Breite des Schädels, der Jochbogendurchmesser, verhält sich zur grössten Längenachse des Kopfes, von der Schnauzenspitze bis zu den hervorragendsten Punkten der Oceipitalschuppe = 1:2,2; beim Wildschwein = 1:2,5 oder 2,6.

Dieselbe grösste Breite verhält sich zur Länge zwischen Schnauzen- spitze und unterm Rand des Foramen magnum = 1:2,1; beim Wildschwein = 1:2,2 bis 2,4.

Die Stirnbreite verhält sich zur Distanz zwischen Nase und Ocei- pitalkamm = 1:3; beim Wildschwein = 1:3,4 bis 3,8.

Stirnbreite zur Achse zwischen Schnauze und Foramen magnum = 1:2,9, beim Wildschwein = 1:3,1 bis 3,3.

Aehnlich verhält es sich mit allen übrigen Dimensionen der Breite oder mit allen Querdurchmessern.

Das gegenseitige Verhältniss der Partien der -Schädelbasis ist eben- falls alterirt. Die Hinterhauptspartie vom Foramen magnum bis zum Gau- menausschnitt verhält sich zur Kopflänge zwischen jenem Punkt und der Schnauzenspitze = 1:3,1; beim Wildschwein = 1:3,4. Die Gaumenpartie verhält sich zu der oben genannten Kopflänge = 1:1,46; beim Wild- schwein = 1:4.

Die Hinterhauptspartie endlich verhält sich zur Gaumenpartie = 1;2,1; beim Wildschwein = 1:2,5. Aus diesem Verhältniss geht hervor, dass vorzüglich die Gaumenpartie verkürzt ist. Die Ineisivpartie ist rela- tiv weniger verkürzt, indem sie sich zur Molarpartie verhält = 1: 20, welches Verhältniss beim Wildschwein auch vorkommt, wenn auch die Durchschnittszahl eine etwas andere ist (1: 2,46).

Ein anderer Unterschied liegt darin, dass bei dem Hausschwein die Profillinie des Gesichts vor den Augen etwas mehr gesenkt ist als bei dem Wildschwein. Eine gerade Linie von der Nasenspitze bis zum Hin- terhauptskamm gezogen ist die Basis eines Dreiecks, welches die Ordi- nate der tiefsten Gesichtsstelle zur Höhe hat; diese Höhe verhält sich zu jener Basis hier = 1:16; beim Wildschwein fanden wir 1:29 bis 1: 44. Wie aber schon bei dem Wildschwein ziemlich bedeutende Differenzen vorkommen, so finden sich dieselben ebenso bei diesem Hausschwein; es giebt Schädel, die fast ebenso gerades Profil haben, als die Wild-

schweine.,

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DER SCHÄDEL DES WILDSCHWEIN/RHNLICHEN HAUSSCHWEINS. 65

Weniger in die Augen fallend und nur durch Vergleichung und i Reducirung gefundener Masse nachweisbar ist die Eigenthümlichkeit beim | zahmen Schwein, dass der untere Rand des Foramen magnum, also auch | die Gelenkköpfe, etwas höher über der angenommenen Grundfläche und demnach etwas höher über der durch die Kaufläche der Backzähne ge- Τι dachten Ebene stehen. Dasselbe gilt von dem Umstand, dass die oben (Seite 46) ausführlicher besprochene Basallinie des Gehirns um etwas in der Richtung alterirt ist welche wir bei dem Wildschwein gefunden

haben; diese Linie senkt sich wenig nach vorn und bildet deshalb in

ihrer hintern Verlängerung einen etwas weniger spitzen Winkel mit ΤΙ | der Grundfläche; hieraus resultirt aber die etwas höhere Stellung des H]

Hinterhauptsloches über der Grundfläche. {1 1 Die hintere Kante des letzten Backzahns steht nicht, wie beim 1#

Wildschwein, vor dem vordern Augenhöhlenrand, sondern unter oder etwas hinter demselben.

Es ist bei diesem Vergleich des Schädels des wildschweinähnlichsten Haussehweins mit dem des europäischen Wildschweins die absolute Grösse unbeachtet geblieben. Es ist alleemein bekannt, welchen Schwankungen die Grösse der Hausthiere unterliegt und dass dieselbe innerhalb gewisser Gränzen allein bedingt ist durch das was die Landwirthe unter „Haltung“ verstehen, also durch Nahrung und deren Verhältniss zur Bewegung und

zur Temperatur. Es ist aber auch bekannt, dass das jetzt lebende Wild- schwein unter verschiedenen Bedingungen eine sehr verschiedene Grösse erreicht. Ziehen wir dabei die Gewichtsangaben in Betracht, welche wir in Jagdregistern des 16. und 17. Jahrhunderts gelegentlich aufgezeichnet finden, oder dehnen wir die Betrachtung auf diejenigen Formen aus, von denen Knochenreste aus der sogenannten Steinzeit, z. B. den Pfahlbauten der Schweiz, aufbewahrt sind, dann dürfen wir auf Grössendifferenzen . von mindestens 30 Procent schliessen; wenn wir aber grosse und kleine Individuen, sogenannte Hauptschweine und Kümmerer, neben den Diffe- renzen, welche durch Zeitalter und Localität bedingt sind, in Betracht ziehen, dann treten Verschiedenheiten auf, welche bis auf 50 Procent und darüber steigen. Es muss hierbei aber beachtet werden, dass die Gewichte des lebenden Thieres nicht nothwendig ein richtiger Ausdruck für die

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Grösse sind, weil bekanntlich die eigenthümlichen Fettanhäufungen beim | 1 Schwein das Gewieht schr steigern können, ohne bedeutenden Einfluss F auf die Grösse zu üben. Demnach ist es klar, dass verschiedene Grösse 2 | der Rassen oder Formen wesentlichere Verschiedenheit nicht begründet 1;

und deshalb für die hier vorgenommene Vergleiehung ausser Betracht 5 E

66 DER SCHÄDEL DES WILDSCHWEINZEHNLICHEN HAUSSCHWEINS.

bleiben musste. Bei dem Hausschwein kommen bekanntlich jetzt Grössen und Gewichte vor, welche die Dimensionen der Wildschweine aller Zeiten und Länder übertreffen.

Die oben besprochenen und an einem bestimmten Kopf erläuterten sind nun diejenigen Verhältnisse, durch welche sich selbst diejenigen Formen des Hausschweins, welche dem Wildschwein am meisten ähnlich sind, von diesem unterscheiden. Es sind mir Beispiele nicht vorge- kommen an welchen diese Eigenthümlichkeiten vollkommen unklar ge- wesen oder in einander übergegangen wären; es ist aber nicht zweifel- haft, dass Uebergänge der einen Form in die andere vorhanden sind; bekanntlich ist es leicht, das Wildschwein mit dem Hausschwein zu paren und es werden gewiss an den Nachkommen solcher Parungen die hier hervorgehobenen Eigenschaften des Schädels mehr oder weniger nicht vorhanden sein.

Aber auch abgesehen von Kreuzungen ist es klar, dass, wenn das

Hausschwein aus dem Wildschwein entstanden ist, eine Reihe von Formen

vorhanden gewesen sein muss, welche allmälig von dem einen zum andern führt; es kann dann selbstverständlich nicht von einer festen Gränze der Unterschiede die Rede sein; und wenn noch heute das Wildschwein in den Hausstand übergeführt und umgekehrt das Hausschwein wieder voll- ‘kommen wild werden kann, dann muss die ganze Reihe der Formen, welche zwischen beiden liegt, auch noch heute wieder dargestellt werden können.

Alle die oben genannten Unterschiede am Schädel des wildschweinähnlichen Hausschweins kommen bei diesem in verschiedenen Graden vor, es giebt kaum zwei Schädel, an

denen nicht graduelle Differenzen deutlich hervortreten.

DER SCHÆDEL DES WILDSCHWEIN/EHNLICHEN HAUSSCHWEINS. 67

Rückblick auf das Resultat des Vergleichs des wilden und zahmen Schweins. Motiv der Gestaltung.

Bevor wir mit Betrachtung der übrigen Rassen vorgehen wird es zweekmässig sein, schon hier einen Rückblick auf die bisher gewonnenen Resultate zu machen. :

Es ist früher gezeigt, welche bedeutenden Veränderungen mit dem

Schädel von der Geburt an bis zum reifen Alter vorgehen; es ist gezeigt,

dass alle Knochen, welche die Gehirnkapsel nach oben decken, in ihrer

äussern Contur grossen Veränderungen während des Wachsthums unter- worfen sind; es ist gezeigt, dass die dünnen Knochenplatten der Gehirn- decke des neugeborenen Thieres schnell sich verdieken, dass bald eine dicke Schicht zwischen dem Gehirngewölbe und der äussern Contur der Knochen entsteht, welche im Anfang aus einer zelligen, schwammigen Masse besteht, in welcher erst spät fest umschriebene Höhlungen entstehen; es ist nachgewiesen, dass.die Näthe, namentlich die Kronnath, der untern Knochenlamellen welche das Gehirn decken, früher verwachsen als die

der äussern Lamellen, so dass also die äussern Flächen, selbst demnach

so- zu sagen beweglich sind wenn die Gehirndecke bereits fest ver- wachsen ist. |

Denken wir uns nun den Schädel nicht als das feste starre Knochen- stück, wie es als Präparat der Untersuchung dient, denken wir uns den- selben als wachsenden Theil des lebenden Thieres, erinnern wir uns der

oben berührten Metamorphosen dann wird klar: dass alle die Eigen-

schaften, durch welche wir das Hausschwein vom Wildschwein unterscheiden gelernt haben, auf eine gemeinsame Grund- ursache zurückgeführt werden können. Stirn und Scheitelgegend richten sich nach oben, damit ist die Ein- senkung zwischen Nase und Stirn gegeben, zugleich entsteht damit die grössere Höhe des Hinterhaupts: die fächerförmige Schuppe muss dem Aufsteigen der Scheitelgegend folgen, sie muss sich in ihrem obern Theil mehr nach vorn richten. In geringerm Grade wird der Basilartheil des Hinterhaupts an dieser Tendenz nach oben und vorn betheiligt, weil seine Verbindung mit dem Schuppentheil sehr früh verwächst; es muss auch der Körper des Keilbeins in diese Action gezogen werden weil auch dieser früh mit dem Hinterhaupt fest verbunden wird. Hierdurch ist 5*

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68 DER SCHADEL DES WILDSCHWEINEHNLICHEN HAUSSCHWEINS.

dann einestheils die etwas höhere Lage der Gegend um das Foramen .

magnum bedingt, anderntheils auch die etwas veränderte Richtung der Basallinie des Gehirns, und schliesslich ist mit der Richtung der Hinter- hauptsknochen nach oben und vorn die Richtung der Kehldorne nach hinten nothwendig gegeben.

Könnte man den trocknen alten Schädel eines Wildschweins er- weichen, so würde man durch einen von hinten nach vorn wirkenden Druck auf die fächerförmige Schuppe des Hinterhaupts, wenn man gleich- zeitig die Nasengegend stützt, die bisher betrachtete Schädelform des Hausschweins darstellen können; und umgekehrt: durch Ziehen an dem obern Rand der fächerförmigen Schuppe nach hinten und gleich- zeitigen Druck auf die Nase würde man den Schädel des Hausschweins in einen Wildschweinschädel umformen können. Bildet man den Schädel

aus weichem Thon nach, dann ist diese Umwandlung der einen Form in

‚, die andere evident zu demonstriren.-

Erinnert man sich an die Form des jugendlichen Schädels, wie wir

dieselbe anfangs beschrieben und Taf. I. Fig. 1 abgebildet haben, so wird klar, dass die Schädelform des Hausschweins (Taf. I. Fig. 4), wenn der Ausdruck in diesem Sinne gestattet sein soll, eine Hemmungsbildung ist.

Die Form des Schädels des jungen Wildschweins hat, in den be- sprochenen Beziehungen, grössere Aehnlichkeit mit dem Hausschwein als mit dem alten Wildschwein; es ist also die Kopfform des Hausschweins eine Entwicklungsstufe, welche gleichsam zwischen den Formen des jungen und des alten Wildschweins liegt.

Es scheint mir die hier entwickelte Conjectur festen Boden genug zu haben, um es wagen zu dürfen, sich noch etwas weiter auf demselben zu bewegen.

Betrachten wir die Lebensweise des Wildschweins. In schr frühem Alter fängt dasselbe an, seinen Rüssel zum Wühlen zu gebrauchen, später lebt es zeitweise ganz ausschliesslich von Wurzeln und Thieren die es aus der Erde hervorwühlt; welche Kraft in dem Rüssel liegt, beweisen die „Kessel“ welche es gräbt und die Verwüstungen welche es selbst in festem und steinigem, mit starken Wurzeln durchwachsenem Boden an- richten kann. Das Wühlen mit dem Rüssel ist Lebensbedingung des Schweins im wilden Zustand. Betrachten wir nun dieses Wühlen näher, so unterscheiden wir zwei verschiedene Thätiekeiten. Einmal ist der Rüssel allein thätig durch seitliche und nach oben gerichtete Bewegungen lockere Erde zu bewegen und darin Nahrungsmittel aufzusuchen; bei

dieser Thätigkeit des Rüssels ruht der Hinterkopf, es sind allein die

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MOTIV DER GESTALTUNG. 69 Muskeln des Rüssels in Thätigkeit. Findet sich aber grösserer Wider- stand, dann nimmt der ganze Kopf Theil an der Bewegung, der Rüssel ist gespannt und so zu sagen fixirt und das Thier bewegt den ganzen Kopf in der Art, dass es von unten nach oben die Erde aufwirft. Die- selbe Bewegung, mit dem Vordertheil des Kopfes nach aufwärts, tritt ein, wenn das Thier seine Eckzähne zum Hauen gebraucht.

Die Bewegung des Rüssels allein wird vermittelt durch verschiedene Muskeln, von denen diejenigen, welche hier in Betracht kommen, mit ihrem hintern Ursprung bis vor die Augengegend reichen. Die Bewegung des Kopfes wird bewirkt durch die kräftigen Muskeln, welehe vom Rumpf

aus sich an die fächerförmige Schuppe des Hinterhaupts ansetzen. Wenn

ein frischer Kopf oder ein Muskelpräparat zum Vergleich nicht vorliegt, ‚möge man Gurlt’s Abbildungen (Taf. 36 Fig.5 und Taf. 37) vergleichen.

Wenn nun das Schwein in der Erde wühlt, wirken die Muskeln, welche den Kopf für diesen Zweck bewegen, in der Art, dass sie den obern Theil der fächerförmigen Schuppe nach hinten ziehen: die Kraft wirkt also in der Richtung, in weleher die Hinterhauptstheile bei dem alten Thier am meisten hervortreten; in dieser Richtung der Thätigkeit der Nacken- muskeln beim Wühlen liegt aber offenbar auch die Tendenz, Stirn- und Scheitelbeine nach unten zu drücken und damit ist auch die Bedingung für die gerade Profillinie gegeben. Diese letztere erfolgt um so sicherer, als von vorn her die Rüsselmuskeln in demselben Sinne wirken. Es wirkt also der kräftige Gebrauch des Rüssels in der Art, dass er die hintern Theile des Kopfes nach hinten und unten zieht und zugleich die vordern Theile nach vorn und unten. Dieselbe Wirkung muss sich aber auch auf das Verhältniss der Länge des Kopfes zu seiner Breite aus- dehnen, und es wird damit, wie mir scheint, die etwas grössere Breite aller Querdurchmesser wenigstens zum Theil erklärt. Jedoch nicht allein; wir werden später Vorgänge kennen lernen, welche klar darthun, dass die Ernährung Abänderung der Dimensionsverhältnisse bedingt; wir wollen jetzt den Verlauf unserer Betrachtung damit nicht unterbrechen. Wenn auch das Hausschwein in seinem nicht veredelten Zustand, als Genosse einer wenig raffinirten Cultur, immerhin noch viel Gebrauch von seinem Rüssel machen muss, so wird es doch niemals in dem Grade allein und zu jeder Zeit auf das Wühlen angewiesen sein wie das Wild- schwein; jedenfalls nimmt es in so fern an der Cultur Theil, dass es mit mehr gelockertem Boden zu thun hat; es ist demnach nicht dieselbe fast ununterbrochene Kraftanstrengung der beim Wühlen thätigen Muskeln

erforderlich und damit fallen die Bedingungen weg, welche, nach meiner

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70 DER SCHÄDEL DES WILDSCHWEIN/EHNLICHEN HAUSSCHWEINS.

Anschauung, den besprochenen Eigenthümlichkeiten des Wildschwein- schädels zu Grunde liegen; im Gegensatz aber sind die Bedingungen der Abweichung von diesen Eigenthümlichkeiten gegeben und, wenn ich nicht irre, sehr evident.

Wir werden im Verlauf dieser Untersuchung an dem sogenannten edlen Schwein, welches im höchsten Culturstand den Gebrauch des Rüssels niemals kennen lernt, so auffallende Formveränderungen in dem hier be- sprochenen Sinne kennen lernen, dass ein Zweifel darüber nicht bestehen kann, dass diese Form bedingt ist durch die Lebensweise.

Ich glaubte es aber hier an der Stelle, auf diese Verhältnisse ein- zugehen, wo sie gewissermassen in ihren Anfängen uns entgegentreten. Es will mir scheinen, dass die Erklärung, wenn man zugeben will, dass eine solche vorliegt dass die Erklärung einer gewissen Form- veränderung nach Ursache und Wirkung von grösserer Bedeutung für die Lehre von der thierischen Form überhaupt ist, als die allgemeinen Ausdrücke darüber, denen oft nicht viel mehr als Ahnung zu Grunde liegt; wir sind so oft auf die Annahme „innerer Gestaltungs-Noth- wendigkeit“ (v. Baer; über Papuas und Alfuren. 63 [331]) angewiesen und damit am Ende unserer Einsicht, dass der Nachweis einer Gestaltungs- Nothwendigkeit aus Motiven, welche verständlich und evident sind, wenn ich nieht irre, nur förderlich sein kann. ` :

Nach unserem Zweck haben wir aber auch schon hier darauf hinzu- weisen, wie deutlich dem Züchter die Möglichkeit der Gestaltung seiner Thiere in dem hier besprochenen Beispiel vor Augen tritt, und weiter, wie das jugendliche Alter die Periode ist, in welcher formgestaltende Einflüsse am meisten wirksam sind.

Fortsetzung des Vergleichs zwischen wildem und zahmem Schwein; ‚Betrachtung der nicht umgestalteten Theile,

Es bleibt übrig auf einige Verhältnisse aufmerksam zu machen welche bei dem gemeinen Hausschwein einer Umänderung nicht unter- worfen sind. Dies ist ganz besonders die eigenthümliche Continuität, welche die Backzahnreihe auf der Gränze' zwischen Molaren und Prä-

NICHT UMGESTALTETE THEILE. ΤῈ

molaren auszeichnet, und der damit zusammenhängende parallele Stand beider Zahnreihen. Prämol. 1 hat fast genau ‚denselben Querdurchmesser wie mol. 1; er steht sowohl mit der äussern als mit der innern Seite in einer und derselben Flucht mit den dahinter stehenden Molaren; er ist nieht im mindesten aus der Reihe gerückt und deshalb erweitert sich auch der Gaumen nicht plötzlich mit dem Anfang der Prämolaren. Der Abstand der Mitte der letzten Backzähne von einander ist grösser als der gegenseitige Abstand der Mitte der ersten Prämolaren. Wenn man Linien construirt, welche der Länge nach die Mitte jedes einzelnen Zahnes durchschneiden, dann verlaufen dieselben auf den ersten Blick scheinbar parallel, convergiren jedoch bei hinlänglicher Verlängerung vor der Schnauze weit ausserhalb des Kopfes.

_ Dieses eigenthümliche Verhalten habe ich nach Vergleich vieler Köpfe frischer Thiere und vieler Schädel so constant gefunden, dass es mir allein genügt zu einem Urtheil über die Reinheit der Rasse im Sinne der Zuchtlehre: ich habe niemals ein Gebiss gesehen von einem Schwein, welches nachweislich, wenn auch nur im entfernten Grade, mit der indischen Rasse gekreuzt war, bei welchem nieht auf das unverkennbarste die Stellung der Prämolaren zu den Molaren alterirt gewesen wäre; und im Gegentheil: ich habe bei allen Schweinen, deren Abstammung von unserm wilden Schwein mehr oder weniger wahrscheinlich und eine Vermischung mit andern Rassen unwahrscheinlich war, constant diese Eigenthümlichkeit des Wildschweins gefunden.

Es ist besonders hervorzuheben, dass die hier besprochene Stellung der Zähne, welche auf der Gränze des Ersatz- und permanenten Gebisses stehen, sich unabhängig zeigt von der Verbreiterung des Gaumens, welche in gewissem Grade zugleich mit der nachgewiesenen Verkürzung des ganzen Kopfes beim Hausschwein eintritt, bei welchem alle Querdurch- messer relativ etwas grösser werden; ich finde bei allen Gebissen dieselbe Continuität in dieser Gegend, gleichviel ob dieselben Thieren mit relativ kurzem und breitem oder relativ langem und schmalem Kopf angehören.

Der weitere Verlauf dieser Mittheilungen wird erst eine Rechtferti- gung liefern für die Ausführliehkeit, mit welcher ich dieses Verhältniss hier besprochen habe. i

Nicht berührt von den vorgehenden Veränderungen wird ferner die bei dem Wildschwein beschriebene eigenthümliche Länge des Thränen- beins: es bleibt die äussere Gestalt dieses Knochens in demselben Ver-

hältniss zu allen übrigen Theilen.

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172 DER SCHÄDEL DES WILDSCHWEINARHNLICHEN HAUSSCHWEINS.

Bine übrigens wenig auffällige Ausnahme macht zuweilen das Ver- hältniss zur Augenhöhle; es erscheint nämlich an einigen Schädeln das Thränenbein etwas kürzer im Vergleich zum Durchmesser der Augen- höhle, es liegt dies aber nicht in einer unverhältnissmässigen Verkürzung des T'hränenbeins, sondern darin, dass die Contur des Augenhöhlenrandes eine etwas andere geworden ist; mit dem Aufsteigen und der Verkürzung der Stirn wird der senkrechte Durehmesser der Augenhöhle etwas grösser, der horizontale etwas kleiner, und so wird die Augenhöhle scheinbar grösser, weil der senkrechte Durchmesser der bestimmende für das Auge ist, indem der Augenhöhlenrand nach hinten nicht geschlossen ist.

Ausser den bisher besprochenen Abweichungen im Schädelbau finden sich bei dem Hausschwein noch einige andere minder auffallende, und solche, welche individuellen Schwankungen in hohem Grade unterliegen. Sehr gewöhnlich ist der Gesichtstheil des Schädels bei dem Hausschwein verhältnissmässig etwas kürzer. Zuweilen ist damit eine etwas grössere Breite des vordern Gesichtstheils verbunden; häufig ist der eigentliche Schnauzentheil, welcher allein durch die Zwischenkiefer gebildet wird, weniger schlank, damit auch die Schneidezähne einander mehr genähert. Alles dies sind Variationen ohne tiefere Bedeutung und wenn man grössere Reihen von Köpfen vergleicht, findet man nicht nur allmälige Uebergänge, sondern auch Combinationen mannichfacher Art.

Besonders beachtenswerth ist hierbei noch, dass Verschiedenheiten, wie die zuletzt bezeichneten, durchaus nicht constant begleitet werden von andern Eigenschaften des ganzen Thieres, welche gewöhnlich zur Unterscheidung verschiedener sogenannter Rassen oder Schläge benutzt werden. Thiere desselben Geschlechts, einer Gegend, derselben Grösse, mit gleich langen Ohren, gleich hochbeinig und schmalbrüstig u. s. w.

können einen etwas kürzern oder längern Gesichtstheil des Schädels

haben. Es ist diese Formschwankung in anderer Beziehung von Bedeu-

tung und es wird nothwendig sein, nochmals darauf zurückzukommen, aber die zunächst vorliegende Frage wird davon nicht betroffen.

Es kommen noch einige andere Verschiedenheiten der Schädelform bei dem sogenannten gemeinen Hausschwein vor, welche ‘so geringfügig sind, dass man dieselben erst auffindet, wenn der Blick dureh Vergleichung zahlreicher Suiten darauf eingeübt ist. Es steht z. B. bei dem (Taf. L. Fig. 4) abgebildeten Schädel des russischen Schweins der Jochbogen cin wenig höher über der Grundlinie als gewöhnlich bei andern sonst sehr ähnlichen Schädeln, auch ist dieser Knochen selbst unter der Augenhöhle etwas weniger hoch; dadurch ist der Raum zwischen Alveolarrand und

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τὸ unterer Kante des Jochbogens etwas grösser als gewöhnlich und man sieht in voller Profilansicht in diesem Raum den grössern Theil der hin- tern Oeffnung des Infraorbital-Kanals; bei den meisten andern Schädeln sieht man nur einen kleinen Theil dieser Oeffnung. Dergleichen Form- schwankungen geben uns für jetzt keine Veranlassung näher darauf ein- zugehen, wir erkennen keine Bedeutung derselben und haben keine Ver- anlassung eine solche zu suchen, bis vielleicht die Beobachtung einer grossen Zahl von Individuen statistisch feststellt, dass eine Oonstanz darin

vorhanden ist die wir bis jetzt nicht erkennen.

Gebiss des wildschweinähnlichen Hausschweins.

In dem Gebiss des gemeinen Hausschweins finde ich keinerlei wesentliche Differenz vom Wildschwein. Das Grössenverhältniss der Zähne zu einander ist fast genau dasselbe, ebenso ihre Richtung. Vielleicht ist die Reihe der 3 Molaren zusammen in der Regel etwas kürzer im Verhältniss zu der Reihe der 3 Prämolaren; und es würde dies vielleicht mit der Verkürzung des Schädels zusammenhängen, deren Wirkung auf den hintern Theil, als den am spätesten sich ausbildenden, am stärksten sein wird, wie dies auch durch die Verschiebung des letzten Zahns unter die Augenhöhle angedeutet ist. An dem abgebildeten Schädel (Taf. VI. Fig. 25 und 27) erscheint mol. 3 auffallend kurz, er ist nur 26 Mm. lang; zieht man aber die Grösse des Kopfes in Rechnung, so verschwindet das Auffallende dieser Kürze zum Theil, denn verglichen mit dem in der Zahn-Tabelle davorstehenden weiblichen Wildschweinkopf müsste der Zahn im Verhältniss zur Kopferösse 27 Mm. lang sein; diese sich er- gebende Differenz ist kaum von Bedeutung, da wir mol. überhaupt sexuell und individuell so bedeutend variiren finden.

Die Gegend um den Eckzahn bietet Schwankungen dar; prämol. 4 und ine. 3 sind mehr oder weniger dem Eckzahn genähert, die Schwan- kungen sind kaum grösser als bei dem Wildschwein;*) dasselbe gilt von der Richtung der obern und untern Schneidezähne. Die Backzähne sind oft denen des Wildschweins ganz vollkommen ähnlich. Zuweilen weichen sie darin ab, dass bei den Molaren die Haupthügel scheinbar zurücktreten,

d. h. dass die Nebenhöcker relativ stärker werden, auch sich in mehrere

An dem (Taf. I. Fig. 4) abgebildeten Schädel fehlt prämol. 4 unten auf der linken abgebildeten Seite; rechts ist er vorhanden.

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74 DER SCHÄDEL DES WILDSCHWEINAHNLICHEN HAUSSCHWEINS.

Warzen auflösen, wodurch dann der Zahn ein eomplieirteres Ansehen be- kommt; es wird dieses noch vermehrt durch zuweilen auftretende etwas stärkere Faltung des Schmelzüberzuges. Dasselbe gilt von den Prä- molaren.

Die Stärke des Schmelzüberzuges variirt bedeutend.

Wenn wir zur Betrachtung der sogenannten Culturrassen des Haus- schweins kommen, wird sich ergeben, bis zu welehem Grade das hier

angedeutete Zertallen der typischen Zahnform auftritt, es wird sich er-

"geben, dass die Ernährung auf die Zahngestaltung von directem und durch Experimente nachweisbarem Einfluss ist; wir sehen bei dem Hausschwein, welches dem he am a a an ist, den dieser με

Es a eich θέον 2 bei denen die Zähne so Gr sind wie durchschnittlich beim Wildsehwein; ich habe aber auch Wildschwein- gebisse vor mir, welche complieirter in den Kronen sind, als sie gewöhn- lich beim gemeinen Hausschwein vorkommen. Solche Wildschweine kommen da vor, wo sie künstlich der Jagd wegen in hocheultivirten Gegenden gehalten werden, wo man sie also in Nothfall füttert und pflegt; in solchen Fällen kommt auch zuweilen Vermischung mit Haus- schweinen vor.

Wenn es einmal gelingt, einen alten Eberkopf des Hausschweins zu erlangen, dann sind die Eekzähne sehr gewöhnlich verstümmelt, sie werden von Zeit zu Zeit absichtlich abgebrochen, um das Thier weniger gefährlich zu machen; überlässt man sie aber ihrem natürlichen Wuchs, dann können sie sehr bedeutende Dimensionen annehmen, welche denen des Wild- schweins nicht nachstehen. |

Diese Erwähnung eines künstlichen Einflusses auf die Zähne führt mich darauf, ein für allemal des Einflusses zu erwähnen, welchen die Castration des Thieres auf das Gebiss hat. Bekanntlich werden fast alle Schweine, auch die weiblichen, in früher Jugend castrirt, gewöhnlich schon im Alter von 6 Wochen. An dem castrirten Thier verküm- mern die Eckzähne bei beiden Geschlechtern und es gehen damit auch Veränderungen in dem Gesichtstheil auf der Gränze zwischen Ober- und Zwischenkiefer vor. Es ist sehr schwierig, ausreichendes Material für eine vollständige Beobachtung dieses Vorganges zu beschaffen, weil fast alle castrirten Schweine geschlachtet werden, ehe sie. ausgewachsen sind, bei weitem die meisten sogar bevor der Zahnwechsel vollendet ist. Es bleibt nichts übrig als castrirte Thiere eigens für diesen Zweck älter

werden zu lassen, wenn man diese Veränderung genügend studiren will.

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FORMEN DES HAUSSCHWEINS. πο Von dem geringen Procentsatz der nicht in der Jugend castrirten Thiere wird aber wieder der grösste Theil später castrirt, nachdem das männliche oder weibliche Thier zur Zucht gedient hat. Mit dieser spätern Castration tritt, wenn nicht eine Rückbildung, doch jedenfalls eine Hemmung in der Bildung der Eekzahngegend ein. |

Ich habe, weil meine Beobachtungen ο λος. noch nicht geschlossen sind, hier nur die Aufmerksamkeit dahin wenden wollen, habe aber für l; į die vorliegende Arbeit die Betrachtung der castrirten Thiere überall aus- a

geschlossen. So interessant in physiologischer Beziehung die Sache ist,

so hat sie doch keinen Einfluss auf die uns hier vorzugsweis beschäf-

| tigenden Fragen. Der Kreis der durch die Castration bewirkten Meta- 1 morphosen wird jedesmal im Individuum abgeschlossen, von Vererbung | ist, wie sich von selbst versteht, dabei keine Rede, demnach auch nicht t von Einfluss auf Rassebildung. | cs E Ein grosser Theil aller der Sehädel von Hausschweinen, welche man H

auf gewöhnlichem Wege erlangt, kommt von castrirten Thieren und es ist deshalb Vorsicht nöthig in Bezug auf die angedeuteten Verhältnisse.

Verschiedene Formen und Abstammung des’ gemeinen Hausschweins. ji

So ergiebt sieh denn aus dem Vergleich des Wildschweins | | mit gewissen Formen des Hausschweins, dass zwischen beiden | nur solche Verschiedenheiten im Schädelbau vorhanden sind, |

für welehe Motive in der Lebensart der Thiere evident vor-

| . liegen. δ | Es ist zwar allgemein angenommen und niemals dem widersprochen, κ

dass das Hausschwein vom Wildschwein abstammt, „doch ist es noch

niemals versucht worden, die osteologischen Merkmale beider sowohl an

Schädel als Skelett zu untersuchen und in Bezug auf ihre Constanz zu

verfolgen.“ 4 | Dieser Ausspruch Rütimeyer’s (Pfahlbauten 28) wird es recht- DE

fertigen, dass ich ausführlicher auf diesen Vergleich eingegangen bin. ; | Hausschweine der Art, welche dem Wildschwein sehr. ähnlich im

Kopfskelett sind, kenne ich aus Russland, mehreren Gegenden Deutsch-

lands, er nah Ober- Italien, Dänemark TE Holland. Mehr als

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Ländern BEER oder ΜΉΝ vorgekommen sind.

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FORMEN DES HAUSSCHWEINS. Unter diesen Schweinen mit identischem Schädel und Ge- biss giebt es aber Formen, welche in anderer Beziehung bedeu-

, tend von einander abweichen.

Abgesehen von der Grösse, welche innerhalb gewisser Gränzen bei

\ den Hausthieren überhaupt von geringer Bedeutung für Morphologie ist,

varim die Yhrlänge, «ιο κνμπμώθ, die Tabo, die Länge in un,

der E N A Wierik der Thiere.

Alle diese Verschiedenheiten entstehen und verschwinden durch die künstliche Zucht unabhängig vom Schädelbau; d. h. es giebt eine gewisse Constanz der Schädelform, welche nicht alterirt wird, wenn durch äussere Einflüsse an dem Thiere augenfällige Veränderungen vorgehen, oder wenn durch absichtliche Wahl der Zuchtthiere die Individualpotenz in der Vererbung zur Geltung gebracht wird. Es kann unter unsern Augen aus hochbeinigen, flachrippigen, grob- und diehtharigen Thieren in wenigen Generationen eine relativ kurzbeinige, breite, fein- und dünn- harige Form entstehen, ohne dass damit zugleich eine Veränderung in den charakteristischen Eigenthümlichkeiten des Schädels eintritt... Die- jenigen Veränderungen aber welche am Schädel vorgehen, sind wiederum nicht bedingt durch die Umwandlungen der Haut und jener Formen, welche eben genannt wurden. Es ist demnach auch die Unterscheidung des sogenannten gemeinen Schweins in eine lang- und eine kurzohrige Rasse, welche allerdings für wirthschaftliche Zwecke eine Ta hat, osteologisch nicht begründet. Uebrigens aber hat man sehr oft unter der kurzohrigen Rasse solche Formen begriffen, welche nachweisbar aus der Kreuzung mit dem indischen Schwein entstanden sind; ich selbst habe in einer früheren Arbeit darin gefehlt.

Dureh Vermischung der hier zunächst besprochenen Formen des Hausschweins mit dem indischen Schwein tritt sogleich eine wesentliche Veränderung mit dem Schädel auf; es ist selbst ein sehr geringer An- theil von dem Blute des letztern hinreichend, um dem Schädel charak- teristische Züge aufzuprägen. Dies wird näher nachzuweisen sein, wenn wir erst das indische Schwein näher kennen gelernt haben.

Das sogenannte gemeine Hausschwein ist in vielen Gegenden heut- zutage eine grosse Seltenheit geworden, nachdem fast überall eine Kreu- zung desselben mit solchen Formen vorgenommen ist, welche in England aus dem indischen Schwein gebildet sind, abgesehen von der Vermischung mit andern Formen, auf die wir später kommen werden. Es war nicht leicht das nöthige Material für vorstehende Beobachtung zu beschaffen

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DAS INDISCHE HAUSSCHWEIN. .

und in Erinnerung an diese Schwierigkeit muss ich wiederholt darauf hinweisen, dass bei weitem der grösste Theil aller Schweine, welche bei uns zur Schlachtbank kommen, wegen dieser Kreuzung mit andern Rassen die typische Form des Schädels und Gebisses unseres Wildschweins nicht

mehr zeigt.

Der Schädel des indischen Hausschweins,

Nachdem wir das europäische Wildschwein und eine Form des Haus- schweins, welche demselben sehr ähnlich ist, betrachtet haben, wenden wir uns zunächst zu dem indischen Hausschwein. Es ist dasselbe

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und den ibm ähnlichen men des Hausschweins, es bieten sh: also bei der Vergleichung beider scharfe Gegensätze dar, die Hervorhebung dieser

wird den Blick schärfen für die Betrachtung solcher Formverschieden-

heiten welche weniger frappant sind. Das indische Schwein hat aber auch, nachweisbar und unzweifelhaft, den bei weitem grössten Theil aller jetzt in den westlichen Culturländern lebenden Schweine durch Kreuzung mit früher einheimischen Stämmen so wesentlich umgestaltet, dass ein Verständniss der Formen des heutigen Culturschweins ohne die Kenntniss des indischen Schweins nicht möglich ist.

Es sci hier vorläufig kurz bemerkt, dass wir als indisches Schwein

zunächst nur eine Culturrasse vor uns haben; wir kennen deren Ursprung

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78 DAS INDISCHE HAUSSCHWEIN.

nicht und werden erst später im Verlauf dieser Mittheilungen der Frage nach demselben näher treten; die Vergleichung mit unserm Wildschwein ist aber dennoch darum wohl zulässig, weil wir solehe Formen des Haus- schweins kennen gelernt haben, welehe dem Wildschwein sehr ähnlich sind. Unzweifelhaft giebt es in China, überhaupt im östlichen Asien, ver- schiedene Formen von Hausschweinen, auch diese werden noch besprochen werden und ich bemerke hier nur vorläufig, dass die nachfolgende Be- schreibung sich auf diejenige Form des indischen Schweines bezieht, welche in neuerer Zeit hauptsächlich unsere Culturrassen gebildet hat.

In Bezug auf den Namen erinnere ich daran, dass ich den von Pallas vorgeschlagenen angenommen habe; es soll derselbe nicht ein Ausdruck für die Gränze seines Vorkommens sein. Daubenton gab in der ersten Ausgabe des Buffon (1755 tom. v. pl. XXIV. Fig. 2) die Abbildung eines Schädels unter dem Namen „Cochon de-Siam.“ Im Allge- meinen giebt diese Abbildung wohl das Bild des indischen Schweine- schädels, doch ist dieselbe zu klein und zu wenig ausgeführt; sie ist auch ungenügend, weil die Knochenverbindungen nicht angedeutet sind. Ueber- dem, wie ich früher schon (die Rassen des Schweines, 8.65) nachgewiesen habe und wie es von Rütimeyer (Fauna der Pfahlbauten, S. 176 An- merkung) anerkannt wird, bezieht sich die Buffon’sche Abbildung wahr-

scheinlich auf eine Kreuzungsform. Auch lag derselben nur der Schädel

eines jungen nicht ausgebildeten Thieres zu Grunde.

Diese Buffon’sche Abbildung ist beinah ein Jahrhundert lang die ein- zige in der Literatur gewesen, bis Blainville in der Ostsographie pl. V.) einen Schädel von „Sus sinensis. Siam“ im Profil abbildete. Auch diese Abbildung ist, wie leider manche andere in diesem grossen Werke, für genauere Vergleichung ungenügend.

Andere Abbildungen sind mir nicht bekannt geworden; es war dem- nach die Kenntniss des Schädels des indischen Hausschweins bisher sehr ungenügend. Auch Skelette und Schädel des indischen Schweins sind in den Sammlungen bis jetzt noch so selten, dass eine Beschreibung, welche sich auf eine grössere Zahl von Individuen gründet, wie solche für das Wildschwein und das ihm nächst verwandte Hausschwein oben versucht wurde, für jetzt noch unmöglich ist. Es ist mir nicht gelungen, mehr als zwei Schädel älterer Thiere zu ermitteln; einige jüngere habe ich in eini- gen öffentlichen Sammlungen gefunden und besitze deren selbst, es konn- ten dieselben aber nicht für unsern Zweck genügen da sie nicht fertig in der Form sind. Von den beiden hinlänglich alten Schädeln kommt der eine von einem fast ganz ausgebildeten weiblichen Thier welches ich

DER SCHADEL DES INDISCHEN HAUSSCHWEINS. 79

lebend erhielt; es war dasselbe von einem Hamburger Schiff aus einer der chinesischen Hafenstädte gebracht, da ich dasselbe aber aus zweiter Hand erhielt, gelang es mir nicht, den Ort selbst zu ermitteln. Da es an guten Abbildungen noch fehlt, auch die auf Tafel II. Fig. 8 und 9 copirten nicht genügen, habe ich eine Zeichnung, welehe mein Bruder von dem lebenden Thier nahm und welche dasselbe richtig und treu darstellt, an die Spitze dieses Abschnitts gestellt (Fig. 32).

Der zweite Schädel befindet sich in der Thierarzneischule zu Stutt- gart und ich habe es der Vermittelung des Herrn Professor Rueff in Hohenheim zu verdanken, dass mir derselbe für längere Zeit geliehen wurde. Auch dieser Schädel gehört einem weiblichen und zwar alten Thier an, welches lebend aus China eingeführt wurde und an dessen Ori- einalität, wie versichert wird, nicht gezweifelt werden kann. Dieser letzte Schädel ist es, welcher auf Tafel II. Fig. 6 u. f. abgebildet ist. Der zu- erst erwähnte Schädel ist weniger durch Cultur verändert und, wenn der Ausdruck erlaubt ist, einfacher und natürlicher, überdem habe ich das Thier längere Zeit lebend beobachten und mit andern vergleichen können, besitze auch das ganze Skelett und andere Präparate für später mitzu- theilende Vergleichungen, und deshalb stelle ich die Betrachtung desselben

voran.*)

Beschreibung des Schädels eines weiblichen indischen Schweins meiner Sammlung.

Der Schädel wird zunächst mit dem Unterkiefer, auf einer Ebene‘ ruhend, im Profil betrachtet; es werden nur diejenigen Abweichungen näher besprochen, durch welche sich derselbe von dem Schädel des euro- päischen Wildschweins unterscheidet oder solche Verhältnisse bezeichnet, welehe Bedeutung für Vergleichung mit andern, demnächst zu beschrei- benden Formen haben. Ich folge der Reihe, in welcher wir früher den, ‚Schädel des Wildschweins untersuchten. :

Der vordere Stützpunkt, mit welchem der Unterkiefer auf der Ebene

ruht, liegt unter dem Vorderrand des 3. Prämolarzahns, der hintere Stütz-

*) Nach einer Mittheilung Eyton’s (Proceedings zool. soc. V.23) hatte ein männ- | |

liches Schwein aus China 15 Rippen; mein Exemplar hat deren nur 14, ebenso viel die andern Skelette junger Thiere welche ich gesehen habe, z. B. No. 4509 des Berliner Mu- seums. Die Angaben über die Zahl der Wirbel der Schweinerassen sind so verschieden,

dass man selten zwei übereinstimmend findet.

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50 DER SCHÆDEL DES INDISCHEN HAUSSCHWEINS.

punkt, weiter nach hinten als beim Wildsehwein, unter dem Orbitalfort- satz des Stirnbeins.. Der Körper des horizontalen Theiles des Kiefers ist 90 Mm. lang.

Der horizontale Kieferast ist vorn 37, hinten 33, also im Durch- schnitt 35 Mm. hoch, es verhält sich demnach diese Höhe zu jener Länge = 1:2,6; wir fanden dasselbe Verhältniss beim männlichen Wildschwein und zugleich, dass bei der Sau der horizontale Ast verhältnissmässig nie- driger ist, demnach, da wir hier ein weibliches Thier betrachten, ist bei diesem indischen Schwein der horizontale Ast etwas höher im Verhältniss zur Länge. Die Kinnsymphyse ist 55 Mm. lang, demnach länger als die

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Hälfte der Länge jedes horizontalen Astes. Die Profillinie des Kinns bildet mit der Grundlinie des Unterkiefers einen Winkel von ungefähr 155°; sie ist in einem flachen Bogen ausgeschweift, dessen Höhe nach hinten, dem Backzahngebiss zu, gerichtet ist. Die untere Fläche der Schneidezähne liegt nicht in der Ebene der Profillinie des Kinnes, beide Flächen bilden einen stumpfen Winkel. |

Der Alveolarrand der Backzahnreihe liegt annähernd in einer Ebene und diese liegt parallel mit der Grundfläche.

Die hintere Kante des aufsteigenden Astes bildet in ihrem grad-

linigen Theil einen Winkel von 110" mit der Grundlinie. Der aufsteigende

PROFILCONTUR. 81 Ast selbst ist an der schmalsten Stelle noch 42 Mm. breit; die Höhe des horizontalen Astes (35 Mm.) verhält sich demnach zu dieser Breite=1:1,2; es ist also der aufsteigende Ast verhältnissmässig schmal, oder der hori-

zontale verhältnissmässig hoch.

Die höchste Stelle der Gelenkköpfe steht in senkrechter Linie 76 Mm. über der Grundfläche. Diese Höhe verhält sich zur ganzen Schädelhöhe (148 Mm.) und zur Längenachse des Kopfes, von Schnauzen- spitze bis unterm Rand des Foramen magnum (212 Mm.), ganz ähnlich

wie beim Wildschwein.

Der am weitesten nach hinten hervorragende Punkt des Schädels

‘ist, wie beim Wildschwein, der untere Theil des Kamms, welcher durch Verbindung des Sehuppentheils: des Hinterhaupts mit dem Scheitelbein gebildet wird.

Den höchsten Theil des Schädels bildet ein kleiner Höcker welcher auf der Pfeilnath etwas vor dem Rand des Oceipitalkamms steht, es ragt derselbe jedoch nur 2 bis 3 Mm. über die Mitte des Oeceipitalkamms

hervor.

Eine gerade Linie auf die obere Contur des Schädelprofils gelegt, berührt vorn die Nath zwischen den Nasenbeinen dicht hinter der Spitze derselben, nach hinten zu dann zunächst einen Höcker welcher auf der Stirn über dem vordern Augenhöhlenrand und dicht hinter der Linie steht, welche die beiden Supraorbitallöcher verbindet. Zwischen diesem Stirnhöcker und der Nasenspitze berührt die Hülfslinie nirgends die Profilcontur; diese ist nämlich eoncav und senkt sich an der tiefsten Stelle, da wo sich Stirn- und Nasenbeine verbinden, 10 Mm. unter jene Hülfslinie. Von dem Stirnhöcker nach hinten berührt die gerade Linie die Contur der hintern Stirngegend und die Pfeilnath bis zu dem früher erwähnten Höcker, welcher die höchste. Stelle des auf dem Unterkiefer. ruhenden Schädels bildet und ungefähr 15 Mm. vor der Mitte des Oceipitalkamms steht. Von der Höhe dieses Höckers nach hinten zu senkt sich die Profileontur der höchsten Scheitelgegend nach unten so, dass die Mitte des Occipitalschuppenrandes 10 Mm. unter der geraden Linie steht. Ohne jenen auffallenden Stirnhöcker würde die Kniekung welche die Profillinie

an der Nasenwurzel zeigt, deutlicher sein.

Die Distanz von der Nasenspitze bis zum Rande des Occipital- kamms, in gerader Linie gemessen, beträgt 228 Mm. Die Nasenbeine sind 116 Mm. lang, die Distanz von der Nasenwurzel bis zur Mitte des 6

82 DER SCHEDEL DES INDISCHEN HAUSSCHWEINS.

Randes der Schuppe beträgt 112 Mm.*) Die Nasenbeine sind also etwas länger als die Hälfte der Distanz zwischen Nasenspitze und Schuppe. Die Kronnath ist bei diesem Schädel schon so verwachsen, dass die Gränze der Stirn nicht mehr zu bestimmen ist. Mit dem Band gemessen hat die Contur des Profils von der Nasen- spitze bis zur Mitte des Schuppenrandes eine Länge von 236 Mm.

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Fig. 84.

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Eine Linie über die Stirn der Art gezogen, dass sie die Spitzen der Jochbeinfortsätze des Stirnbeins verbindet, und eine Linie rechtwinklig

*) Es ist klar, dass die Summe der beiden letzten Zahlen eigentlich nicht gleich sein kann der Zahl welche durch Messung der Distanz der beiden Endpunkte gefunden wird, weil diese letzte die Basis eines Dreiecks ist dessen Schenkel jene beiden Masse bezeichnen; es ist aber die Höhe dieses Dreiecks eine so geringe, dass deren Einfluss verschwindet, wenn man nicht, unnöthigerweise, die Angaben auf Millimetertheile ausdehnen will.

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STIRN. THRRNENBEIN.

83

| auf die Längenachse des Schädels durch die Nasennath gezogen, bilden mit den obern Augenhöhlenrändern und den Näthen zwischen Thränen- und Stirnbein ein Trapez dessen Höhe, im Verlauf der Stirnnath, (46 Mm.) gleich ist der Länge der vordern kürzern Seite, nämlich der Distanz zwischen den beiden Punkten, in welchen die Näthe der Thränenbeine von der durch die Basis der Nase gezogenen Hülfslinie durehschnitten werden.

Jene Linie welche die beiden Jochbeinfortsätze des Stirnbeins ver- bindet, ist die Basis des abgestumpften Dreiecks dessen Schenkel die über den Scheitelbeinen nach hinten verlaufenden Leisten bilden. Die Höhe

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dieses Dreiecks, also die Distanz jener als Basis gedachten Hülfslinie von ο Πα. E dem Rand der Hinterhauptsschuppe, beträgt 67 Mm. An der abge- | stumpften Seite dieses Dreiecks beträgt der geringste Abstand, bis zu welchem sich die Leisten der Scheitelbeine einander nähern, 28 Mm. EE Aus den hier genannten Dimensionen ergiebt sich, dass Stirn- und I 1 η Scheitelfläche dieses indischen Schweins bedeutend abweichen von der | Form des Wildschweins, bei welchem wir jene Gegend durch die Ver- EE. bindungslinie zwischen den Jochbeinfortsätzen des Stirnbeins in zwei fast E } |

gleiche Figuren getheilt fanden.

Die Stirn- und Scheitelfläche ist in allen Richtungen gewölbt und es würde die Convexität derselben eine fast gleichmässige sein, wenn nicht der früher schon erwähnte Höcker zwischen den vordern Augen-

höhlenrändern und ein kleinerer Höcker dicht vor der Hinterhauptsschuppe μα dieser Gleichmässiekeit Abbruch thäte. ας

Der Nasenrücken ist in der Mitte seiner Länge flach eingedrückt, die Nasenspitze aber nach unten geneigt. Im Querschnitt ist der Nasen- rücken in der obern grössern Hälfte der Länge schr wenig gewölbt, so dass die Nath welche beide Nasenknochen in der Mitte verbindet, nur um 1—3 Mm. höher steht als die seitlichen Näthe zwischen den Nasen-

beinen und den Oberkiefer- und Zwischenkieferknochen. Nach vorn,

gegen die Nasenspitze, bildet der Nasenrücken eine schwache Wölbung. Wir kommen zur Betrachtung des Thränenbeins, dessen Kürze ) eine der auffallendsten Eigenthümlichkeiten des indischen |

Schweins ist. Die obere nach aussen gekehrte Seite des Thränen- beins welehe mit dem Stirnbein verbunden ist, misst von der Schärfe

des Augenhöhlenrandes bis zu dem obern hintern Winkel des Oberkiefer- . E i

beins nur 21 Mm. Zwischen Stirn- und Kieferbein steht dann noch eine ri

sehr dünne Spitze, wie ein Splitter eingekeilt, welche zwar 10—11 Mm. lang ist, aber trotzdem nicht die eigenthümliche Gestalt des Thränenbeins ee i

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84 DER SCHÆDEL DES INDISCHEN HAUSSCHWEINS.

beeinträchtigt. Die untere, von aussen sichtbare, Seite des Thränenbeins welche sich mit dem Jochbein verbindet, ist 10 Mm. lang. Im Augen- höhlenrand ist das Thränenbein links 17, rechts 19 Mm., also durch- schnittlich 18 Mm., und vorn 21—23 Mm. hoch, nämlich von dem Punkt wo unten Jochbein, Oberkiefer und Thränenbein zusammentreffen, bis zu

der Stelle gemessen, von welcher aus die schmale splitterähnliche Spitze sich zwischen Oberkiefer und Nasenbein einkeilt. Das Thränenbein ist demnach ungefähr so hoch als es oben lang ist und unten | halb so lang als oben.

Es verhält sich die grösste Länge des Thränenbeins zur Kopflänge = 1 : 10; beim Wildschwein fanden wir durchschnittlich = 1: 6.

Die Nase ist an der Stelle wo sich Stirn-, Ober- und Nasenbein berühren, 30 Mm. breit, demnach verhält sich die grösste Länge des Thränenbeins zu dieser Breite = 1 :1,4, die Nase ist also annähernd um die Hälfte breiter als das Thränenbein an der längsten Stelle lang ist; | beim Wildschwein ist die Nase bedeutend schmaler als das Thränenbein

lang: ist.

Die Augenhöhle ist in. ihrem grössten senkrechten Durchmesser 34 Mm. hoch, in der Richtung zwischen Orbitalfortsatz des Stirnbeins und oberer hinterer Gränze des Thränenbeins 32 Mm. weit. Demnach ist die untere kürzere Seite des Thränenbeins nur so lang als '/, des Augen- höhlendurchmessers; beim Wildschwein sind beide Dimensionen unge- fähr gleich.,

Das obere Thränenbeinloch steht im Augenhöhlenrand, das untere vor demselben.

Die fächerförmige Schuppe des Hinterhaupts ist zwischen den Leisten

welche von dem Foramen magnum aufsteigen, im Querschnitt überall

concav, aber so flach, dass die Mittellinie nur 6—7 Mm. tiefer steht als

die höchsten seitlichen Punkte der Flügel. Die Mittellinie der senk-

rechten Höhe ist vom obern Rand des Foramen magnum an bis zur

Höhe der Flügel ebenfalls flach concav, unter dem obern Rand des Kamms |

aber schwach convex; diese Linie bildet demnach ein schlankes S dessen

oberer Haken aber viel kürzer ist als der untere.

Die Schuppe ist vom obern Rand des Foramen magnum bis zur

Kante des Kamms 69 Mm. hoch, die grösste Breite der Flügel beträgt 58 Mm.; es verhält sich demnach die Höhe zur grössten Breite = 1: 0,84 oder annähernd = 5 : 4, ebenso wie beim Wildschwein. Die Form der Schuppe des indischen Schweins weicht aber darin von der des Wild- schweins ab, dass der obere Rand, der Hinterhauptskamm, bei jenem

HINTERHAUPT. SCHL/EFENGRUBE. KEHLDORN. 85

weniger gewölbt ist als bei diesem. Verbindet man nämlich die seitlich am weitesten hervorragenden Punkte der Flügel durch eine gerade Linie welche rechtwinklig die senkreehte Mittellinie der Schuppe durchschneidet, dann wird diese letztere durch jene in zwei Theile getheilt, von denen der obere 17, der untere 53 Mm. -hoch ist; wir haben demnach beim indischen Schwein ein Verhältniss =1:3, während beim Wildschwein = 1:4 gefunden ist.

Die Hinterhauptsschuppe steht fast genau senkrecht auf der Grund- linie des Schädels. Die obere Mitte des Kamms hinter der Pfeilnath steht nur 5 Mm. vor dem untern Rand des Foramen magnum. Die ‘senkrechte Mittellinie der Schuppe bildet mit der Linie welche auf die ' hervorragendsten Stellen der Profilcontur gelegt wird, einen Winkel von 75°. Es ist nicht wohl möglich den Winkel zu messen, welchen die Schuppe mit der Stirn bildet, da für diese letztere nicht gut eine: Ebene zu construiren ist.

Die Schläfengruben sind von hinten offen wie bei dem Wildschwein, d. h. die Leisten welche vom Gehörgang aus über das Schläfenbein nach dem Kamm der Hinterhauptsschuppe verlaufen, sind schwach entwickelt, so dass bei der Ansicht von hinten der grösste Theil der Schläfengrube sichtbar bleibt.

Die Schläfengruben selbst stehen etwas steiler als beim Wildschwein und damit sind die Gehörgänge nach vorn gerichtet, so dass der knöcherne Kanal des Gehörgangs mit der Grundfläche des Schädels einen nach vorn offenen spitzen Winkel bildet.

Die Kehldorne sind mit den Spitzen wenig nach vorn geneigt, jedoch weicht ihre Richtung so wenig von der senkrechten ab, dass sie in der Profilansieht nieht vollständig von dem Unterkiefer gedeckt werden. |

Die Richtung des Basilartheils des Hinterhaupts ist in Bezug auf die Grundfläche und die Ebene der Kauflächen der Backzähne beinah genau wie. beim Wildschwein.

Die Centra der Knopflöcher, zwischen den Kehldornen, sind 21 Mm. von einander entfernt; die Höhe des Dreiecks welches die Linie zwischen den Knopflöchern zur Basis und den hintern Ausgang der Pflugschar zur Spitze hat, beträgt 27 Min. Das auf diese Art bezeichnete Dreieck (Seite 36) ist demnach höher als breit, ähnlich wie beim Wildschwein.

Der untere Rand des Foramen magnum ist 66 Mm. von dem hintern Rand des Gaumenausschnitts entfernt; die Schädelachse zwischen unterm